Aurich - „Wir brauchen Coworking in Aurich, definitiv“ – eine deutliche Aussage, die Citymanagerin Vicky Janssen macht. Sie befürwortet den kürzlich gestellten Antrag der FDP-Stadtratsfraktion in Aurich, in dem die Etablierung von Coworking-Spaces in der Auricher Innenstadt gefordert wird. Über diesen Antrag soll in der kommenden Ratssitzung am 7. Juli abgestimmt werden. Janssen sieht in dem Antrag viel Potenzial, nicht nur für Aurich, sondern auch mögliche Nutzer.

Bislang hatte die Schaffung von Coworking-Arbeitsplätzen in der Auricher Innenstadt nie geklappt und das hatte, so erklärt Janssen, vor allem einen Grund: Mangel an geeigneten, bezahlbaren Räumen. Diese sollten entweder direkt in der Auricher Innenstadt liegen und mehrere verschiedene Räume besitzen oder aber über eine sehr gute Verkehrsanbindung verfügen. Der Bedarf sei in jedem Fall da, weiß Janssen aus eigener Erfahrung und kämpft bereits seit drei Jahren in Aurich für eine Etablierung. Sie ist selbst begeisterte Coworkerin und gründete einst sogar das Coworkerhaus im EEZ. Dieses musste aber aufgrund des Impfzentrums weichen und ruht daher seit einem halben Jahr. Aufgegeben hat Janssen das Projekt deswegen aber nicht. „Obwohl es das Coworkerhaus so gerade nicht mehr gibt, kommen immer noch Anfragen rein. Der Bedarf ist da“, berichtet die Auricher Citymanagerin. Fände die Stadt geeignete Räumlichkeiten, würde Janssen den modernen Coworking-Space gern wieder aufleben lassen.

Der Reiz am Coworking macht für sie nämlich vor allem eins aus: das gemeinsame Arbeiten und der Austausch untereinander. Mit Menschen aus verschiedenen Sparten und Bereichen der Berufswelt zusammen unter einem Dach arbeiten, voneinander lernen – das bedeutet für Janssen Coworking. „Es geht dabei auch um Dinge, die man nicht planen kann“, erklärt sie und liefert sofort ein Beispiel. Einst besuchte sie einen Coworking-Space in Berlin. Dort war sie die einzige Person von der Nordsee und saß beim Arbeiten neben einem Filmproduzenten. Dieser benötigte Kontakte und Menschen die zufällig genau an der Nordsee wohnen – Janssen konnte ihm weiterhelfen. In ihren Augen ist Coworking in Ostfriesland noch immer zu wenig bekannt, doch das würde sie gerne ändern.

Oftmals würden Menschen Coworking auch mit sogenannten Business-Centern verwechseln, in denen jeder nur für sich arbeitet. „Das elementare am Coworking ist das Gemeinsame. Es gibt dabei auch Regeln, in jedem Coworking Space gibt es eigentlich eine Communitymanagerin“, stellt die Auricherin klar. Coworking beruht auf fünf Aspekten: Nachhaltigkeit, denn man teilt sich einen Raum zusammen. Zugehörigkeit, weil jeder willkommen ist. Offenheit, da nicht bewertet wird, sowie Gemeinschaft – man arbeitet eben zusammen. Dabei gibt es verschiedene Modelle von Coworking-Spaces. Es gibt einen dauerhaften Raum, den man nur für sich anmieten kann. Daneben gibt es aber auch einen Platz, den man sich monateweise anmieten kann oder aber das Modell Open-Space, in dem ein Arbeitsplatz stündlich gemietet werden kann. „Gerade für Touristen, die hier oben länger Urlaub machen wollen, aber auch mal arbeiten müssen, ist das eine super Lösung“, ist sich die Citymanagerin sicher.

Annika Schmidt
Annika Schmidt Online-Redaktion