Hude - Es ist Sonnabendabend und im Huder Bistro „Zirkel“ ist kein Platz mehr zu finden. Die kleine Bühne ist in schwarze Vorhänge gekleidet. Weiße, runde Lampenschirme zieren die Decke. Am Bühnenrand steht eine Akustikgitarre. Warmes Licht setzt zwei schwarze Barhocker in Szene. Darauf Platz nehmen die Sängerin und Gitarristin Merle Strudthoff und Akkordeonspieler Oliver Voigt.

Schnell wird deutlich, in diesem Konzert der Reihe „Acoustic Fever“ geht es nicht um eine aufwendige Bühnenshow, sondern allein um Melodie und Text. Dabei stammen die meisten Titel aus der Feder von Strudthoff. Texte, die zum Nachdenken anregen, sind das Markenzeichen der 26-jährigen Huderin. „Das ist das Leben. Du musst alles geben, um zu erleben“, lautet ein Ausschnitt aus „Noch nie“. In ihrer Musik greift sie immer wieder Themen aus dem Alltag auf. Einen ganz eigenen Text hat sich Strudthoff aber auch für den Kinofilm „Der Hobbit“ überlegt. Dem Publikum gefällt diese Eigenkreation.

Wer Merle Strudthoff kennt, weiß mit ihrem Titel „Widerstand“ etwas anzufangen. Der Song, ein Aufruf zum Handeln, begeistert das Publikum auf jedem Konzert. Der Text sticht hier besonders heraus. „Widerstand muss sich regen, bevor er was bewegen kann.“ Während die Musiker die ersten Strophen ruhig und in einem langsamen Tempo auf Gitarre und Akkordeon präsentieren und Strudthoff den Zeilen mit ihrer zarten Stimme Leben einhaucht, steigern sich Tempo und Lautstärke in den letzten Strophen. Dem Aufruf wird nicht nur textlich, sondern auch musikalisch Ausdruck verliehen.

Emotionaler Höhepunkt des Abends ist „Du bleibst“ – ein Lied, dass sie einem Familienmitglied gewidmet hatte, das vor einer schweren Operation stand. Während Strudthoff mit ihrer warmen Stimme ihrer Sprachlosigkeit und Bewunderung für die Stärke des Betroffenen Ausdruck verleiht, erklingen leise Harmonien auf dem Akkordeon. Das Publikum belohnt diesen Beitrag mit viel Beifall.

Neben den selbst geschriebenen Stücken hat das Duo auch Coversongs im Repertoire. Von Oasis „Don’t look back in Anger“ bis hin zu Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ zeigen sie eine Bandbreite ihres musikalischen Könnens, indem sie die Lieder auf ihre Art interpretieren. Stets gleichwertig erklingen Akkordeon und Gitarre.

Ungewohnt, aber klanglich interessant ist die Kombination beider Instrumente vor allem beim französischen Klassiker „Je veux“ von „Zaz“. Dem Lied, das vor Leichtigkeit und Lebensfreude sprüht, verleiht Voigt mit seinem Akkordeon eine ganz individuelle Note. Der Oldenburger ist Mitglied der Huder Akkordeongruppe.

Seit März haben sich Voigt und Strudthoff auf das Konzert vorbereitet. Voigt hat die Begleitung für das Akkordeon selbst arrangiert. An einer Fortsetzung der musikalischen Zusammenarbeit wollen die Musiker auf jeden Fall festhalten. Jetzt werde aber erstmal ein wenig pausiert. Merle Strudthoff veröffentlicht noch in dieser Woche ihre erste CD „Widerstand“.