Aurich - Aurich hat beim Radverkehr im Vergleich mit anderen Städten dieser Größe eine Spitzenposition inne, muss aber für die Infrastruktur noch viel mehr in die Pedale treten. Denn hier werden noch viele Fehler gemacht, geht aus dem neuen Verkehrsentwicklungskonzept für die Stadt hervor, stellte Diplom-Ingenieur Heinz Mazur vom Büro PGT Umwelt und Verkehr in Hannover in seinem Verkehrsentwicklungskonzept im Auricher Fachausschuss fest.
Das Verkehrskonzept der Stadt Aurich mit dem Titel „Mobilität für alle“ wird vom Büro PGT Umwelt und Verkehr aus Hannover erstellt. Es hat bis 2040 die Ziele und ein Leitbild bereits 2019 im Rat vorgestellt, aber beschlossen wurde das Konzept nie vom Rat. Das soll sich jetzt ändern. Die Beratung wurde in die Fraktionen zurückgestellt, um am 15. September im Umweltausschuss erneut zu beraten. Die Stadt Aurich ist ein Mittelzentrum mit etwa 43.000 Einwohnern und liegt zentral in Ostfriesland. Sie besteht aus dem Kernort Aurich mit rund 30.000 Einwohnern und den 21 angrenzenden Stadtteilen, die bis zu 15 Kilometer entfernt sind.
Schwerpunkte werden formuliert, die bis ins Jahr 2040 hineinreichen. Ein erster Sachstandsbericht und eine Beteiligung der Bürger soll bereits bis zum 30. September erfolgen.
Der öffentliche Nahverkehr soll vor allem in die außenliegenden Stadtteile verbessert werden. Reduzierung von Schadstoffen, E-Mobilität, Car-Sharing oder auch Rent-a-Bike sowie eine Barrierefreiheit bei der Nutzung von Verkehrsmitteln sowie auch die Verbesserung der Lebensqualität in den Straßen spielt eine Rolle.
Die Schiene könnte bei der Beförderung von Personen wieder eine Rolle spielen, wobei die Beförderung Bahn-Bus sowie Bus-Bus am Bahnhof in Aurich optimiert wird. Die Fußgängerzone wird zur Rad-freien-Zone erklärt und ein Innenstadt- und Parkring wird geschaffen.
Der ZOB soll an den Wallster Weg verlegt werden und in Bezug auf Lage und Angebot als Schnittstelle in der Schienenanbindung modernisiert werden. Eine Verbesserung der Anbindung an den Schienenverkehr mit dem Bus zwischen Aurich - Leer und Aurich - Emden und der Fernanbindung an die Schiene und Fernbus soll erreicht werden.
Es soll nun beschlossen und umgesetzt werden. Die Bürger sollen dabei ein Wort mitreden können. „Sie haben eine ausgeprägte Fahrradkultur“, sagte Mazur. Würde eines Tages die neue Bundesstraße B210n den Schwerlast- und Durchgangsverkehr aus Aurich herausholen, ließen sich für Radfahrer sogar die innerstädtischen, vierspurigen Bundesstraßen B210/B72 so umplanen, damit Radfahrer sie im täglichen Verkehr ohne Probleme nutzen könnten. 9000 Autos weniger würden in Aurich gezählt. Doch diese Auricher Ortsumgehung sowie die neue Trasse zur Autobahn in Ihlow steht noch in den Sternen.
Das Fahrrad ist schwer im Kommen
Und obwohl das Fahrrad inzwischen schwer im Kommen ist, dominiert das Auto immer noch den Verkehr in der Kreissstadt, besonders für die Fahrten in die außenliegenden Stadtteile. Die Nutzung von Hilfsmitteln für den Fuß- und Radverkehr wie Rollatoren, Elektrorollstühle, kleine fahrbare Elektrofahrzeuge sowie Pedelecs nimmt stark zu. Dies ist heute schon im Straßenraum sichtbar „Wir haben inzwischen neue Ansprüche an denselben Verkehrsraum“, so Mazur. Und das Tempo der Radfahrer nehme durch E-Bikes stetig zu, verschärfe Konflikte mit Fußgängern. Eine „besitzbare“ Stadt mit „Ausruhmöbeln“ in kurzen Abständen, die die Teilnahme am und den Aufenthalt im Verkehr erlaubt und die Aufenthaltsqualität im Straßenraum verbessert, ist herzustellen.
Autoverkehr ist vielfach hausgemacht
Der Autoverkehr sei hausgemacht, denn die Hälfte der Autofahrer fährt für Erledigungen weniger als fünf Kilometer durch die Stadt. Sie könnten deshalb ebenso gut mit dem Rad fahren, meint Mazur. Grundsätzlich müssen Fußgänger und Radfahrer sowie behinderte Menschen im Stadtverkehr viel mehr Platz im Verkehr erhalten, doch ein „ausgebautes innerstädtisches Radnetz ist nicht vorhanden“, so der Gutachter. Immer noch müssten sich Radfahrer und Fußgänger beispielsweise Fuß- und Radwege teilen. Radfahrer müssten bevorzugte Fahrbahnen durch die Stadt erhalten. Fußgänger und behinderte Menschen sowie Personen mit Rollatoren müssten barrierefrei durch die Stadt gelangen können.
Dauerparker sollen verschoben werden
Das Fahrrad könnte auch die Parksituation in der Stadt lösen helfen. Denn viele Stellflächen werden von Dauerparkern besetzt, die in der Stadt arbeiten, obwohl ein Drittel der Dauerparker vielleicht nur fünf Kilometer weit weg wohnt, die Hälfte bis zu zehn Kilometer. Diese könnten durch Anreize für den Weg zur Arbeit auf das Fahrrad geholt werden. Die Stadt könnte den ruhenden Verkehr allerdings auch in Außenbezirke umleiten. Die Stellflächen im Stadtkern stünden dann für Anwohner, Kunden und Besucher der Stadt zur Verfügung. „Wir müssen die Dauerparker reduzieren und verschieben“, so Mazur.
