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Auricher Frauen in „Männerberufen“ Als Bestatterin rund um die Uhr im Einsatz

Redaktion
Susanne Smid in den Ausstellungsräumen. Hier können Sargmodelle und Urnen ausgewählt werden.

Susanne Smid in den Ausstellungsräumen. Hier können Sargmodelle und Urnen ausgewählt werden.

HWK

Landkreis Aurich - Ein Notarztwagen fährt mit Blaulicht auf der Auricher Straße am Firmengebäude des Bestattungsinstituts Cornelius Smid in Westerende-Kirchloog vorbei. Der Aufmerksamkeit von Susanne Smid (56) entgeht das Fahrzeug nicht. Ein Anruf der Rettungsleitstelle könnte folgen: Verstirbt jemand, wird meist der Rettungsdienst oder Hausarzt zuerst gerufen. Eventuell kommt bei ungeklärten Umständen die Polizei noch hinzu. Die geprüfte Bestatterin führt den Betrieb in dritter Generation mit zwei Kollegen und sechs Bestattungshelfern. „Ich bin richtig zufrieden“, betont Smidt mit Blick auf ihre Berufswahl.

Im 85 Jahre alten Familienbetrieb Susanne Smid und ihr Mann Thomas Smid vor 30 Jahren eingestiegen. Bild: HWK

Im 85 Jahre alten Familienbetrieb Susanne Smid und ihr Mann Thomas Smid vor 30 Jahren eingestiegen. Bild: HWK

Um in der hart umkämpften – meist von Männern geprägten – Branche anerkannt zu werden, drückte sie mit 40 Jahren noch einmal die Schulbank. An der IBAT, der Instituts-Gesellschaft für Betriebs- und Arbeitstechnik des Tischlerhandwerks in Hannover, absolvierte sie die Ausbildung und sattelte den Fachwirt oben auf. „Die Abschlüsse waren mir wichtig, um für die Hinterbliebenen eine kompetente Ansprechpartnerin zu sein und auch neue Dinge in die Abläufe einzubringen“, sagt sie.

Das Mobiltelefon nie außer Sicht

Das Mobiltelefon ist nie aus der Sicht, selbst beim Duschen nicht. Tagsüber, spät am Abend, mitten in der Nacht, früh morgens, am Wochenende oder an Feiertagen wird angerufen. „Das ist für uns selbstverständlich“, sagt die Unternehmerfrau und bezieht ihre Familie mit ein. Freunde hätten sich schon längst daran gewöhnt, dass die eine oder andere Verabredung im Sande verläuft. Die Arbeit geht immer vor. Nach einer 14-Tage-Schicht kann es dann vorkommen, „dass man richtig erschöpft ist“, erzählt sie. Das hänge ganz davon ab, wie viel los sei. „Planbar sind die Fälle nie. Es kommt, wie es kommt.“

Berufliche Zwischenstopps gab es auch

Dass sie einmal im Bestattungswesen ihre Karriere aufbauen wird, hätte sie sich als junge Frau und gelernte Modistin sicherlich nicht träumen lassen. Nach einigen beruflichen Zwischenstopps in Süddeutschland und Hildesheim kehrte sie mit ihrem Mann 1990 zurück nach Ostfriesland, um ins Familienunternehmen einzusteigen.

Susanne Smid organisiert nebenher alle Marketing-Events wie Kochveranstaltungen, erledigt Botendienste, besucht Messen und kümmert sich auch um die Mitarbeiter, „als Mutter der Kompanie“, sagt sie scherzhaft und weiter: „Ich kann auch problemlos einen Dampfgarer verkaufen.“ Das lerne man so nebenbei. Alles sei eine Frage der Organisation.

Der erste Kontakt mit einer Verstorbenen

Ihren ersten Kontakt mit einer Verstorbenen und wie sie ihre Berührungsängste mit dem Thema Tod über Bord warf, hat Susanne Smid noch gut in Erinnerung. Ihr Schwiegervater bat sie, bei einer Frau eine Schleife an ihrer Bluse zu richten. „Sie sah so friedlich aus. Da war nichts Schlimmes bei. Bei mir hat es da Klick gemacht. Oft ist es nur eine Kopfsache. Viele haben merkwürdige Bilder vom Ableben vor Augen“, erzählt sie. Ihre Firmenphilosophie ist es, für die Trauernden nahbar zu sein und den Angehörigen eine gelungene Verabschiedung zu ermöglichen. Ob es nun eine Seebestattung, ein Urnenbegräbnis im Wald oder ein klassische Friedhofsbeisetzung ist. Rückblickend resümiert sie: „Auch wenn der Beruf manchmal fordernd ist, in depressive Phasen kann ich nicht abrutschen.“ Dafür sei sie eine zu lebensfrohe und anpackende Person.

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