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Neuwahlen in Thüringen   im April 2021 – MP-Wahl im März
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Neuwahlen in Thüringen im April 2021 – MP-Wahl im März

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Zum Nachtisch ein gezielter Schlag in den Magen

02.09.2011

BREMEN Manche Musikwerke lassen keine Zugaben zu. Das kann bei Mahler passieren, bei Bruckner. Oder bei Schostakowitsch. Seine 8. Sinfonie von 1943 ist voller schwarzer Musik und auswegloser Gedanken. Sie irritiert mit sanften C-Dur-Auslösungen, erstirbt nach 70 Minuten „morendo“, verbietet in dieser endlosen Stille jeden weiteren Ton.

Doch: Heidewitzka! Da fetzt Andris Nelsons mit dem Concertgebouw-Orchester gleich Wagners Vorspiel zum dritten Akt von „Lohengrin“ hinterher. Es gibt Zuhörer beim Musikfest Bremen, die in der Glocke dieser Nachschlag voll im Magen trifft.

Das zerstört zwar das verwinkelte Gebäude nicht, das der Dirigier-Aufsteiger aus Riga und die Musiker von Weltrang aus Amsterdam aufgebaut haben. Aber es legt Risse offen. Wie kühl kalkuliert und einstudiert sind diese kommentierenden Gesten, die Nelsons seiner präzisen Schlagtechnik beimischt? Oder sind sie authentisch?

Das Gesamtwerk indes verschlägt die Sprache. Man kann die Achte als menschliche Fortsetzung der plakativen Siebten, der „Leningrader“, sehen. Millionen sind die Opfer des Stalinschen „Humanismus“, der Komponist selbst eines der verzweifeltsten. Sein persönliches Lamento dringt in die innere Welt der Menschen vor, und das in der Achten in besonderer Tiefe.

Grimmiger und fratzenverzerrter sind die ersten drei Sätze wohl kaum zu zeichnen. Nie lässt Nelsons den mächtigen Spannungsbogen des halbstündigen Kopfsatzes abreißen, imponierend angesichts der oft solistisch oder unisono gesponnenen Linien und der verformenden Kräfte. Vor allem die Celli singen unwirklich feine Kantilenen, ebenso das Englischhorn. Überhaupt formen die Bläser jede Nuance zwischen Brutalität, Grellheit und Melancholie.

Vielleicht war der aktuell in Bayreuth gefeierte Dirigent mit den Vorstücken unzufrieden? Die Ouvertüre aus Wagners „Rienzi“ irritierte mit einigen blubbernden Bläsereinsätzen. Der „Tanz der sieben Schleier“ aus „Salome“ von Richard Strauss blieb oberflächlich glänzend. Da schiebt er eben zum leichteren Konsum etwas nach, das beweist, wie brillant und virtuos die königlichen Amsterdamer auftrumpfen können. Aber das haben sie zuvor doch bei Schostakowitsch eindringlich gezeigt. Allerdings inniger.

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