Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Kaffee-Genuss in Ostfriesland Auricher Röster verrät die Geheimnisse der kleinen Bohne

18.05.2022, 18:40 Uhr (Erstmeldung)
Oliver Lamb (links) röstet in der Auricher Kaffeerösterei in Schirum mit seiner Frau Sonja seinen eigenen Kaffee. Dabei ist ihm die Qualität und der Geschmack seines Kaffees sehr wichtig.

Oliver Lamb (links) röstet in der Auricher Kaffeerösterei in Schirum mit seiner Frau Sonja seinen eigenen Kaffee. Dabei ist ihm die Qualität und der Geschmack seines Kaffees sehr wichtig.

Annika Schmidt

Aurich - Ein Leben ohne Kaffee – das ist nicht nur für den Auricher Kaffeeröster Oliver Lamb und seine Frau Sonja undenkbar, sondern auch für viele andere Liebhaber des dunklen Genussgetränks. Für die Lambs gehört das Getränk nicht nur zum Alltag, das Geschäft mit der Bohne ist für sie auch zum Hobby geworden. Vor neun Jahren, zeitgleich mit der Gründung des Cafés Hafen 5 in Aurich, absolvierte der Gastro-Planer Oliver Lamb einen Kurs zum Kaffeeröster. Er wollte in seinem Café den eigenen Kaffee anbieten.

Geschäft mit der Bohne

Inzwischen stammen aus seiner Rösterei zehn verschiedene Sorten. Auf jede blickt Lamb mit Stolz, denn Kaffee hat für ihn einen besonderen Stellenwert; und das fängt schon bei der Bohne an. „Wenn ich sehe, wie Großhändler oder größere Röstereien teils mit den Kaffeebohnen umgehen, wird mir anders“, gesteht der Auricher Röster. Für diese sind die Bohnen nämlich nur noch Massenware, die so günstig und schnell wie möglich verarbeitet und verkauft werden muss. Jedes Jahr röstet Lamb in seiner Rösterei in Schirum rund 12 Tonnen Kaffee, alleine 3,2 Tonnen davon werden im Hafen 5 verkauft. Der Rest des Kaffees geht an Supermärkte, Cafés und Restaurants in ganz Ostfriesland und umzu – bis nach Bremerhaven gelangt sein Kaffee.

Der Wert der Bohne

Für das Rösten von 12 Tonnen Kaffee ordert Lamb immer wieder Unmengen an Kilo Kaffeebohnen bei Händlern, sogenannten „Tradern“, am Hafen in Hamburg. Dort kommen Kaffeebohnen aus der ganzen Welt an und werden vermarktet. Der Preis für ein Kilo Kaffee ist dabei für jeden Käufer gleich und wird von der Börse bestimmt. Für ein Kilo gerösteten Kaffee zahlt Lamb 2,19 Euro Zoll, nahezu die Hälfte des Verkaufspreises. Verzollt werden die Kaffeebohnen aber erst, wenn diese verarbeitet wurden. Kauft Lamb also mehrere Kilos rohe Kaffeebohnen in Hamburg muss er diese nicht direkt verzollen, sondern erst, wenn sie durch seine Röstmaschine gelaufen sind. Festhalten muss er dies alles in Büchern, die regelmäßig vom Zollamt kontrolliert werden.

Manche große Kaffeeproduzenten versuchen durch eigene Plantagen den Kaffeepreis an der Börse zu umgehen und so ihren Preis selbst bestimmen zu können.

So sehen die „rohen“ und gerösteten Kaffeebohnen aus. Diese stammen aus Nicaragua.

So sehen die „rohen“ und gerösteten Kaffeebohnen aus. Diese stammen aus Nicaragua.

Gibt Oliver Lamb 12 Kilogramm einer Bohnensorte in seine Röstmaschine, erhält nach dem Röstvorgang nur 10,3 Kilogramm zurück. „Das liegt daran, dass die Schale der Bohnen abplatzt und die Bohnen sich ausdehnen und somit vergrößern“, erklärt der Gastro-Planer das Phänomen. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass der Auricher mehr Kaffee einkauft, als er schließlich verkaufen kann und diesen muss er auch noch zur Hälfte verzollen. Aus diesem Grund ist Kaffee für ihn ein wertvolles Gut. Von teuren Tabmaschinen hält er daher gar nichts, ebenso wenig wie von löslichem Kaffeepulver. „Da muss man doch nur noch einmal drauf schauen, wie viel richtiger Kaffee da noch enthalten ist“, so Lamb. Für ihn steht die Qualität seines Kaffees an erster Stelle.

