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NWZonline.de Nachrichten Kultur

THEATER: Zweierbeziehungen unter ökonomischen Aspekten

08.05.2006

WILHELMSHAVEN WILHELMSHAVEN - „Es geht immer besser, besser . . .“ sagt Schürzinger (Thomas Schweins) zum Schluss der knapp zweieinhalbstündigen Aufführung und packt Karoline (Verena Held) im Genick, so wie man das zuweilen macht, wenn man ein entlaufenes Kaninchen in den Stall zurücksetzt.

In der Tat, für den Zuschneidergesellen könnten rosige Zeiten anbrechen. Denn jetzt hat er nicht nur eine attraktive Partnerin, deren Popo sogar seinen lüsternen Chef, den Kommerzienrat Rauch (Holger Teßmann), in Wallung bringt, sondern auch eine Beförderung in Aussicht. Er hat nämlich die neue Freundin seinem Chef für ein Tête-à-Tête verkauft noch bevor er sie fest im Griff hat. Regisseur Christof Meckel lässt keine Zweifel daran aufkommen, welches Ehemartyrium Karoline bei Schürzinger bevorsteht: Der macht sich Karoline gleich nach dem ersten Kuss mit einer Ohrfeige gefügig.

Währenddessen sitzt Karolines verflossener Bräutigam Kasimir (Oliver Schönfeld) desillusioniert auf dem Bühnenboden und entringt sich als letztes Wort ein „nichts“. Er tröstet sich am Ende einer unseligen Kettenreaktion mit der naiven Erna (Katrin Hilti), deren Freund Merkl Franz (Björn Klein) kurz zuvor ins Kittchen abgeführt wurde. Doch Besserung ist für ihn, den Arbeitslosen, nicht in Sicht.

Das Stück beginnt unbeschwert heiter. Es ist Oktoberfest. Karoline hat sich in Schale geworfen, um sich mit Kasimir zu amüsieren. Doch Kasimir, Chauffeur von Beruf, ist nicht gut drauf, weil er kurz zuvor entlassen wurde. Er und Karoline geraten in Streit und gehen auf dem Fest eigene Wege.

Karoline, die schon mal gerne mit anderen Männern, vor allem der besseren Gesellschaft, kokettiert, kommt mit dem fiesen Streber Schürzinger in Kontakt; Kasimir lässt sich von seinem ehemaligen Arbeitskollegen Merkl Franz (Björn Klein) einfangen und beschwatzen. Versöhnungsversuche mit Karoline scheitern zunächst an Kleinigkeiten, der letzte an Grundsätzlichem: An Kasimirs beschädigtem Selbstbewusstsein und an Karolines mangelndem Fingerspitzengefühl.

Aber Ödon von Horvath will mehr als nur minutiös den Mechanismus aufzeigen, mit dem Zweierbeziehungen scheitern, wie Menschen – alkoholisiert – aus gesellschaftlichen Rollen fallen.

Wie hilflose Marionetten lässt er die Figuren zwischen ihrer ökonomischen Abhängigkeit und ihrer natürlichen Veranlagung hin und her pendeln.

Regisseur Meckel seziert die Vorgänge mit der Pinzette in Freud’scher Manier, indem er Aktion und Reaktion stets frontal zum Publikum ablaufen lässt. In Meckels anspruchsvoller Inszenierung werden die Gesichter zum Schaufenster der Seele. Und das gesamte Ensemble spielt bravourös mit.

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