Tannenhausen - Im Streit um die Zukunft des früheren Baggersees in Tannenhausen haben sich jetzt offenbar auch die Besitzer von fast 140 Ferienhäusern eingeschaltet. Das gab Margrit Grunwow-Behrends zu verstehen. Sie wehrt sich dagegen, dass künftig beliebte Attraktionen am Badesee abgebaut werden. Genau das wäre nämlich die Folge, sollte das Naturbad zum Badesee abgestuft werden. Der Ortsrat Tannenhausen hat am Montagabend, 18. März, dieser von der Stadtverwaltung empfohlenen Veränderung zugestimmt.
Der Antrag von Erik Antonczyk (GfA), die Entscheidung ins nächste Haushaltsjahr 2025 zu verschieben, wurde abgelehnt. Immerhin sei das ganze Tourismus-Konzept auf einem Naturbad aufgebaut. „Der Badesee darf kein Bauernopfer für die Sanierung der Stadtfinanzen sein“, sagte Antonczyk. „Damit ist ja noch nichts endgültig festgelegt“, hielt Ortsbürgermeisterin Gerda Küsel (SPD) mit Blick auf die nächsten Beratungen in den Ratsgremien dagegen.
Familien bleiben dem Badesee vielleicht fern
Grunow-Behrends ist Besitzerin mehrerer Ferienhäuser: „Am See befindet sich ein ganzes Ferienhausgebiet, das betroffen ist. Wir vermieten an Familien mit Kindern. Allein die Wasserrutsche ist sehr beliebt. Diesen Wasserspaß nimmt man ihnen weg“, vermisst die Vermieterin jedes Fingerspitzengefühl für Familienfreundlichkeit. „So bleiben uns die Gäste weg“, prophezeite Grunow-Behrends, sollte sich die Stadt aus dem Betrieb am Badesee zurückziehen.
Bisher sei immer nur von den beiden Unternehmen Northbound mit der Wakeboard-Anlage und Gastronom Angelo Kanzler mit seinem „Strand-Café“ die Rede gewesen. „Viele der Vermieter, die auswärts wohnen, haben die Diskussion ja noch gar nicht mitbekommen“, erklärte Grunow-Behrends. Für ein Ferienhaus seien im Schnitt 150 000 Euro investiert worden, außerdem würden Abgaben an die Stadt gezahlt.
Attraktionen im Wasser machen Betrieb teuer
Jens Reinicke, in der Verwaltung verantwortlich für die Liegenschaften der Stadt, erklärte, dass allein die im Wasser befindlichen Attraktionen ausschlaggebend für die Bewertung als Naturbad seien. Dadurch entstehen Auflagen, die aktuell 250 000 Euro kosten und jedes Jahr weitere 100 000 Euro an Kosten nach sich ziehen würden. Im Gegenzug seien die Einnahmen, etwa durch Tretboote, in den knapp vier Saisonmonaten eher bescheiden. Vier von fünf Tretbooten müssten nun für je 15 000 Euro durch neue ersetzt werden.
Der Steg dorthin müsse aus Sicherheitsgründen abgezäunt werden. Auch beim Fahrradverleih müsse mehr auf professionelle Sicherheit gesetzt werden, um bei Unfällen nicht haftbar gemacht zu werden. Weitere Arbeiten kündigte Reinecke für das Mehrzweckgebäude mit den Duschen und sanitären Anlagen an. Die Duschen und eine Umkleidekabine im Gebäude blieben der DLRG vorbehalten, die weiter auch die Badeaufsicht sicherstellen wolle. Zwei weitere Duschen im Gebäude würden geschlossen. Nur zwei Außenduschen, Toiletten und eine Umkleidekabine könnten noch von Badegästen genutzt werden.
Standard soll erhalten werden – mit der Stadt
Martin Fleßner von Northbound sagte für die am See ansässigen Firmen, dass man die geplanten Veränderungen kritisch sehe, den Betrieb am Badesee aber durchaus weiterentwickeln wolle, um die Besucher-Frequenz aufrecht zu erhalten. „Es gibt Ansätze, um den Standard hoch zu halten, aber grundsätzlich sehen wir es kritisch, wenn die Stadt sich zurückziehen sollte“, so Fleßner.
Für Grunow-Behrends ist das keine Lösung: Mit der Stadt sei ursprünglich vereinbart worden, durch die Vermietung der Ferienhäuser Urlauber an den See zu holen. „Diese geben schließlich auch Geld in der weiteren Region aus“, gab die Vermieterin zu bedenken. Kritik übte sie daran, dass es in dem ganzen Verfahren überhaupt keine Bürgerbeteiligung gegeben habe.
Kai Ehmen (SPD) erklärte, der Betrieb eines Freibads verursache „Kosten massiver Art“. Er selbst habe die rote Wasserrutsche als Kind geliebt, aber vielleicht sei ja eine ähnliche Rutsche auch am Strand möglich, um das Strandleben aufzuwerten. „Da sollten wir investieren. Der DLRG wird den Badebetrieb mit viel Leidenschaft ebenfalls sicher noch besser machen“, erklärte Ehmen.
Die Stadt Aurich will 30 000 Euro an Kosten jedes Jahr sparen, indem die Einrichtung vom Naturbad zum Badesee herabgestuft wird. Dadurch können in der Saison bei der Badeaufsicht 50 000 bis 70 000 Euro Euro im Jahr gespart werden, wenn diese zwischen 6 und 22 Uhr nicht mehr gestellt werden muss. Ein Vertrag mit der Firma ISR bezüglich einer Badeaufsicht wurde schon gekündigt. Der DLRG, der am Badesee auch trainiert, hat signalisiert hier wenige Stunden täglich Badeaufsicht zu führen.
Zwei Unternehmen, das „Strand-Café“ und eine „Strand-Bar“, fürchten Umsatzeinbußen, können sich aber den Betrieb allein mit eigenen Ideen vorstellen, indem vielleicht Eintritt genommen wird.
Die Umwandlung könnte mit wenigen Änderungen vorgenommen werden: Verlegung der Steganlage nur noch für das Rettungsboot zum Hundestrand; Aufstellen von Ver- und Gebotsschildern, darunter eine Badeordnung sowie „Benutzung auf eigene Gefahr“; Aufstellen eines Mastes für eine Badeflagge in den Farben rot, gelb, grün. Abbau der Baderutsche, der abgängigen Tretboote, die etwa 4500 Euro im Jahr einbringen, und der Wasserballtore.
