Aurich - In den Außenbereichen des Auricher Stadtgebietes sollen noch mehr Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen aufgestellt werden können. Im Auricher Stadtrat werden diese Möglichkeiten zur Zeit ausgelotet, um für 50.000 Euro ein Konzept zu erstellen. Dafür sollen entsprechende Planer gesucht werden. „Momentan springen viele auf das Pferd auf“, sagte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) im Fachausschuss des Stadtrates. Im Konzept sollen Kriterien wie Landwirtschaft, Wohnbau und Natur berücksichtigt werden. Außerdem muss eine gute Einspeisung ins Stromnetz möglich sein. Hintergrund ist die vom Land im Rahmen der Energiewende angestrebte schnellere Reduzierung der Treibhausgase bis ins Jahr 2045. Die Stadt geht in ihrem Klimaschutz-Konzept von insgesamt rund zusätzlich 80 Hektar aus, die noch entsprechend genutzt werden könnten.
Geeignete Flächen an der Autobahn?
Genutzt werden könnten, so die Verwaltung, beispielsweise Flächen an der Autobahn oder in der Nähe von Hochspannungsleitungen, die ohnehin nicht für andere Nutzungen attraktiv seien. Udo Haßbargen (SPD), Landwirt in Kirchdorf, hält es für wenig sinnvoll, wenn Betriebe wertvolle Flächen verlieren würden. Eine Möglichkeit wäre es, wenn man „unten noch ackern“ kann. Außerdem wären für die Photovoltaik-Anlagen nur wenige Eingriffe in den Boden nötig. Reinhold Mohr (Grüne) sieht die Ausweisung zwar positiv. „Ich bin jedoch gespalten, wenn es Landwirtschaft und Naturschutz betrifft. Beides muss einbezogen werden. Wir haben eine Ernährungskrise vor uns“, gab Mohr zu bedenken. Arno Fecht (FDP) schlug vor, Flächen doppelt für Photovoltaik und gleichzeitig für Landwirtschaft zu nutzen. Reinhard Warmulla (Linke) sprach sich vorrangig für die Photovoltaik-Nutzung von Gebäudedächern aus.
Acht Hektar sind schon bebaut
Nachdem in Aurich-Walle und Langefeld auch insgesamt acht Hektar bereits zwei Flächen mit Photovoltaik-Anlagen bebaut sind, gibt es zwei weitere Interessenten für 30 Hektar Flächen des Landwirts Jann-Heiko und Karsten Samuels in Extum von der Auricher Grünstom AG sowie auch für Flächen in Tannenhausen und Plaggenburg. In Extum haben Anwohner bereits Kritik an den Plänen angemeildet. Bürgermeister Feddermann stellte fest, dass es seitens der Stadt keine Verpflichtung für eine Konzentrationsplanung gebe. Eine Planung sei aber dennoch wichtig, damit es nicht zu einem „Windhund-Verfahren“ komme. Außerdem sollten keine Gebiete „zerrupft“ werden, weil Kabel verlegt werden müssten und die Netzbetreiber „das Zepter in der Hand“ hielten. Der Landkreis Aurich plane eine Infoveranstaltung in der Stadthalle. Es werde von dort eine Kooperation gewünscht, so Feddermann.
Baurecht behindert Ausweisung
Doch der Bau von Freiland-Photovoltaikanlagen wird zur Zeit noch durch das Baurecht behindert, weil für jede Anlage einzeln ein Bebauungsplan mit entsprechenden Änderungen vorliegen muss. Um das zu ändern, sollen Photovoltaik-Anlagen privilegiert gebaut werden können. Durch die Errichtung von weiteren Photovoltaikanlagen auf Freiflächen kann bis 2035 nach Berechnung des Büros Energielenker aus Berlin zum Klimaschutzkonzept 32.120 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden.
