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Prozessauftakt in Aurich Erst Tankstelle mit Messer überfallen - Dann stellen sich Täter

Martina Ricken
Eingang zum Landgericht Aurich. Das Gericht im alten Schloss untergebracht.

Eingang zum Landgericht Aurich. Das Gericht im alten Schloss untergebracht.

Archiv

Aurich - Zwei junge Angeklagte, 15 und 18 Jahre alt, haben zum Prozessauftakt vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Aurich einen Überfall auf eine Tankstelle in Aurich gestanden. Obwohl der Überfall nur eine knappe Minute dauerte, war der Überfall für die Zeugen eine sehr angsteinflößende Situation, denn beide jungen Männer waren mit einem Messer bewaffnet. Im Prozess offenbarten sich viele bizarre, ja geradezu „schräge“ Züge mit tragischem Charakter.

Kurz vor der Tat kennengelernt

Beide Angeklagte lernten sich erst wenige Stunden vor dem Überfall am 12. August vor einem Supermarkt kennen. Sie kamen ins Gespräch und stellten eine Gemeinsamkeit fest, nämlich dass sie Geld benötigten. Der 15-Jährige brauchte Nachschub an Marihuana, dem aus Weener stammende Heranwachsenden ging es um Essen und Getränke. Denn er hatte sich immer wieder mit seinen Eltern – mit dem Vater sogar handgreiflich – angelegt. Als auch alle Unterstützung durch das Jugendamt nicht fruchtete, sahen die Eltern keinen anderen Weg mehr, als ihn aus der elterlichen Wohnung zu verbannen.

Zur Tatzeit ist ein Täter obdachlos

Zur Tatzeit war der 18-Jährige obdachlos. Der Heranwachsende äußerte in dem Gespräch vor dem Supermarkt die Idee, irgendwo einzubrechen. Der Jüngere hatte bereits Straftaten begangen, hielt nicht viel von dem Vorschlag. Das würde nichts bringen, meinte er. Dann kam ihnen die Idee mit dem Überfall. In der Vernehmung durch die Polizei bezichtigten sich beide gegenseitig, der jeweilige Initiator für den Überfall gewesen zu sein. Vor Gericht äußerte der 18-Jährige - zur Verblüffung seines Verteidigers - erstmals, dass er kurz vor der Tat von dem Vorhaben abspringen wollte, doch der 15-Jährige damit gedroht habe, ihn abzustechen.

Dann stürmen beide in den Shop

Zuerst ging man zur Wohnung des Jugendlichen, die genau gegenüber der Tankstelle lag. Der 15-Jährige rauchte Marihuana, besorgte seine Räubermaske und zwei Messer. Dann ging es zur Tankstelle. Als alle Autos vom Gelände gefahren waren, stürmten beide in den Shop. Sie forderten die Kassiererin auf, die Kasse zu öffnen. Als die 28-Jährige erklärte, das ginge aus technischen Gründen nicht, wurde sie - ebenso wie zwei weitere anwesende Frauen - aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Der 18-Jährige verlangte von einer der Frauen Geld, gab ihr das Portemonnaie aber dann zurück, als sie sagte, dass kein Bargeld drin sei. Schließlich begnügten sich die Räuber mit zwei E-Zigaretten, ein paar Schachteln Zigaretten und einigen Mini-Salamis. Dann flüchteten sie.

Nach der Tat zur Polizei gegangen

Auf einem Friedhof wechselte der 15-Jährige seine Kleidung. Der 18-Jährige fasste dagegen einen anderen Entschluss, den Richter Bastian Witte für alle im Gerichtssaal gezielt ansprach. „Nach der Tat gehen Sie zur Polizei und sagen, dass Sie das gewesen sind. Warum haben Sie das gemacht?“, wollte Witte wissen. „Weil ich keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe. Ich brauchte Geld zum Essen und Trinken. Geschlafen habe ich zu der Zeit in Aurich bei einem Freund.“ Doch die beiden Angeklagten verbindet mehr, als nur der Überfall, der juristisch als besonders schwerer Raub gewertet wird. Beide haben offenbar schon früh Verhaltens- oder psychische Auffälligkeiten gezeigt, die auch durch Maßnahmen des Jugendamtes nicht abnahmen. Der 15-Jährige hat nie ein richtiges Familienleben kennengelernt und versucht, Probleme mit Drogen und Gewalt zu lösen. Der 18-Jährige hat in der Vergangenheit schon einige Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbracht. Vor dem psychiatrischen Sachverständigen liegt noch viel Arbeit, um eine erhellende psychiatrische Diagnose zu stellen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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