Großheide - Bis zur Brust steht Keno Schmidt im Schacht. In der Hand hält der Anlagenkoordinator der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) in Großheide eine defekte Kompaktsteuerung für das Unterdruck-Abwassersystem. Dass er knietief im Schmutzwasser steht und das Bauteil auswechseln muss, ist kein Einzelfall. Immer wieder verstopfen die Leitungen, da Dinge in der Toilette landen, die nicht hineingehören. Von Knochen über Hygieneartikel bis hin zu Kinderspielzeug war bereits alles Mögliche der Grund für eine Verstopfung der Unterdruck-Anlage.
„Große Schweinerei“
„Teilweise sind es einfach Klosteine, die mit weggespült werden und sich dann dort in der Leitung verkeilen, wo diese technisch bedingt enger werden müssen“, berichtet Keno Schmidt. Vor dem Klostein sammeln sich dann weitere Feststoffe wie Toilettenpapier, bis der Durchgang vollends blockiert ist. „Das ist dann eine große Schweinerei“, weiß der Anlagenkoordinator aus Erfahrung.
Mit Unterdruck zum Ziel
Eine Eigenheit des Großheider Abwassersystems ist, dass das Schutzwasser durch einen permanenten Unterdruck zum Ort seiner Bestimmung gelangt. Es wird also quasi gezogen und nicht gedrückt. Das Ergebnis ist das gleiche, das System ein völlig anderes. Damit die Funktionsfähigkeit weiter gewährleistet werden kann, wurde die Vakuumstation unter dem örtlichen Feuerwehrgebäude vor kurzer Zeit erneuert. Bedienelemente und Ableseinstrumente wurden auf Anregung der Kläranlagenmitarbeiter umgebaut und sind nun besser erreichbar. Das spart im Ernstfall Zeit und Nerven.
„Nachts zwischen den Rohren rumzuturnen, war nicht so schön“, erinnert sich Keno Schmidt. „Das war viel Hin und Her, das ist jetzt deutlich besser.“ Auch im Umgang mit den Zubehörteilen zeigen die Großheider Kläranlagenmitarbeiter Einfallsreichtum. Defekte Exemplare werden nicht einfach entsorgt, sondern so lange es geht immer wieder mit teilweise ungewöhnlichen Ideen instandgesetzt oder sogar verbessert. „In eine Zuleitung bauen wir seit einigen Jahren Lkw-Rückschlagventile ein. Das verlängert ihre Haltbarkeit deutlich“, erklärt Keno Schmidt.
Toilette als Mülleimer
Gegen Störungen, die auftreten, wenn die Toilette als Mülleimer verwendet wird, helfen diese findigen Maßnahmen allerdings nicht. Die meisten Störfälle kommen weiterhin durch die Verstopfung von Vakuum-Rohrleitungen zustande – und bringen immer Arbeit mit sich. Insgesamt gibt es in Großheide 223 Vakuumschächte.
Bei nächtlichen Einsätzen schwingen sich die Fachleute der OOWV-Kläranlage auch aufs Rad und fahren die Strecke ab, auf der sich der Schaden vermutlich befindet.
Dabei hilft ihnen ihre Erfahrung. „In der Nacht ist es am ruhigsten. Dann können wir die Undichtigkeit im Vakuum-System besser hören. Durch den Unterdruck im System entsteht dort ein für uns charakteristischer Pfeifton“, erläutert der Anlagenkoordinator. Um zu vermeiden, dass die Vakuumschächte verstopfen oder aus dem letzten Loch pfeifen, hilft es, sich eines zu merken: Die Toilette ist kein Mülleimer.
