Aurich - Der Auricher Verein „auriculum“ setzt auf Lastenfahrräder, um den Auto- und Lieferverkehr in der Stadt zu minimieren. Die NWZ sprach mit Günter Dieken, dem Vorsitzenden von „auriculum“ sowie dem 2. Vorsitzenden und Radverkehrsbeauftragten der Stadt Aurich, Frank Patschke, Schatzmeister Gerald Fiene sowie Tim Bloem, Beisitzer und Ansprechpartner für die Initiative Lebensqualität und Mobilität in Aurich (LuMA), über die neuen Möglichkeiten.

Das Land will Lastenräder stärker fördern. Wie sieht auriculum diese Ankündigung ?

Gerald Fiene : Die im November bereitgestellten 700.000 Euro zur Förderung privater und von Vereinen kostenlos bereitgestellter Lastenräder waren bereits in weniger als einem Monat komplett abgerufen. 

Frank Patschke : Die Stadt Aurich hat unseren Verein in der Vergangenheit mehrfach unterstützt: Beispielsweise bei der Anschaffung unseres ersten E-Lastenrades 2017 und auch bei unserer aktuellen Neuerwerbung. Zudem befindet sich ein E-Lastenrad in unserer Ausleihe, das dem EEZ gehört. Natürlich wäre es schön, wenn Aurich auch ein Lastenradförderprogramm auflegen würde.

Verein „auriculum“

Der Verein „auriculum“ wurde 2016 gegründet, um den Lieferverkehr zu minimieren und hat mehr als 80 Mitglieder. Derzeit befinden sich vier E-Lastenräder im Verleih. Der Verein hat bereits ein neues E-Lastenrad erworben, das zum 1.Februar in den Verleih geht. Dieses konnte mit großzügiger Förderung der Stadt Aurich angeschafft werden.

Das Land Niedersachsen will Lastenfahrräder mit 165.000 Euro fördern, um den Klimawandel zu befördern, E-Lastenräder mit 800 Euro und Lastenräder ohne Motor mit 400 Euro. Bereits nach dem Start des Landesprogramms hat auch „auriculum“ einen Förderantrag gestellt.

Ein E-Lastenrad kostet zwischen 4000 Euro und 6000 Euro, wenn es in der in mittlerer Preisklasse ist. 800 Euro als Förderung werden nicht als großzügige Motivation gesehen. Zum Vergleich: Die Stadt Oldenburg bietet 1000 Euro als Unterstützung.

Die Initiative „Lebensqualität und Mobilität in Aurich“ (LuMA) wurde von „auriculum“ Anfang 2018 mitgegründet. Der Verein arbeitet auch mit anderen Initiativen zusammen.

Wie wird das Angebot zur Zeit angenommen ?

Frank Patschke: Unsere Räder werden seit 2021 nur noch an Mitglieder ausgeliehen. Eine 4-wöchige Probenutzung ist auch ohne Mitgliedschaft möglich. Vorher konnte jeder, ohne Mitglied zu sein, sich auf der Homepage registrieren und Räder buchen. Davon haben zwischen 2016 und 2021 rund 500 Personen ab und zu oder regelmäßig Gebrauch gemacht. Leider wurden Räder verschmutzt oder mit Schäden zurückgebracht. Die Nutzer fühlten sich nicht verantwortlich. Das Problem konnte der ehrenamtliche Vorstand kaum lösen, denn die Mitglieder zahlen durch Beiträge die Reparaturen und Wartungen. Mehr als 80 Mitglieder leihen sich rund 40 Räder regelmäßig aus, selbst im Winter.

 

Der Lieferverkehr in Aurich nimmt in der Fußgängerzone zeitweise viel Platz in Anspruch.

LIEFERVERKEHR IN AURICH Wichtiges Signal für Verkehrswende

Können Lastenfahrräder in der Stadt viel Verkehr abbauen ?

Günter Dieken: Inzwischen besitzen rund 40 Familien in Aurich eigene private Lastenräder. Auch „auriculum“ hat durch die Möglichkeit, Lastenräder zur Probe zu fahren, das Interesse daran geweckt. Werden diese Räder zum Einkaufen genutzt oder um Kinder aus der Kita abzuholen, ist das im Gegensatz zur PKW-Nutzung umweltfreundlicher und entlastet die Parkplatzsituation in der Innenstadt.

Tim Bloem : Dies könnte von der Politik durch die Schaffung spezieller, möglichst überdachter und gesicherter Fahrradstellplätze für Lastenräder in der Innenstadt unterstützt werden. Zusätzlich muss die Stadt bei Planungen berücksichtigen, dass Lastenräder ausreichend breite Radwege benötigen, um sicher und zügig in die Innenstadt zu gelangen.

Wie sehen Sie die Bemühungen der Stadt zur Verkehrswende? LuMA hat hier ja Kritik geübt.

Gerald Fiene : Aus unserer Sicht kann eine Stärkung des Radverkehrs aber nur gelingen, wenn der Rat der Stadt, die dort vertretenen Parteien, die Verantwortlichen in der Verwaltung sowie alle Verbände und Vereine, die sich für Verbesserungen im Radverkehr einsetzen, beispielsweise der ADFC, „Ostfriesland fährt Rad“ und auriculum, an einem Strang ziehen.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich