Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Sammlungszentrum der Ostfriesischen Landschaft „Schatzkammer“ der Ostfriesen endlich hinter sicheren Mauern

Landschaftspräsident Rico Mecklenburg (links) ist froh über das neue Sammelzentrum: Kultur-Minister Falko Mohrs (2.v.l.) erhält im Beisein von Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger (3.v.l) einen kleinen Einblick in die Geschichte Ostfrieslands durch den Archäologen Dr. Jan Kegler.

Landschaftspräsident Rico Mecklenburg (links) ist froh über das neue Sammelzentrum: Kultur-Minister Falko Mohrs (2.v.l.) erhält im Beisein von Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger (3.v.l) einen kleinen Einblick in die Geschichte Ostfrieslands durch den Archäologen Dr. Jan Kegler.

ggm

Aurich - Wertvolle archäologische Funde, uralte Bücher, viele Kartons mit Topfscherben, ein Fundus mit über 1000 Kostümen und ebenso vielen Gemälden, Bildern und Grafiken aus Jahrhunderten – und sogar historische Möbel.

Die Fülle der gesammelten Schätze der Ostfriesischen Landschaft versetzten selbst Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs am Freitag bei der Eröffnung des neuen Sammelzentrums der Ostfriesischen Landschaft in Erstaunen. „Das hier ist eine Schatzkammer“, sagte Mohrs über den neuen Standort der vielen Artefakte, die hier nach zehn Jahren Planungszeit endlich ein neues Zuhause bekommen haben.

Sammlungszentrum

Das Sammlungszentrum der Ostfriesischen Landschaft beherbergt viele Exponate aus Theater, Archäologie und Kunst. Es befindet sich in der Skagerakstraße an der ehemaligen Blücher-Kaserne in Sandhorst. Dort hat die Landschaft ein Gebäude mit 3000 Quadratmeter Fläche gekauft, 2000 Quadratmeter stehen derzeit zur Verfügung. Sieben Jahre soll die Kapazität vorhalten. Ausgelagert werden auch Bücher aus der Landschaftsbibliothek und Funde aus der Archäologie. 

Die Kostümsammlung umfasst rund 1000 historisierende Kostüme, die zum Teil von der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven aussortiert wurden. Die Kostüme aller Art können von Schulen und gemeinnützigen Vereinen für einen geringen Betrag ausgeliehen werden, der die Kosten decken soll. Sie werden gepflegt und auf Wunsch von zwei Mitarbeiterinnen, die sich auskennen, angepasst und nachgearbeitet.

Die Graphothek hat seit den 1970ern Exponate aus den Einrichtungen in Aurich, Norden, Wittmund und Emden aufgenommen. Sie spiegeln das Kunstverständnis der 19870er und frühen 1980er Jahre. Geplant ist, die Werke auch künftig wieder an Kunstliebhaber auszuleihen. Die Geisteswissenschaftlerin und Expertin Katharina Habben katalogisiert, fotografiert und digitalisiert zur Zeit den Bestand. Ein Zehntel hat sie geschafft. Verkauft werden kann die Graphothek nicht, weil sie mit Landesmitteln aufgebaut wurde.

Die Landschaft hat die Exponate aus dem Landschaftsgebäude in der Innenstadt umgesiedelt. Präsident Rico Mecklenburg ist mehr als froh darüber, weil vor allem der Kostümfundus unter dem Dach auch eine schwere Brandlast beherbergte. Zu eng war es außerdem zuletzt im Keller und auf dem Dachboden des Landschaftsgebäude geworden, so dass an eine vernünftige Arbeit kaum noch zu denken war.

Ruhende Exponate

Eine Lösung für die ruhenden Exponate fand sich in der Kleiderkammer der ehemaligen Blücher-Kaserne, während ein weiterer Teil der archäologischen Funde noch im Landschaftsgebäude verwahrt ist, um für Untersuchungen täglich Zugriff zu haben. Im Sammelzentrum sind jedoch nun mehrere Tausend Kostüme im Fundus untergebracht, der auf vorheriger Anmeldung einmal pro Woche von Theaterbühnen oder Vereinen genutzt werden kann. Dort kann von der Ritterrüstung über das mittelalterliche Brautkleid oder den neuzeitlichen Zylinder bis hin zum historischen Knopf alles gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden.

