Der ehemalige Frontmann und Songschreiber der Kölschrock-Band BAP tritt in der Auricher Stadthalle auf. In seinem aktuellen Programm „Niedecken singt und liest Bob Dylan“ beschäftigt er sich mit dem Schaffenswerk eines seiner großen Vorbilder. Am 3. April 2023 gastiert Wolfgang Niedecken mit seinem neuen Programm in der Auricher Stadthalle sowie am 4. April auch in Cloppenburg. Es werden durch die NWZ-Karten für das Konzert in Cloppenburg verlost. Teilnahmebereichtigt sind allerdings nur Abonnenten der NWZ, Informationen erhalten Interessierte auf der Seite abo.nwzonline.de sowie legacy.nwzonline.de/gewinnspiele.

Was fasziniert Sie an Bob Dylan?

Wolfgang Niedecken Der Mann ist wirklich ein Poet. Das ist keiner, der mit dem Reimlexikon arbeiten muss und froh ist, wenn er seine drei Strophen und den Refrain fertig hat. Dem fallen Wortkombinationen ein, auf die sonst keiner kommen würde. In seinen Texten bringt er sehr gut rüber, wie belesen er ist und dass er beim Lesen großen Wert auf Qualität legt. 

Sie haben Bob Dylan persönlich kennengelernt. Wie war er denn da so drauf?

Niedecken Ich habe ihn über Wim Wenders kennengelernt. Das war Anfang der 2000er, als wir gerade einen Film über BAP gedreht hatten. Das war für mich natürlich schon etwas Besonderes, obwohl die Atmosphäre ausgesprochen angenehm und locker war. Der eine Kumpel stellt dem anderen seinen Kumpel vor. Dylan wollte viel über die preußischen Könige und Kaiser wissen. Er wird oft als unnahbar und arrogant beschrieben. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Ich habe ihn eher als sehr schüchternen Menschen erlebt.  

Der Erstkontakt zum Dylan’schen Schaffenswerk reicht ein paar Jahre weiter zurück.

Niedecken Das stimmt. Als ich mit 15 in einer Schüler-Band Bass-Gitarre spielte, kam unser Sänger mit der Single „Like A Rolling Stone“ an. Der war zwei Jahre älter als wir. Er hatte sich den Text schon rausgeschrieben und übersetzt. Als wir uns das anhörten, war das für mich wie ein Urknall-Erlebnis. Bob Dylan war für mich der Türöffner zur Kultur. Seine Texte haben mich total mitgerissen und mein Interesse für alles Mögliche geweckt, angefangen von Filmen über bildende Kunst bis hin zu Literatur und Lyrik. Vorher hätte ich nie gedacht, dass ich jemals selber Gedichte schreiben würde. In der Schule war das für uns der absolute Horror.  

Wie wurde aus Wolfgang Niedecken der „kölsche Dylan“?

Niedecken Das mit der Schüler-Band ging bis 1970. Danach hab ich die Musik erst einmal ruhen lassen und Malerei studiert. Beim Zivildienst bin ich erneut mit Leuten zusammengekommen, die Musik gemacht haben. Wir hatten eine Cover-Band. Irgendwann hatte ich aus lauter Liebeskummer ein kölsches Lied geschrieben und habe es meinen Kollegen eines Abends vorgespielt. Die meinten daraufhin nur: „Das klingt ja super. Mach doch mehr davon.“ Und Kölsch ist meine Muttersprache. Ich glaube, ich träume sogar auf Kölsch. Keiner hätte hätte damit gerechnet, dass das mit BAP über die Grenzen Kölns hinaus funktioniert.

Wie hat Bob Dylan das Repertoire von BAP beeinflusst?

Niedecken Das ging bereits mit unserem ersten Album los. Einem Stück wie „Stell dir vüür“ ist deutlich anzumerken, dass ich damals das „Desire“-Album und speziell den Song „Hurricane“ viel und gern gehört habe. Parallel dazu habe ich Dylan-Songs ins Kölsche übertragen. „Wie ‘ne Stein“ ist auf unserem vierten Album erschienen. Übersetzt habe ich das aber schon wesentlich früher, im Januar 1980.

Haben Sie ein Lieblings-Song oder ein Lieblings-Album?

NiedeckenObwohl ich alle Alben habe, höre ich manche natürlich öfter und manche seltener. Ein Lieblingsalbum herauszupicken, finde ich trotzdem extrem schwierig. „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“ sind alle drei wichtig. Das gilt genauso für „Blood On the Tracks“ und „Desire“ in den 1970ern. Aber auch auf dem Spätwerk ab „Time Out Of Mind“ sind phantastische Sachen drauf.