Lade ...

In der Auricher Rösterei in Schirum werden daher Bohnen aus sieben verschiedenen Ländern verarbeitet. Lamb kauft Bohnen aus Nicaragua, Sumatra, Columbien, Brasilien, Mexico, Guatemala und Indien. Dabei wählt er nur zwischen den Sorten Arabica und Robusta aus. Die verschiedenen Geschmackssorten der Kaffees von Oliver Lamb entstehen durch unterschiedliche Arten der Röstung und der Mischung der verschiedenen Bohnensorten und Herkunftsländer untereinander.

Ein Geheimnis bleibt

Dazu werden mehrere Tassen Kaffee verschiedener Bohnensorten gekocht, erkalten lassen und dann getrunken. „Guter Kaffee schmeckt nämlich auch kalt“, stellt der Auricher Röster klar. Die genauen Mengen und Röstgrade bei seinen Sorten bleiben immer geheim. „Das ist quasi unser Rezept und wird nicht weitergegeben“, erklärt Sonja Lamb.

Sonja Lamb zeigt den Unterschied zwischen einer gerösteten und einer ungerösteten Bohne. Kommen die Bohnen frisch gerösteten aus der Maschine versprühen sie allerdings noch keinen Kaffeegeruch. Dies geschieht erst, wenn sie etwas geruht haben.

Sonja Lamb zeigt den Unterschied zwischen einer gerösteten und einer ungerösteten Bohne. Kommen die Bohnen frisch gerösteten aus der Maschine versprühen sie allerdings noch keinen Kaffeegeruch. Dies geschieht erst, wenn sie etwas geruht haben.

Die Aufgaben bei den Lambs sind klar verteilt: Während Oliver Lamb röstet, verpackt seine Frau bereits die ersten fertig gerösteten Bohnen oder mahlt Kaffee. Genießen tun die Lambs ihren Kaffee aber immer gemeinsam. Jeden Morgen beim Frühstück werden zunächst vier Tassen getrunken, danach wird im Betrieb auf Espresso umgestiegen.

Ein Trugschluss

Das hat dabei aber nichts mit dem Koffein zu tun, wie Oliver Lamb verrät. „Die meisten Menschen denken, Espresso enthält mehr Koffein und macht dadurch wacher, das stimmt aber gar nicht. In normalem Filterkaffee ist viel mehr Koffein enthalten, da der Kaffee ja viel länger zieht.“

Übrigens: Die Lambs selbst trinken ihren Kaffee nie schwarz. Während Sonja Lamb ihn mit etwas Milch genießt, trinkt Oliver Lamb ihn mit Milch und Zucker – „Ich bin da schon ein echter Banause, aber ich weiß ja wie mein Kaffee schmeckt“, gibt er grinsend zu.

Der Wert der Bohne

Für das Rösten von 12 Tonnen Kaffee ordert Lamb immer wieder Unmengen an Kilo Kaffeebohnen bei Händlern, sogenannten „Tradern“, am Hafen in Hamburg. Dort kommen Kaffeebohnen aus der ganzen Welt an und werden vermarktet. Der Preis für ein Kilo Kaffee ist dabei für jeden Käufer gleich und wird von der Börse bestimmt. Für ein Kilo gerösteten Kaffee zahlt Lamb 2,19 Euro Zoll, nahezu die Hälfte des Verkaufspreises. Verzollt werden die Kaffeebohnen aber erst, wenn diese verarbeitet wurden. Kauft Lamb also mehrere Kilos rohe Kaffeebohnen in Hamburg muss er diese nicht direkt verzollen, sondern erst, wenn sie durch seine Röstmaschine gelaufen sind. Festhalten muss er dies alles in Büchern, die regelmäßig vom Zollamt kontrolliert werden.

Manche große Kaffeeproduzenten versuchen durch eigene Plantagen den Kaffeepreis an der Börse zu umgehen und so ihren Preis selbst bestimmen zu können.

Annika Schmidt
Annika Schmidt Online-Redaktion
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden