Zetel - Als allererste Zuschauerin beim Konzert mit Justus Frantz und der Philharmonie der Nationen war Christine Kramer aus Schortens am Sonnabend im Zeteler Hankenhof. Fast zwei Stunden vor Beginn des Konzerts saß die Musikliebhaberin im Zuschauerraum. „Keiner störte sich daran, dass ich schon hineinging, bei dem schönen Wetter waren die Türen alle offen, und da saß er dann, der große Meister Justus Frantz, noch in Freizeitkleidung, gelbe Hose, kariertes Hemd“, berichtet sie. „Nun konnte ich sehen und hören, wie Justus Frantz behände die Klaviertasten berührte, es schien überhaupt nicht anstrengend für ihn zu sein, er spielte ohne Noten, während die Geiger bei verschiedenen Passagen, wenn ein Satz wiederholt wurde, Korrekturen auf ihrem Notenblatt vornahmen“, berichtet Christine Kramer. „Dann hörte ich, wie Justus Frantz fragte: Wo ist denn mein Kaffee? – Und ein Mann, der ebenfalls in einer Reihe Platz genommen hatte, stand auf und kam nach kurzer Zeit mit einem Kaffebecher wieder, stellte ihn neben den Flügel auf den Fußboden, wo schon eine Tüte mit Kuchen lag. Dieser Mann war offenbar der persönliche Betreuer von Justus Frantz“, vermutet die Konzertbesucherin aus Schortens. Die Proben vor dem Konzert – mit Kuchen und Kaffee, Dirigent Dieter Holzapfel und dem Betreuer, der nach dem Kaffeebringen auf einem Platz im Zuschauerraum eingeschlafen war – empfand Christine Kramer als etwas ganz Besonderes.
„Etwas nach 19 Uhr begann für mich der zweite Teil dieses wundervollen Abends. Alle Mitglieder der Philharmonie der Nationen waren nun wieder auf der Bühne versammelt, aber wie schick und elegant sie nun aussahen in ihren Fracks und Smokings mit weißer Fliege. Und die blanken, schwarzen Lackschuhe glänzten im Scheinwerferlicht.“
Mit flottem Schritt kam dann auch Justus Frantz auf die Bühne, „ebenso schick wie seine Orchestermitglieder, er sah aus wie Mozart persönlich“, beschreibt Christine Kramer. „Nach der Pause ging es mit dem Orchester alleine weiter, und Dieter Holzapfel dirigierte mit allen Fasern seines Körpers, seiner Seele und seines Herzens. Für mich war dieser Abend ein unvergessliches Erlebnis.“
