Ostfriesland - Die Witterung schwankt zwischen brennender Hitze, kleinen Schauern und wieder kühlen Temperaturen. Das spüren auch die Fische in den Tiefs, Seen und Binnenmeeren.

Zur Person

Holger Flick (42) wohnt in Westerholt, ist verlobt und hat keine Kinder. Seit er sieben Jahre alt ist, gehört das Angeln für ihn zum Freizeit-Erlebnis dazu. 

Als Erster Gewässerwert gehört Holger Flick zum geschäftsführenden Vorstand des Bezirksfischereiverbandes für Ostfriesland (BVO) und ist dort verantwortlich für Fischerei- und Gewässerangelegenheiten sowie die knapp 50 ehrenamtlichen Fischereiaufseher, welche an Ostfrieslands Gewässern für Recht und Ordnung sorgen.

Holger Flick, Erster Gewässerwart beim Bezirksfischerreiverband Ostfriesland (BVO), ist noch ganz zufrieden. Die Angler müssen sich keine großen Sorgen um ihr Hobby machen, und dass sie vergeblich am Ufer auf Beute warten müssen. Dafür sind immer öfter auch die Frauen mit der Angelrute an den Ufern zu sehen.

Dürfen diese angesichts der Trockenheit noch überall an den Tiefs ihr Hobby ausüben?

Holger Flick Der Wasserstand ist natürlich sehr niedrig. Es ist sicher schwieriger, überhaupt einen Fisch an die Angel zu bekommen. Je wärmer es ist, umso tiefer ziehen sich die Fische zurück, sofern das in dem Gewässer möglich iset. Ansonsten ist die Hitze für die Angler keine besondere Ausnahmezeit für ihr Hobby.

Gehen die Fänge zurück, weil die Fische sich tiefer zurückziehen?

Holger Flick Man muss nur wissen, wann sie am besten beißen. Je höher die Temperaturen, umso weniger aktiv und hungrig sind die Fische meist tagsüber. Aber sie müssen ja auch irgendwann fressen. Da gibt es schon bestimmte Fresszeiten für die Fische. Wir Angler sprechen hier von Beißzeiten, die sich bei Hecht und Zander in die frühen Morgenstunden oder auch in den späten Abend hinein verschieben. Den Aal fängt man sowieso am Besten in der Dunkelheit.

Sind bereits Fischsterben bekannt? Ist ein Algenwachstum zu befürchten?

Holger Flick Das ist bisher noch nicht der Fall. Toi! Toi! Toi! Hier und dort gibt es zwar kleinere Fälle mit ein paar Tieren, aber das ist noch im Rahmen. Manche Arten kommen mit dem im Sommer geringeren Sauerstoffgehalt besser klar, andere sind da empfindlicher. Manche Fischarten wie Hecht und Karpfen werden 20 bis 30 Jahre alt, Aale sogar 50 bis 80 Jahre. Aber die meisten Arten bringen es im Schnitt auf fünf Jahre. Das ist es nicht ungewöhnlich, dass hier und da mal ein toter Fisch zu sehen ist. Algen sind ebenfalls aktuell kein Problem. Das hätte wiederum Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt und würde diesen weiter senken.

Ist das große Fischsterben in Greetsiel im Jahr 2018 inzwischen Vergangenheit?

Damals wurden die Fische aus dem Hafenbecken über das Siel getragen und in die angrenzenden Wasserläufe umgesetzt. Sie kamen mit dem höheren Salzgehalt im Hafen nicht zurecht. Das Salz kam teilweise beim Schleusen der Boote vom Meer in den Kanal und ins Gewässer, hinzu kam vor allem die lange Trockenphase, die in den Wochen vor dem Fischsterben herrschte. Das Salz und der Sauerstoffgehalt werden seitdem regelmäßig überwacht, um vorbereitet zu sein, falls es wieder akut wird.

Wie sieht es heute mit dem Bestand aus?

Holger Flick Der Bestand hat sich seit dem Fischsterben wieder gut entwickelt. Wird haben dort viele Fische, aber meist noch kleinerer bis mittlerer Größe. Die Kaptialen brauchen noch einige Jahre. Wir hoffen, dass wir in drei bis fünf Jahren wieder eine sogenannte gesunde Alterspyramide haben, mit einem breiten Fundament an Jungfisch und einer stabilen Spitze an goßen Elterntieren.

Wie sieht die Zukunft des BVO aus? Wollen immer noch viele den Angelschein machen?

Holger Flick Wir haben aktuell den höchsten Mitgliederstand mit 11.400 Mitgliedern gegenüber der Vor-Corona-Zeit mit rund 10.000 Mitgliedern. Während der Pandemie gab es viele Nachfragen, weil sich viele wieder an ihren Angelschein erinnert haben. Andere wollten den Schein schon immer mal machen. Wir haben dazu seitdem auch Online-Kurse angeboten, während die Prüfung weiter in Präsenz stattfindet.

Gibt es Lieblings- oder auch Modefische?

Holger Flick Der Zander ist sehr beliebt, aber ebenso der Aal sowie Hecht oder Karpfen. Da hat sich nicht viel geändert. Mehr nach vorne gegangen ist das Raubfischangeln, beispielsweise auf den Barsch oder Zander. Von April/Mai bis August/September ist der Aal sehr gefragt. Dabei kommen meist Würmer zum Einsatz und geangelt wird nachts. Den Raubfischen wird am liebsten mit Kunstködern nachgestellt, die einen kranken Fisch imitieren.

Welche Gewässer sind besonders beliebt?

Holger Flick Der Leybucht-Verbindungskanal in Greetsiel ist sehr beliebt, ebenso das Knockster Tief. Aber auch das Kleine Meer oder das Große Meer hat noch viel an Fischreichtum zu bieten, weil hier auch Naturschutzzonen ausgewiesen sind. Und es dürfen keine Boote fahren.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich