Aurich - Wertvolle archäologische Funde, uralte Bücher, viele Kartons mit Topfscherben, ein Fundus mit über 1000 Kostümen und ebenso vielen Gemälden, Bildern und Grafiken aus Jahrhunderten – und sogar historische Möbel.
Die Fülle der gesammelten Schätze der Ostfriesischen Landschaft versetzten selbst Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs am Freitag bei der Eröffnung des neuen Sammelzentrums der Ostfriesischen Landschaft in Erstaunen. „Das hier ist eine Schatzkammer“, sagte Mohrs über den neuen Standort der vielen Artefakte, die hier nach zehn Jahren Planungszeit endlich ein neues Zuhause bekommen haben.
Das Sammlungszentrum der Ostfriesischen Landschaft beherbergt viele Exponate aus Theater, Archäologie und Kunst. Es befindet sich in der Skagerakstraße an der ehemaligen Blücher-Kaserne in Sandhorst. Dort hat die Landschaft ein Gebäude mit 3000 Quadratmeter Fläche gekauft, 2000 Quadratmeter stehen derzeit zur Verfügung. Sieben Jahre soll die Kapazität vorhalten. Ausgelagert werden auch Bücher aus der Landschaftsbibliothek und Funde aus der Archäologie.
Die Kostümsammlung umfasst rund 1000 historisierende Kostüme, die zum Teil von der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven aussortiert wurden. Die Kostüme aller Art können von Schulen und gemeinnützigen Vereinen für einen geringen Betrag ausgeliehen werden, der die Kosten decken soll. Sie werden gepflegt und auf Wunsch von zwei Mitarbeiterinnen, die sich auskennen, angepasst und nachgearbeitet.
Die Graphothek hat seit den 1970ern Exponate aus den Einrichtungen in Aurich, Norden, Wittmund und Emden aufgenommen. Sie spiegeln das Kunstverständnis der 19870er und frühen 1980er Jahre. Geplant ist, die Werke auch künftig wieder an Kunstliebhaber auszuleihen. Die Geisteswissenschaftlerin und Expertin Katharina Habben katalogisiert, fotografiert und digitalisiert zur Zeit den Bestand. Ein Zehntel hat sie geschafft. Verkauft werden kann die Graphothek nicht, weil sie mit Landesmitteln aufgebaut wurde.
Die Landschaft hat die Exponate aus dem Landschaftsgebäude in der Innenstadt umgesiedelt. Präsident Rico Mecklenburg ist mehr als froh darüber, weil vor allem der Kostümfundus unter dem Dach auch eine schwere Brandlast beherbergte. Zu eng war es außerdem zuletzt im Keller und auf dem Dachboden des Landschaftsgebäude geworden, so dass an eine vernünftige Arbeit kaum noch zu denken war.
Ruhende Exponate
Eine Lösung für die ruhenden Exponate fand sich in der Kleiderkammer der ehemaligen Blücher-Kaserne, während ein weiterer Teil der archäologischen Funde noch im Landschaftsgebäude verwahrt ist, um für Untersuchungen täglich Zugriff zu haben. Im Sammelzentrum sind jedoch nun mehrere Tausend Kostüme im Fundus untergebracht, der auf vorheriger Anmeldung einmal pro Woche von Theaterbühnen oder Vereinen genutzt werden kann. Dort kann von der Ritterrüstung über das mittelalterliche Brautkleid oder den neuzeitlichen Zylinder bis hin zum historischen Knopf alles gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden.
Und auch Schulen oder andere Einrichtungen können sich jene von der Archäologin Dr. Sonja König liebevoll zusammen gestellten Lernkoffer mit Funden zum Anfassen, beispielsweise mit Feuersteinen und Faustkeilen aus der Steinzeit oder Alltagsgegenständen des Mittelalters ausleihen, um sie im Unterricht zu studieren.
Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger ist mehr als froh darüber, dass nun die Zeit der Enge im städtischen Landschaftsgebäude vorbei ist. Mit Seitenblicken auf Minister Mohrs erinnerte Stenger in seiner Rede daran, dass damit der Geldfluss aus Hannover nicht versiegen möge. „Wir sammeln hier ja nicht zum Spaß, sondern erfüllen eine staatliche Aufgabe“, sagte der Direktor. Dieser sicherte zu, dass sein Ministerium weiter ein Auge auf die „Schatzkammer“ der Ostfriesen haben werde.
Immerhin wurden 2,23 Millionen Euro vom Ministerium und der Landschaft, hier über Kredite, investiert. Und nicht zuletzt ist die Ostfriesische Landschaft die älteste Einrichtung dieser Art in Niedersachsen, gegründet im Jahr 1464, als Ritter, Bürger und Bauern in Ostfriesland noch den Ton angaben, während andere Landschaften erst nach 1960 entstanden. Außerdem muss auch noch ein benachbarter Gebäudekomplex saniert werden, denn das Sammelzentrum wird erst zu zwei Dritteln auf 3000 Quadratmetern genutzt.
„Es war wie ein Krimi“
„Es war wie ein Krimi“, sagte Dr. Stenger über die Planungs- und Bauzeit vor und seit 2017, denn immer wieder musste umgeplant werden. Die Kosten drohten irgendwann zu explodieren. Schon Stengers Vorgänger, Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger hatte das Sammelzentrum bereits vor mehr als zehn Jahren angemahnt. Bärenfänger sah sich das Geschaffene - wie viele andere Motoren des Projektes – als Beobachter aus der Distanz an. Als dann die Ex-Kaserne ins Spiel kam, war es wie eine Punktlandung gewesen, ließ Stenger rückblickend durchblicken. „Es war genau das, was wir suchten!“
In diesen Kästen sind Tausende an Artefakten aus vielen Jahrhunderten aufbewahrt.
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Blick in die Weiten des neuen Archivs, das aktuell nur zu zwei Dritteln für den Bestand der Ostfriesischen Landschaft ausgebaut ist.
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Minister Falko Mohrs mit Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger vor dem Kostüm-Archiv.
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Reichhaltiges Büffet zu Ehren der Eröffnung des neuen Sammelzentrums.
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Uralte Bücher gehören zum Fundus der Ostfriesischen Landschaft, die in der Landschaftsbibliothek im Fischteichweg nicht täglich gebraucht werden.
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Informierten über die Funde aus der Archäologie: Grabungstechnikerin Ines Freese und Archäologin Dr. Sonja Kegler.
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