Wiesmoor - Was für eine fulminante musikalische Geburtstagsfeier: Zum zehnten Festivaljubiläum haben die Gezeitenkonzerte der Ostfriesischen Landschaft mit großzügiger Unterstützung des Festival-Freundeskreises am Freitagabend mit einem großen Orchesterkonzert im malerischen Ambiente der Freilichtbühne Wiesmoor ihren begeisterten Besuchern ein durch und durch amerikanisches Open-Air-Vergnügen mit Musik von Gershwin, Bernstein und Dvořák kredenzt. Auch wenn das Wetter tagsüber bedrohlich aussah: Am Abend herrschte besten Open-Air-Wetter und sogar die Abendsonne zeigte sich in Wiesmoor.
Auf dem Weg zur „Nationalmusik“
Die Nordwestdeutsche Philharmonie und Dirigent Frank Beermann eröffneten den Abend mit Musik von Antonín Dvořák. Als dieser im September 1892 dem Ruf nach New York folgte und dort die Stelle als Direktor des National Conservatory of Music antrat, wollte er amerikanische Komponisten unterrichten und der jungen Nation den Weg zu einer eigenen „Nationalmusik“ weisen.
Erlebten einen fulminanten Konzertabend: die Besucher des Gezeitenkonzertes in Wiesmoor. Bild: Krämer
Doch bei der Ausbildung des Nachwuchses beließ es Dvořák nicht: Nur rund ein Jahr später überraschte er das New Yorker Publikum mit der Uraufführung seiner Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“. Die musikalische Erfindungskraft in dieser Symphonie ist so beeindruckend, eingängig und ansteckend, dass sie heute das mit Abstand beliebteste Werk des Komponisten ist. Die glänzende Interpretation des von Frank Beermann beherzt geleiteten Orchester hinterließ das Gezeiten-Publikum schon zur Pause euphorisch.
Die schönsten Ohrwürmer aus „West Side Story“
Doch was danach folgte, sollte noch mehr Begeisterung entfachen: Die schönsten Ohrwürmer aus Leonard Bernsteins wegweisendem Musical „West Side Story“ präsentierten Beermann und das Orchester gemeinsam mit zwei herausragenden Gesangsstimmen: Sopranistin Julia Bauer hat das Gezeitenkonzerte-Publikum bereits 2015 im „Very British“- Programm begeistert und Tenor Nikolai Schukoff ist als regelmäßiger Gast an der Metropolitan Opera der perfekte Protagonist für diesen New Yorker Stoff. Mit ihren großen Stimmen und viel Esprit veredelten sie legendäre Melodien wie „America“, „Somewhere“ oder „Maria“ und verzückten ihre Zuhörer.
Ausklang mit Musik von Gershwin
Mit der erfrischenden Musik von George Gershwin, der Jazz und Sinfonik zu einer neuartigen amerikanischen klassischen Musik verband, klang der Abend dann aus . Sein „An American in Paris“ ist die klingende Hommage an die französische Metropole in den 20er-Jahren und ließ die Stadt an der Seine in charakteristischen Blue Notes und swingenden Rhythmen lebendig werden. Ein swingend gut gelaunter Ausklang für dieses kurzweilige Open-Air-Vergnügen, für das sich das Publikum mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen bedankte.
Mit einer besonderen Jazz-Interpretation hat Christian Brückner am Samstag das Dschungelbuch auf die Freilichtbühne gebracht.
