Oldenburg - Im Studium an der Kunstschule in Ottersberg hat Roswitha Scherer die Techniken der Malerei erfahren und das pädagogische Rüstzeug für die Vermittlung von künstlerischer Tätigkeit in VHS-Kursen und für das einfühlsame Arbeiten mit Behinderten erhalten. Die neuen Aquarelle sind freie Kompositionen, geprägt von Lebendigkeit, getragen von der Kraft der Farben.

Die Künstlerin beginnt mit einer vagen Idee von einem Motiv oder einer konkreten Anregung, aber im Malprozess kann sich das Bild anders als erwartet entwickeln; denn die Farben verlangen nach Ergänzungen oder Kontrasten. Auf diese muss wiederum reagiert werden. Gesetzte Aquarellflächen lassen sich nicht korrigieren, was Behutsamkeit in der Farbwahl verlangt, aber auch Vielfalt im Nebeneinander der Farben fördert.

Ihre Bilder entwickeln drei Grundmotive: In einer Folge werden weiche und locker gezogene farbige Gerüste aufgebaut, in deren großen Binnenfeldern die Farben zur Wirkung gebracht werden. Hier tauchen keine Gegenstände auf, wohl aber Gegensätze zwischen aufblühenden hellen Farbtönen und dämpfenden dunklen Farbstreifen.

In einer zweiten Gruppe hat die Künstlerin Bildräume geschaffen, in denen die Perspektive eine Rolle spielt. In den schmalen Hochformaten erscheinen diese Räume in kräftiger Farbgebung zimmertief, in denen einige vertikale oder schräge Farblinien Ecken oder hohe Gegenstände andeuten, aber nicht beschreiben. Roswitha Scherer lässt auch hier dem Betrachter viel Spielraum für eigene Beobachtungen und Deutungen.

Die dritte Gruppe zeigt Stillleben in meist brauner Farbigkeit. Weiße Flächen, vielleicht Lichtreflexe, geben den kleinen Gegenständen, die als Tassen und Kannen vielleicht identifiziert werden können, Plastizität. Aber auch hier behält sich Roswitha Scherer vor, mit den Formen frei nach bildnerischen Gesichtspunkten zu spielen und sich nicht von klassischen Stillleben-Bildern beeinflussen zu lassen.

Bestimmt werden alle Bilder von einer Balance zwischen Dynamik der hellen farbigen Flächen und ihrer Bändigung durch farbige Streifen, Kontraste oder komplementäre Farbsetzungen. Obwohl die Bilder ihr intuitives und spontanes Entstehen nicht verleugnen, ist der prüfende Blick der Künstlerin stets nachvollziehbar.