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Zum Schluss etwas Großes

Matthias Hoenig

Göttingen - Das letzte Buch von Günter Grass kommt an diesem Freitag in den Buchhandel: Bei der Vorstellung am Dienstag in Göttingen im Grass-Archiv würdigte Verleger Gerhard Steidl das Werk des Nobelpreisträgers, das in ostpreußischer Mundart den Titel „Vonne Endlichkait“ (Von der Endlichkeit) trägt. „Günter Grass hat uns mit dem Buch ein bewegendes Abschiedsgeschenk hinterlassen“, sagte Steidl. „Ich glaube, dass ihm noch einmal etwas Großes gelungen ist.“

Drei Tage vor Grass’ Tod am 13. April 2015 hatte der Verleger bei dem Autor in Behlendorf bei Lübeck die noch mit letzten Korrekturen versehene Endfassung des Manuskripts abgeholt. Der Schriftsteller wurde 87 Jahre alt.

Literarisches Experiment

Nach Steidls Worten ist nicht zu erwarten, von Grass noch ein neues, vielleicht heimlich unter dem Bett verstecktes Manuskript zu finden. Dafür aber werde es voraussichtlich Veröffentlichungen von Briefwechseln und Tagebuchpublikationen geben – aus Zeiten, in denen sich Grass in seinen Tagebüchern insbesondere zu politischen Fragen Gedanken gemacht habe. Nähere Angaben machte Steidl nicht.

Was den Leser erwartet, ist ein sehr freimütiges, berührendes Werk. Zu einem Roman fehlte Grass die Kraft. Dafür ein literarisches Vermächtnis von 96 Miniaturen auf 176 Seiten: vom Dreizeiler bis zu längeren Gedichten, dazu Prosa, meist nur eine Seite. Ausdrucksstarke Zeichnungen korrespondieren mit den Texten: krepierte Vögel, ein Elchschädel und daneben Grass’ Zahnprothese.

Oder jenes Selbstporträt, das Grass mit geöffnetem Mund und nur noch einem einzigen Zahn zeigt. Im Gedicht „Selbstbild“ daneben heißt es: „Gaumenkauer, Mümmelgreis/dem nur löffelweise Brei bekömmlich/lägen nicht im Wasserglas/nachts und reinlich dritte Zähne.“

Lektor Dieter Stolz hob wie Steidl hervor, dass Grass im hohen Alter mit dem Buch ein literarisches Experiment gewagt habe, indem er kurze Prosa-Texte und darauf direkt bezogene Lyrik als sogenannte Doppelstücke verfasste und zudem noch selber mit passenden Bleistiftzeichnungen illustrierte.

„Das hat Grass in dieser Form zum ersten Mal gemacht“, betonte Stolz. Auch wenn es viele kleine Texte seien, biete das Buch einen klaren Spannungsbogen: Es spiegele Grass’ Leben und seine Arbeit als Autor und Zeichner im Ganzen.

„Und was ich an dem Buch so bemerkenswert finde: Es ist ein streckenweise zum Brüllen komisches Buch“, sagte Steidl. Manche hielten Grass für einen verbiesterten Menschen, der allen seine Meinung habe aufdrücken wollen. „Aber er hat einen subtilen Humor, und in diesen Texten ist er noch einmal zu Hochform aufgelaufen.“

Übersetzer-Symposium

Das Buch entstand in etwa anderthalb Jahren. Die Startauflage beträgt 50 000 Exemplare. Es gibt bereits Interesse an Auslandslizenzen. Grass selber schlug noch – wie stets bei seinen Werken – ein Übersetzer-Symposium vor. „Wir werden seine Übersetzer hier nach Göttingen ins Grass-Archiv holen und das Buch Zeile für Zeile durcharbeiten“, sagte Steidl.

Zur Buchpremiere vor Journalisten und Buchhändlern waren auch Grass’ Witwe Ute und seine langjährige Mitarbeiterin Hilke Ohsoling gekommen, die jetzt mehrere von Grass gegründete Stiftungen betreut.

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