Aurich - Der Umstieg vom Auto auf den Linienbus wird die Stadt Aurich jedes Jahr unterm Strich rund eine Million Euro kosten. Das rechnete Christoph Marquardt vom Gutachterbüro „Mobile Zeiten“ den Ratspolitikern am Dienstag im Verkehrsausschuss vor. „Ein Schluck aus der Pulle, aber es muss sein“, brachte Reinhard Warmulla (Linke) die finanziellen Auswirkungen für den Stadthaushalt auf den Punkt. Das Minus befindet sich in einem historischen Tief, das bereits die Pflichtaufgaben der Stadt in Frage stellt. „Aber, wenn wir nicht investieren, kriegen wir keinen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr hin“, sagte Warmulla.
Erste Ausschreibung im Juni 2024
Die Politik soll bis Februar noch eigene Wünsche äußern, um diese rechtzeitig ins Konzept einzuarbeiten. Schon im Juni sollen Ausschreibungen erfolgen, um ein Jahr später ein funktionierendes Nahverkehrssystem zu haben. Die eingesetzten Busse, ob kleine oder große Fahrzeuge, würden alle den Standards entsprechen, sagte Marquardt. Für Kinderwagen, Rollator, ein Fahrrad oder sogar ein Kontrabass ist Platz genug, ging Marquardt auf eine Nachfrage von Ratsherr Volker Rudolph (GAP) ein. Dreh- und Angelpunkt wird der Zentrale Omnibusbahnhof in der Stadt sein, der an der Sparkassenarena neu entstehen soll. Der Busbahnhof am Pferdemarkt soll ebenfalls erhalten bleiben. „Die Ortsteile haben wir bisher bei der Planung noch außen vor gehalten“, sagte Bernd Ewerth für die Stadtverwaltung.
Zunächst zwei Buslinien im Fokus
Zunächst stehen laut der Prioritätenliste im Nahverkehrskonzept nur zwei Buslinien im Fokus, wo die Einwohnerzahl und die Frequentierung entsprechend hoch ist. Nach zwei bis drei Jahren werden zwei weitere Linien entwickelt, „um die Leute aus den Autos mit Autoradio und Playlist ’rauszubekommen“, so Marquardt. Für 990.000 Euro werden im Stadtgebiet so Schritt für Schritt ganze vier Buslinien ausgearbeitet. Die Wartezeiten für die Nutzer sollen auf etwa eine halbe Stunde reduzieren werden. In den Kosten sind die Busfahrpreise für die Nutzer noch nicht enthalten. Und Geld verdienen kann die Stadt mit dem Angebot auch nicht. „Das wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben“, sagte Marquardt.
Vernetzt mit anderen Landkreisen
Die Buslinien werden mit dem Linienbusverkehr des Landkreises Aurich vernetzt, um zu jeder halben und vollen Stunde Haltestellen anzufahren. Auch hier laufen entsprechende Neukonzeptionierungen. Das gilt auch für Busse aus anderen Landkreisen wie Leer oder Wittmund. Wo es noch Lücken im Auricher Haltestellennetz gibt, will die Stadt diese schließen, um lange Fußwege für Nutzer zu vermeiden. Eine Bushaltestelle kostet um die 25.000 Euro, wobei auf Wunsch von Arnold Gossel (CDU) ermittelt werden soll, wie der Landkreis hier noch mit einspringen kann. Doch der Kreis erfüllt keine Extrawünsche, machte Marquardt deutlich, sondern stelle mit seinem Basis-Programm und den Linienangeboten beim Nahverkehr nur die Grundversorgung sicher. „Es ist ein Segen, dass der Kreis etwas entwickelt, wo wir partipizieren“, so der Planer.
Nicht jede Milchkanne wird erreicht
Bei den neuen Buslinien kann allerdings auch nicht jede Milchkanne und jeder Bauernhof im ländlichen Bereich erreicht werden, räumte Gutachter Marquardt ein. Hier könnte der Anrufbus noch eine Rolle spielen, doch grundsätzlich müsse sich die Stadt von diesem Angebot trennen, das jährlich mehr als 300.000 Euro kostet. „Sie müssen jetzt den Cut machen und es auslaufen lassen. Wollen wir weiter enen toten Gaul reiten. Das ist eine Fehlentwicklung gewesen. Für den eingesetzten Betrag gab es eine bescheidene Leistung“, sagte Marquardt. „Aber wieviel ÖPNV wollen Sie? Ein Angebot zwischen 6 und 18 Uhr ist Minimum, damit Menschen zur Arbeit und abends wieder nach Hause kommen. Machen Sie es richtig oder gar nicht.“
