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Bauarbeiten in der Fußgängerzone Auricher Kaufleute bangen um Kunden und Existenz

Hier gehen die Bauarbeiten ohne Pause weiter: das Stück von der Auricher Wallstraße bis zur Großen Mühlenwallstraße, die eine Bundesstraße ist.

Hier gehen die Bauarbeiten ohne Pause weiter: das Stück von der Auricher Wallstraße bis zur Großen Mühlenwallstraße, die eine Bundesstraße ist.

ggm

Aurich - Es gibt in der Auricher Osterstraße Kaufleute, die aufgrund der Bauarbeiten für die Neugestaltung der Fußgängerzone mit Umsatzeinbußen kämpfen. Das machten Ladenbesitzer auf Nachfrage deutlich, die namentlich nicht genannt werden möchte. Eine Inhaberin eines Traditionsgeschäftes fühlt sich von der Stadt deshalb alleingelassen. „Es kommen wegen der Bauarbeiten keine Kunden mehr. Ich muss schon auf meine Rücklagen zurückgreifen. Ich fürchte um meine Existenz“, sagte sie. Ein Paketdienst werfe nicht genug ab, um davon leben zu können. „Es geht nicht nur finanziell, sondern auch psychisch an die Substanz“, sagte die Ladenbesitzerin.

Bauarbeiten

In der Osterstraße gibt es neben der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse oder der Oldenburgischen Landesbank sowie dem Kunstverein „Zwischenraum“ in einem früheren Leerstand unter anderem noch ein Kleidergeschäft, einen Handyladen, zwei Friseurgeschäfte, einen Papierwaren- und Taschenladen sowie einen Sonderpostenmarkt. Außerdem gibt es ein leerstehendes, ehemaliges Möbelgeschäft, in das die Kunstschule Ende Dezember einzieht.

Die Pflasterarbeiten sollen während des Weihnachtsmarktes im Dezember ruhen. Doch ausgenommen davon ist am Ende der Osterstraße ein kleines Reststück von der Wallstraße bis zur Großen Mühlenwallstraße. Dieses soll noch bis zum Jahresende fertiggestellt wird.

Ab Januar gehen die Arbeiten in der Burgstraße ab dem Marktplatz weiter. Ende 2023, aber gerne auch vorher, soll alles fertig sein.

Skepsis gibt es in der Osterstraße, weil sich dort der Lagerplatz für das benötigte Baumaterial zur Pflasterung befindet. Deshalb muss dort weiterhin mit schwerem Gerät gerechnet werden.

Die Osterstraße sei für Kunden schon vorher wenig attraktiv gewesen. Wer aktuell dennoch ihren Laden aufsuche, werde vom Baulärm abgeschreckt, der nun voraussichtlich auch über Weihnachten nicht verstummt.

Auch Verständnis für die Bauarbeiten

Die Furcht, sich namentlich zu outen, ist überall spürbar. Verkaufspersonal in anderen Läden berichtete auf Anfrage jedoch auch, dass seitens der Kundschaft neben dem Bedauern über die ewigen Baustellen durchaus Verständnis für die Bauarbeiten gezeigt werde. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) sieht keine Alternative. „Wenn moi worden sall, mutt dat erst mall wäsen“, sagte er am Mittwoch am Rande der Vorstellung des Fortschritts der aktuellen Pflasterarbeiten.

Umsatzverluste

Ein Stückchen weiter kämpft eine weitere Ladenbesitzerin, die auch eine Gastronomie anbietet, inzwischen ebenfalls mit Umsatzverlusten von bis zu 40 Prozent, wie sie sagte. Auch sie will ihren Namen nicht nennen. Ständige Laufkundschaft sei durch die anderen Läden wenig zu erwarten. Doch obwohl sie nicht auf Rosen gebettet ist, hat sie Verständnis für die Situation, die sich immerhin schon seit Monaten hinzieht. „Die Kunden erreichen uns schlecht, haben aber durchaus Verständnis“, sagte sie. „Wir sind jetzt ganz froh, dass die Arbeiten endlich zügig vorangehen“, so die Inhaberin. Ob die Osterstraße mit der Neupflasterung ab Januar gegenüber der Burgstraße vielleicht sogar bessere Karten habe, weil dann alles fertig ist? Hier sieht die Gastronomin wenig Hoffnung: „Wir sind hier ja von Burgstraße abhängig, das kann man nicht trennen“, sagte sie mit Blick auf die ganze Fußgängerzone.

Keine Entschädigung

Eine Entschädigung für die Geschäfte, die unter den Bauarbeiten Einbußen haben, wird seitens der Stadt als nicht möglich gesehen, bedauerte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) auf Anfrage. „Eine Entschädigung kann es nicht geben“, wies der Bürgermeister beispielsweise auf Bauarbeiten an der Bundesstraße hin, wo in der Vergangenheit ebenfalls Kaufleute Einbußen verzeichnen mussten. Feddermann verwies darauf, dass die Kaufleute schließlich auch Vorteile durch die Bauarbeiten hätten, indem neben der Neupflasterung der Fußgängerzone eine neue Abwasserleitung gebaut worden sei. Hier spreche man von einem „sanierungsbedingten Mehrwert“, denn der Wert der Immobilien steige durch die Aufwertung der Fußgängerzone an. Außerdem greife in der Fußgängerzone die Straßenbeitragsausbausatzung (Strabs) nicht, über die betroffene Anwohner im übrigen Stadtgebiet an den Kosten der Baumaßnahmen beteiligt werden.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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