Burhave - Familiengottesdienst in Waddens um 14 Uhr, Familiengottesdienst mit Krippenspiel in Burhave um 15 Uhr, Christvesper in Burhave um 16.30 Uhr und in Waddens um 18 Uhr, Christnacht in Burhave um 23 Uhr – das nennt man einen vollen Terminkalender. Ausgerechnet Heiligabend nichts als Stress? Pastor Klaus Braje winkt ab. Er kennt es nicht anders. „Das ist eben der Job“, sagt der 58-Jährige, der in diesem Jahr sein 30. Weihnachtsfest als Geistlicher in Butjadingen feiert.
In Varel geboren und in Obenstrohe aufgewachsen, reifte der Wunsch, Theologie zu studieren und Pastor zu werden, in Klaus Braje schon heran, bevor er überhaupt das Abitur in der Tasche hatte. Obenstrohes damaliger Pastor Hans-Joachim Jürgens prägte ihn stark, brachte Klaus Braje dazu, sich schon als Teenager ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren.
Studium in Münster und später in Göttingen, Vikariat in Wilhelmshaven. Und dann folgte 1987 auch schon Butjadingen. Der Oberkirchenrat hatte Klaus Braje eigentlich für eine Gemeinde im Randbereich von Wilhelmshaven vorgesehen. Doch da wollte er nicht so gerne hin, hatte seine Fühler stattdessen schon in Richtung Burhave ausgestreckt, wo Vorgänger Horst Grotrian bald in Ruhestand vorgehen würde. Klaus Braje trug sein Anliegen seinen Vorgesetzten vor. Zwar habe es der Oberkirchenrat ein bisschen merkwürdig gefunden, dass die Vikare sich ihre Stelle jetzt schon selbst aussuchen, seinem Wunsch aber trotzdem entsprochen. Und Klaus Braje und seine Frau Ina haben es nie bereut, sich für Burhave entschieden zu haben. „Ich wollte immer aufs Dorf“, sagt er.
„Es ist eben, wie es ist“
2007 übernahm Klaus Braje zusätzlich zu Burhave noch die Kirchengemeinde Waddens – was sich auf seinen Terminkalender gerade auch an Weihnachten nicht eben entspannend auswirkte. Seine beiden Töchter Susanne (heute 28) und Anna (26) sagten damals: „Du weiß ja, wann wir essen und Bescherung machen. Vielleicht kommst du einfach zwischendurch mal vorbei.“ Letztlich nahmen sie es aber „norddeutsch-philosophisch“, wie Klaus Braje sagt: „Es ist eben, wie es ist.“
Und es ist gut so. Weihnachten ist für Klaus Braje auch nach so vielen Jahren als Pastor noch nicht zur Routine geworden, sondern – bei allen längst eingespielten organisatorischen Abläufen – noch immer alljährlich eine Herausforderung. Denn der Geistliche hat den Anspruch, in seiner Predigt zur Christvesper und zur Christnacht die Weihnachtsbotschaft nicht nur an seine Gemeinde(n) weiterzutragen, sondern sie auch in einen Bezug zum Jetzt, zum aktuellen Weltgeschehen zu setzen. Und um das zu bewerkstelligen, beginne es in seinem Kopf schon Monate vor dem Fest zu „kreiseln“, bekennt der Pastor.
Manchmal reicht ein Stichwort, das ihm im Herbsturlaub bei einem Strandspaziergang in den Kopf schießt. Manchmal ist es ein Suchen bis vor kurz vor Weihnachten. Aber immer ist es auch Inspiration – „eine Mischung eben, aus dem, was ich der Gemeinde als Denkanstoß mitgeben, und aus dem, was Gott mich sagen lassen möchte“, sagt Klaus Braje.
Wenn die Gedanken sortiert sind, nimmt sich der Pastor ganz altmodisch ein weißes Blatt Papier und einen Stift und beginnt zu schreiben. Und weil er dabei, wie er selber sagt, zu „Thomas-Mann-Sätzen“ mit tausend Kommas und eingeschobenen Gedanken neigt, schaut meistens seine älteste Tochter, die Lehrerin für Deutsch und Religion ist, noch einmal über das Werk. Dann kann der Heilige Abend kommen.
Ganz traditionell
Und wie wird es nun im Hause Braje geifeiert, das Fest, das – auch wenn Ostern aus theologischer Sicht die höhere Bedeutung hat – für die meisten Menschen doch das wichtigste im gesamt Kirchenjahr darstellt? Ganz traditionell. Die Töchter werden zu Besuch sein, ebenso Klaus Brajes Schwager, eine alleinstehende Freundin und eine aus Griechenland stammende Freundin der Tochter.
Gegen 19.30 Uhr gibt es Essen, und auch da halten es die Brajes am liebsten klassisch: Kartoffelsalat mit Würstchen oder wahlweise Frikadellen stehen auf dem Speiseplan. Im Anschluss holt Klaus Braje die Gitarre aus dem Koffer, und die Familie singt gemeinsam einige Weihnachtslieder. Dann folgt die Bescherung. „Ganz in Ruhe“, sagt der Pastor, „alle packen nacheinander ihre Geschenke aus und zeigen sie den anderen“.
Irgendwann wandert er dann zur Uhr, der Blick des Pastors. Noch einen Kaffee, und los geht’s zum letzten Akt dieses ereignisreichen Tages: zur Christnacht in der St. Petri-Kirche. Und wenn dann spät in der Heiligen Nacht nicht nur alles geschafft, sondern auch noch gelungen ist, dann erlaubt sich auch der an diesem Tag wohl meistbeschäftigte Mann Burhaves, einmal tief durchzuatmen – und sich auf die beiden Weihnachtsfeiertage zu freuen. Dann nämlich sieht sein Terminkalender tatsächlich ein wenig entspannter aus.
