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Staatstheater Zwischen populär und utopisch

Regina Jerichow

Oldenburg - Für ein Motto kann sich Generalintendant Christian Firmbach auch in seiner zweiten Spielzeit nicht erwärmen: „Das ist mir zu beliebig“, sagt er. Er will stattdessen seinen zweiten Spielplan „breit aufstellen“ – mit verschiedensten Regie-Handschriften, mit Giacomo Puccinis „Manon Lescaut“ zur Eröffnung im Musiktheater, mit einer Barockoper, Philipp Glass und der „Lustigen Witwe“. Nur für das Schauspiel gibt es ein übergreifendes Thema: „Postkollaps – gemeinsam weniger erreichen“.

36 Premieren – darunter sieben Uraufführungen im Schauspiel –, 18 Wiederaufnahmen und 37 Konzerte kündigt Firmbach für die Spielzeit 2015/2016 an. Ein Programm, das bis auf eine Ausnahme mit dem Ensemble der laufenden Spielzeit bewältigt wird. Was nach Ansicht von Firmbach für Stimmung und Betriebsklima spricht. Das Wort „beglückend“ wählen der Intendant und sein leitender Schauspieldramaturg Marc-Oliver Krampe nicht nur einmal.

Eröffnung mit Puccini

Eröffnet wird die Spielzeit im Musiktheater am 26. September mit „Manon Lescaut“ im Großen Haus. Die beiden Hauptrollen würden mit Gästen besetzt, erzählt Firmbach. Noch nie in Oldenburg zu sehen war die Barock-Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel. Statt für ein Musical hat sich der Intendant diesmal für eine Operette entschieden: „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár.

„Überregional positionieren“ soll sich das Staatstheater mit zwei Außenseiter-Opern: „Satyagraha“ von Philip Glass („wie Techno im klassischen Bereich“) und der deutschen Erstaufführung von „Cristina, Regina di Svezia“ von dem Verdi-Zeitgenossen Jacopo Foroni (1825–1858). Letztere ist mit einer CD-Produktion verbunden.

Interaktives Spiel

Im Schauspiel findet sich ein Klassiker zur Eröffnung: „Die Marquise von O.“ von Heinrich von Kleist am 12. September. Eher Klassisches folgt dann im November („Nora“ von Henrik Ibsen) und im April 2016 („Liliom“ von Franz Molnár). Schauspieldramaturg Krampe kündigt einen Spielplan „nicht nach Proporz“ an und eine noch stärkere Kooperation mit der Universität.

Das gilt besonders für den Themenschwerpunkt „Postkollaps“, bei dem es um neue Lebensentwürfe geht – wie bei „Utopoly“, einem interaktiven „Spiel mit möglichen Welten“. Da müssen die Zuschauer selbst aktiv werden. Zudem wird ein Autor im Hansewissenschaftskolleg wohnen und im Austausch mit den Wissenschaftlern ein Stück für das Staatstheater erarbeiten.

Unter den sieben Uraufführungen gibt es auch „eine Sensation“: Das Stück „Fünf Löcher im Himmel“ nach dem Roman von Rocko Schamoni. Der Autor wird nicht nur die Theaterfassung erarbeiten, sondern auch Regie führen.

Im Ballett kommen erstmals auch Gastchoreografen zum Einsatz, und das Jugendtheater macht ein doppeltes Märchenangebot im November: „Aschenputtel“ und „Die Brüder Löwenherz“. Das Niederdeutsche Theater eröffnet zwar mit dem Klassiker „Sluderkraam in’t Treppenhuus“ (25. Oktober), hat aber ebenfalls Aktuelles im Programm: den Roman „Pampa Blues“ von Kibum-Preisträger Rolf Lappert. Die niederdeutsche Theaterfassung stammt von Regisseur Michael Uhl.

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