Ostfriesland - Der Streit um höhere Schleusengebühren für die Fahrt auf dem Ems-Jade-Kanal und dem Nordgeorgsfehnkanal scheint beigelegt zu sein. Es wird ein „Boots-Pass EJK/NGFK“ als Pilot-Projekt eingeführt, teilte der SPD-Landtagsabgeordnete Wiard Siebels aus Hannover mit. Eine Einigung über pauschale Schleusengebühren wurden zwischen dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN), dem Landesverband Motorsportboot (LVM), dem Deutschen Motoryachtverband (DMYV), dem Regionalverband Segeln Weser-Ems und der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) vereinbart. Siebels war von Gerhard Wulff, dem Vize-Vorsitzenden im Bootsportverein BV Wiesens angeschrieben worden. Auch der verantwortliche Minister Olaf Lies (SPD) sei einverstanden, so Siebels.
Sorge bei den Bootjefahrern
Der Streit war entbrannt, weil die Bootjefahrer die Festsetzung der neuen Gebühren durch das Land für viel zu hoch hielten. Als Grund nannte das Land gestiegene Energie- und Betriebskosten. Damit hätten viele Vereine ihr beliebtes Freizeitvergnügen nicht mehr stemmen können. Andere wären nach Holland abgewandert, beobachtete Gerd Wulff diese Entwicklung bereits in seinem eigenen Verein mit großer Sorge.
Gerhard Wulff, Vize-Vorsitzender im BV Wiesens, hält die neue Regelung nicht für gangbar. „Aus den 70 Euro, die unser Verein vorher bezahlt hat, sind jetzt 1000 Euro geworden. Das ist nicht als Erfolg zu werten. Wenn es um - wie berichtet - 20.000 bis 30.000 Euro geht, hätte ich erwartet, dass sich die Anrainerkommunen stärker beteiligen.
Für den Tourismus ist das kein guter Einstand. Würden andere Betreiber von Wasserstraßen auch noch anfangen, Gebühren für die Nutzung von Wasserstraßen zu nehmen, wären das sehr hohe Kosten, beispielsweise für den Dortmund Ems Kanal, den Elbeseitenkanal, den Küstenkanal und den Nordostseekanal. Da wäre ich ein paar hundert Euro los, um zum Beispiel nach Berlin zu schippern. Das geht so nicht.
Der Ems-Jade-Kanal sollte für alle Bootjefahrer gebührenfrei sein. Das Land müsste erkennen, dass dies dem Bootstourismus langfristig schadet. Jeder Einzelne kann vielleicht mit 40 Euro leben, um Boot fahren zu können. Aber es geht ja nicht alleine um uns, sondern grundsätzlich um das freie Bootsfahren für alle.“
Deshalb wurde im Verborgenen weiterverhandelt, teilten Helmut von Veen (DMYV), Benno Wiemeyer (LMN), Hans Hüser (RVS Weser-Ems), André Grünebast (TWO) und Reinhard Backer (NLWKN) die neue Regelung.
Pass als Pilotprojekt
Der neue „Boots-Pass EJK/NGFK“ soll seit Mittwoch, 18. Mai, zunächst im Zuge einer Pilotphase erhältlich sein. Mitglieder der auf der ostfriesischen Halbinsel ansässigen Motorboot- und Seglervereine sollen eine ermäßigte Gebühr in Höhe von 40 Euro zahlen. Ganz auf eine zusätzliche Gebühr verzichtet wird bei einer Mitgliedschaft im DMYV, der hier angeschlossenen Sportbootvereinigung (SBV) oder dem Segler-Verband Niedersachsen e.V. (SVN). Die Dachverbände entrichten in diesem Fall die Gebühr für ihre Mitglieder, sodass nur Versandkosten entstehen. DMYV-Mitglieder und Angehörige der am Kanal ansässigen regionalen Vereine können den vergünstigten oder in ihrer Mitgliedschaft enthaltenen Boots-Pass über ein Formular auf der Verbandswebsite beziehen (https://www.dmyv.de/aktuelles/detail/gute-nachrichten-fuer-sportbootfahrer-in-ostfriesland).
Vignette am Boot
Als Nachweis für den Bootje-Pass gilt eine Vignette, die für die Schleusenwärter gut sichtbar an der Backbordseite des Bootes befestigt werden muss. DMYV-Mitglieder können sich alternativ mit ihrer zuvor angeforderten speziellen Verbandsflagge ausweisen. „Auf diese Weise wird auch der Schleusungsprozess wesentlich vereinfacht, denn Boots-Pass-Inhaber sind für die Mitarbeiter des NLWKN auf den ersten Blick erkennbar“, so Axel Daubenspeck vom NLWKN in Aurich. Die Vignette für Gäste des Wassersportreviers kann in den Tourist-Informationen Emden, Wilhelmshaven, Friedeburg und Leer erworben werden.
Tourismus profitiert
Abseits des neuen Pauschalangebotes bleibe die Einzelabrechnung je Schleusung weiter möglich. Der Schleusenvorgang kostet dann sechs Euro. „Das kann sich rechnen, wenn man den Kanal im Rahmen einer Saison nur einmalig oder teilweise durchfahren möchte“, erklärt Imke Wemken, Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH: „Ostfriesland lebt auch von seinen Wasserwegen – die Vereinfachung der Kostenstruktur durch ein Pauschalangebot, das von Gästen der Region in Anspruch genommen werden kann, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Steigerung der Attraktivität als Wassersportdestination“, sagt sie.
