AURICH - Es war eine Art Charakterstudie, die das Landgerichts Aurich am vierten Sitzungstag im Prozess um die getötete Leeranerin Gerda B. durch drei Zeuginnen zeichnen ließ. Die Freundinnen der wohlhabenden Galeristin sollten die Persönlichkeit des Opfers, das im Alter von 66 Jahren gewaltsam zu Tode kam, beschreiben.

Es bot sich am Ende das Bild einer Frau mit zwei Gesichtern. Da war auf der einen Seite die sozial eingestellte, hilfsbereite Zeitgenossin, die alles gerne teilte und Wert darauf legte, dass sie 'zur 68er Bewegung gehörte', wie es eine 57-jährige Bingumerin formulierte. Auf der anderen Seite die Alkoholikerin, die immer mehr der Sucht verfiel und im betrunkenen Zustand Menschen beleidigte und erniedrigte, verbal vulgär und ausfallend, manchmal sogar handgreiflich wurde. 'Das war nicht sie, der da gesprochen hat, das war der Alkohol', sagte eine 48-jährige Bingumerin unter Tränen. Eine andere Freundin drückte es so aus: 'Ich mochte sie total gerne. Der Alkohol hat alles kaputt gemacht.'