Und auch Schulen oder andere Einrichtungen können sich jene von der Archäologin Dr. Sonja König liebevoll zusammen gestellten Lernkoffer mit Funden zum Anfassen, beispielsweise mit Feuersteinen und Faustkeilen aus der Steinzeit oder Alltagsgegenständen des Mittelalters ausleihen, um sie im Unterricht zu studieren.

Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger ist mehr als froh darüber, dass nun die Zeit der Enge im städtischen Landschaftsgebäude vorbei ist. Mit Seitenblicken auf Minister Mohrs erinnerte Stenger in seiner Rede daran, dass damit der Geldfluss aus Hannover nicht versiegen möge. „Wir sammeln hier ja nicht zum Spaß, sondern erfüllen eine staatliche Aufgabe“, sagte der Direktor. Dieser sicherte zu, dass sein Ministerium weiter ein Auge auf die „Schatzkammer“ der Ostfriesen haben werde.

Immerhin wurden 2,23 Millionen Euro vom Ministerium und der Landschaft, hier über Kredite, investiert. Und nicht zuletzt ist die Ostfriesische Landschaft die älteste Einrichtung dieser Art in Niedersachsen, gegründet im Jahr 1464, als Ritter, Bürger und Bauern in Ostfriesland noch den Ton angaben, während andere Landschaften erst nach 1960 entstanden. Außerdem muss auch noch ein benachbarter Gebäudekomplex saniert werden, denn das Sammelzentrum wird erst zu zwei Dritteln auf 3000 Quadratmetern genutzt.

„Es war wie ein Krimi“

„Es war wie ein Krimi“, sagte Dr. Stenger über die Planungs- und Bauzeit vor und seit 2017, denn immer wieder musste umgeplant werden. Die Kosten drohten irgendwann zu explodieren. Schon Stengers Vorgänger, Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger hatte das Sammelzentrum bereits vor mehr als zehn Jahren angemahnt. Bärenfänger sah sich das Geschaffene - wie viele andere Motoren des Projektes – als Beobachter aus der Distanz an. Als dann die Ex-Kaserne ins Spiel kam, war es wie eine Punktlandung gewesen, ließ Stenger rückblickend durchblicken. „Es war genau das, was wir suchten!“

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hatten im Hinspiel keinen leichten Stand: die Oldenburg DeWayne Russell (links) und Ebuka Izundu gegen den Tübinger Kriss Helmanis. Die Baskets unterlagen mit 84:93.

OLDENBURG EMPFÄNGT TIGERS TÜBINGEN Gegner der Baskets darf auf keinen Fall verlieren – Weitere Ausfälle möglich

Niklas Benter Mathias Freese
Oldenburg
Wills Woche
Is’ was?

ISLAM IN DEUTSCHLAND Keine Religion steht über der Kritik

Alexander Will
Jüdische Studierende an der Uni Oldenburg blicken mit Sorge auf die Vorfälle der vergangenen Wochen. Unsere Redaktion hat mit zwei Studentinnen darüber gesprochen, wie sie ihren Alltag erleben. (Symbolbild)

ANTISEMITISCHE VORFÄLLE IN OLDENBURG Zwischen Paranoia und Mut – So erleben jüdische Studierende die Stimmung auf dem Campus

Josepha Zastrow
Oldenburg
Berliner Notizen
Keine Parade für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

KURIOSES UND UNGEWÖHNLICHES IM POLITIKBETRIEB Eine Trompete, ein Jogger und (k)eine Militärparade

Hagen Strauß Büro Berlin
Hat sich auf Vermehrung von Rhododendren und Azaleen spezialisiert: Timo Schröder aus Wiefelstede.

VERMEHRUNGSBETRIEB IN WIEFELSTEDE Kinderstube für Rhododendren und Azaleen

Kerstin Schumann
Wiefelstede