AURICH/HOLTRIEM - Der Weltklimarat veröffentlichte eine dramatische Prognose zum Meeresanstieg und es wurde verkündet, dass Umweltaktivistin Greta Thunberg den Alternativen Nobelpreis erhalten wird. Zwei Nachrichten an einem Tag, an dem sich die Mitglieder des Auricher Kreistages schwer damit taten, den Ihlower Wald und den Auricher Teil des Ewigen Meeres / Großes Moor als Naturschutzgebiete (NSG) auszuweisen. Dass am Mittwoch schließlich mit 37 Abgeordneten (vor allem aus Reihen der SPD, der Grünen und Linken) eine klare Mehrheit für die neuen Verordnungen stimmte, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass auch unter den Ja-Sagern Politiker mit Bedenken saßen.
Der Status 'Naturschutzgebiet' stellt die strengste Verordnung dar — und einige waren der Ansicht, man könne es doch insbesondere beim Ihlower Wald bei einem Landschaftsschutzgebiet mit geringeren Auflagen und Nutzungseinschränkungen belassen. Auch damit würde man der Forderung der EU, die FFH-Gebiete als Bestandteil des europäischen Netzes 'Natura 2000' unter nationalen Schutz zu stellen, Genüge tun. Dieser Schritt hätte schon bis Ende vergangenen Jahres erfolgen müssen, entsprechende Mahnungen aus Brüssel blieben nicht aus.
Seitens der Auricher Kreisverwaltung wurde in der Sitzung nochmals darauf hingewiesen, dass ganzjähriger Leinenzwang für Hunde und das Verbot, sich abseits des vorhandenen Wegenetzes zu bewegen, die einzigen Einschränkungen sein werden. In der vergangenen Woche hatte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert in diesem Zusammenhang im Fachausschuss von einem 'weichgespülten Naturschutz' gesprochen (wir berichteten). Die Fraktionschefin der Grünen, Gila Altmann aus Aurich, richtete deutliche Worte an ihre Kollegen: 'Wir reden über die Zukunft, die viele von uns fast hinter sich haben. Es geht darum, ob wir uns für die Zukunft der Generationen nach uns einsetzen, oder für den Egoismus der Gegenwart.' Mindestens einen Abgeordneten, Hans-Gerd Meyerholz, hatte sie mit ihrer Brandrede überzeugt: 'Ich war bislang skeptisch, aber jetzt werde ich für das Naturschutzgebiet stimmen.' Abgeordneter Alfred Meyer erinnerte daran, dass die EU-Vorgaben seit 20 Jahren bekannt seien.
'Wenn die Landschaftsschutzgebiete so gut gewesen wären, dann hätten sie sich wohl anders entwickelt', gab der SPD-Politiker aus Wiesmoor zu bedenken. Und SPD-Chef Johannes Kleen (Wiesmoor), dessen Fraktion im November 2018 noch gegen die Verordnung votiert hatte, erkannte jetzt an, dass die EU diesen besonderen nationalen Schutz fordert.
