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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gaaaanz großes Ballett im Oldenburger Staatstheater

05.12.2016

Oldenburg Doch ja, der kann wiederkommen: Der Schweizer Star-Choreograf Martin Schläpfer wurde am Samstagabend in Oldenburg gefeiert. Ein Applaus, der sich für den Chefchoreografen Antoine Jully noch um einige Dezibel steigerte. Der eigentliche Beifall aber galt der Compagnie, , die im Kleinen Haus des Staatstheaters großes Ballett zeigten – auf Spitze und barfuß, zu Neuer Musik und Barockklängen, mal anmutig, mal sperrig.

Auch manches, das wenig bequem zu konsumieren war. Denn so abstrakt und streng war Jullys Choreografie noch nie. Die kleinen Bühnengags des Franzosen, mit denen er sonst augenzwinkernd den thematischen Rahmen absteckt, beschränkten sich auf ein Minimum. Und dem Gast aus Düsseldorf, bei dem Jully als Tänzer und Choreograf arbeitete, sind Handlung und Inhalt im Ballett ohnehin suspekt.

Umso bedeutender ist die Rolle der Musik, wie schon zum Einstieg mit „Concertante“ nach dem Werk von György Kurtág. Was der Komponist musikalisch verhandelt, nämlich die Interaktion zwischen Soloinstrumenten und Orchester, wird in Jullys Choreografie von den Tänzern übersetzt, exakt zu Ton und Takt.

Film zu Schläpfer

Der Dokumentarfilm „Feuer bewahren, nicht Asche anbeten“ von Annette von Wangenheim porträtiert den Schweizer Choreografen Martin Schläpfer. Er läuft an diesem Dienstag um 19.30 Uhr im Oldenburger Casablanca (Johannisstraße 17).

Das Ergebnis ist eine Konversation der Gliedmaßen, Rede und Antwort, kraftvolles Zusammenspiel und streitlustige Konfrontation, bei der auch schon mal der Stinkefinger gezeigt wird.

Nach der Dramaturgie des Abends übernahm Jully auch den Abschluss. Mit einer Momentaufnahme menschlichen Treibens in der Stadt, Menschen, die sich sekundenlang „begegnen, ohne sich zu sehen“. Zu den Sinfonien 1 und 2 von Carl Philipp Emanuel Bach stürmen die Tänzer über die Bühne, flüchtig und wie im Rausch, treffen aufeinander, nur um wieder auseinanderzudriften. Ein grandioses Kollektiv, das am Ende komplett zu Boden stürzt.

Dazwischen wirken die Choreografien von Schläpfer wie Miniaturen mit zwei dominierenden Frauen. Im Solo „Ramifications“ zu den Klangschichtungen von György Ligeti glänzt Tänzerin Nicol Omezzolli – sehr konzentriert und gebändigt. Sie orientiert sich streng und bis zur angespannten Mimik an der Ballerina Marlúcia do Amaral, der Schläpfer die Choreografie auf den Leib geschrieben und die auch die Einstudierung in Oldenburg übernommen hat.

Das Pas de deux „Quartz“ mit Marié Shimada und He­rick Moreira schließlich ist ein intensives Kammerspiel mit ungleichen Partnern. In sich gekehrte Einzelgänger, die sich in drei verschiedenen Musikstücken annähern, erst dynamisch und kämpferisch und schließlich parallel zu Marianne Faithfulls Song „City of Quartz“ wie mechanische Puppen.

Mehr Vielfalt bieten nur noch Oldenburgs Tanztage. Im Mai 2017 ist es wieder soweit. Bis dahin gern noch mehr Jully und Schläpfer.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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