Aurich - „Ich hatte ja Klopapier, ich durfte es bloß nicht verkaufen“, meint Almuth Maaß mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Wirklich zum Lachen ist der Besitzerin der alteingesessenen Auricher Drogerie in der Osterstraße jedoch derzeit nicht zumute. Gerade kleinere Einzelhändler wie sie haben besonders unter den Folgen der Coronakrise zu leiden.
Einen Bringdienst oder einen Online-Shop hat Almuth Maaß bereits versucht oder ins Auge gefasst. Aber nichts davon kann auch nur annähernd das ersetzen, was den außergewöhnlichen Reiz ihrer Drogerie ausmacht. Man muss sie einfach von innen gesehen und erlebt haben.
Wer reinkommt, fühlt sich im Nu in den guten alten Tante-Emma-Laden zurückversetzt. Die Holzdielen auf dem Fußboden deuten noch darauf hin, dass das Gebäude Ende des 17. Jahrhundert entstanden ist. 1855 eröffnete Carl Maaß, der Urgroßvater von Almuth, ein Kolonialwarengeschäft. Von diesen Ursprüngen zeugen bis heute urige alte Werbeschilder, die nach wie vor fester Bestandteil der Ladendekoration sind. Auch bei der Einrichtung haben etliche Regale, Schubladen und Kisten aus früheren Tagen „überlebt“. Hinzu kommt, dass die Familie Maaß über die Jahrzehnte fleißig in und um Aurich geknipst hat. Ein paar ihrer historischen Bilder kann man im Laden bewundern. „Irgendwann haben wir uns auf Drogerieprodukte spezialisiert, und dazu gehörte auch das Entwickeln von Fotos“, erläutert Almuth Maaß. Dass ihr Geschäft wegen des Lockdowns ungefähr drei Wochen dicht machen musste, war für die Besitzerin anfangs durchaus nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar war für sie hingegen, „warum Filialen großer Drogeriemarktketten plötzlich als Erstversorger galten und offen hatten, während ich meinen Laden nicht aufmachen durfte“. Die Geschäftsinhaberin hakte wiederholt beim Ordnungsamt nach und schaltete ihre Steuerberaterin ein, bis die Behörden schließlich einlenkten und ihr erlaubten, ihre Drogerie zu öffnen. Das erfreute die Stammkundschaft, die trotz harter Konkurrenz seitens der Discounter zuletzt eher größer als kleiner geworden ist.
„Mehr und mehr Menschen wollen bewusster leben, und das kommt mir und meinem Laden entgegen“, weiß die Besitzerin, die gelernte Buchhändlerin und Softwareentwicklerin ist. Seit zwei Jahren kümmert sie sich ausnahmslos um ihre Drogerie. „Denn das war schon immer mein Traum“, betont Almuth Maaß. „Deswegen bin ich sehr froh und dankbar, dass meine Stammkunden mir die Treue halten und mich weiterhin unterstützen.“ Die Umsatzeinbußen werden sich damit allerdings kaum kompensieren lassen.
Und noch ein anderer wichtiger Faktor kam in den vergangenen Wochen zum Erliegen: der Tourismus. Die Drogerie an der Osterstraße wird in Auricher Fremdenverkehrsbroschüren als Attraktion ausgewiesen. Darum gehört für viele Touristen ein Abstecher zum Pflichtprogramm. Dass sich inzwischen wieder ein paar Touristen in die Auricher Fußgängerzone verirren, hilft nicht wirklich. Erstens sind es insgesamt zu wenige, und zweitens ist die Hemmschwelle, einen Laden zu betreten, offensichtlich bedingt durch die Angst vor Corona deutlich gewachsen.
Erledigt haben sich vorläufig auch die geplanten Feierlichkeiten anlässlich des 165-jährige Firmenjubiläums. Das wäre im April gewesen. „Mal sehen, vielleicht werde ich nachfeiern. Das Jahr ist ja noch lang.“ Da schimmert Hoffnung und Zuversicht durch. Aufgeben kommt für Almuth Maaß eh nicht infrage.. „Ich will und werde auf jeden Fall weitermachen.“
