Atens - So voll, wie sie Mittwochabend war, ist die Friedeburg selten bei einer Kulturveranstaltung. Eine leichte Boulevardkomödie und eine attraktive Besetzung mit einem nationalen Schauspielstar war für viele Nordenhamer unwiderstehlich.
Die Liebe zweier Menschen liefert den ewigen Stoff für Dramen, Tragödien und – natürlich auch – Komödien. In Neil Simons Stück „Das zweite Kapitel” von 1977, das von der „Komödie am Kurfürstendamm” inszeniert wurde, geht es um die späte Liebe zweier verletzter Menschen.
Gegen neue Bindung
George Snyder, ein erfolgreicher Schriftsteller, hat nach neun Ehejahren seine geliebte Frau durch eine tödliche Krankheit verloren – und Jenny Melone nach sechs Jahren ihren ungeliebten Ehemann durch Scheidung. Beide leben in Single-Wohnungen in New York, fest entschlossen, sich nicht noch einmal auf eine schmerzhaft endende Beziehung einzulassen.
Die Bühne ist diagonal geteilt und in zwei Ebenen unterteilt. Die rechte stellt Jennys Wohnung dar – modern und mit kühlem Chic eingerichtet. Das linke vordere Dreieck ist Georges neue Wohnung, die er – gerade von einer langen Europareise zurückgekehrt – noch nicht vollständig eingerichtet hat.
So stehen etwa Umzugskartons herum. Für die Exposition sieht das Publikum die beiden Hauptdarsteller (Nora von Collande und Herbert Herrmann) ihre Wohnungen beziehen.
Jenny wird von ihrer besten Freundin Fay (Yuri Beckers) besucht, die ihre frisch geschiedene Freundin gern verkuppeln möchte.
Selbiges versucht in der nächsten Szene Georges Bruder Leo (Stefan Schneider), nur offensiver: Er versorgt seinen traurigen Bruder mit Telefonnummern und Verabredungen. Doch George scheint zu keiner neuen Bindung bereit.
Irrtümlich, anstelle einer 90-jährigen Bibliothekarin, ruft er Jenny an, deren Nummer Leo ihm aufgeschrieben hat. Der Irrtum wird bemerkt. Er ruft noch einmal an, um sich zu entschuldigen – ein weiteres Mal, um zu reden, und ein viertes Mal, um sich mit ihr zur „Musterung” zu verabreden.
In einer spritzigen, witzigen Screwball-Szene verlieben sich die beiden ineinander. Wenig später bekommen das auch Fay und Leo mit. Fay beneidet die Freundin um das frische Liebesglück. Leo, der gerade große Eheprobleme durchlebt, drängt seinen Bruder, sich Zeit zu nehmen. Doch George hat bereits einen Hochzeitstermin festgelegt. Selbst Leos Intervention bei Jenny ändert daran nichts.
Da, wo die meisten Komödien enden, ist beim Zweiten Kapitel gerade einmal Pause. Danach treten Leo und Fay auf. Sie haben eine Affäre und treffen sich in Jennys Wohnung – für Leo eine weitere Eroberung, für Fay ein Versuch, ihr Leben aufregender zu gestalten.
Auszeit in Kalifornien
Das Flitter-Paar kommt von der Hochzeitsreise zurück – und wirkt nicht glücklich. Das Wetter war mies, George krank und Jenny hat versucht, Flugangst mit viel Wein zu bekämpfen. Schlimmer ist aber, dass George seinem neuen Glück nicht traut. Er nimmt sich eine Auszeit und flie(h)gt nach Kalifornien. Jenny erklärt, dass sie auf ihn warten werde, denn sie liebe ihn und wisse, sie sei die beste Frau für ihn. Der bewegende Monolog einer stolzen Frau ist ein Höhepunkt des Stückes.
Dann kehrt sie in ihre Wohnung zurück, wo sie Freundin und Schwager inflagranti ertappt. Während deren Beziehung perspektivlos endet, wartet Jenny. Nicht vergebens: George hat lediglich den Flughafen von L.A. umrundet, dabei nachgedacht und festgestellt, dass ein Verlust seiner neuen Ehe ihn ganz stark schmerzen würde.
Lang anhaltender Applaus am Ende, viel Szenenapplaus zwischendurch. Tolles Ensemble und glückliches Publikum. So kann Theater enden.
