Aurich - Sucht, Krankheit, Depression oder Altersschwäche: Die Gründe, warum Menschen verwahrlosen, sind vielfältig. Doch wie kann Betroffenen geholfen werden? Mit dieser Frage befassten sich die Mitglieder des Fachausschusses für Gesundheit und Pflege im Auricher Kreistag am Donnerstag in Aurich. Petra Hüffer vom Beratungsdienst des Landkreises Aurich erläuterte, wie geholfen werden kann. Die Sozialarbeiterin betonte aber auch: „Jeder darf so verwahrlosen wie er will.“
Helfende Hände sind wichtig
Allerdings: Es gibt auch Menschen, die sich nicht mehr aus eigenen Kräften um ein geordnetes häusliches Umfeld kümmern können, denen helfende Hände aus der Familie oder dem Freundeskreis fehlen, die vereinsamen. Oft geraten Menschen über 60 in diese missliche Lage, doch auch Jüngere seien betroffen, sagte Hüffer. Wer sich helfen lasse wolle, dem müssten Türen offen stehen. Und möglichst niederschwellig sollte der Zugang sein, denn vielen Betroffenen sei die eigene Situation peinlich. Häufig liege dieser Entwicklung auch eine Depression zugrunde. „Mein Ziel war es immer, eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen“, so Hüffer. „Denn die erste Kontaktaufnahme ist ein riesengroßer Schritt“. Geeignete Anlaufstellen seien dringend nötig: „Die Zahl verwahrloster Menschen nimmt im Landkreis zu“, so Hüffer.
Gruppe unterstützt den Kampf gegen das Chaos
Inzwischen gibt es die Selbsthilfegruppe „Krimskrams-Krisen-Hilfe“. Wer unter Unordnung, Überforderung, Chaos im eigenen Haushalt leide“, könne hier Unterstützung von Menschen bekommen, die eigene Erfahrungen damit gemacht haben, wie es ist, wenn einem alles über den Kopf wächst. Niemand, der von sich aus Hilfe suche, sollte mit dem Problem alleine gelassen werden. „Respekt und Diskretion stehen dabei an erster Stelle“, heißt es im Infoblatt des Beratungsdienstes. Der soziale Beratungsdienst des Landkreises bietet erwachsenen Menschen in allen sozialen Notlagen Hilfe an. Hausbesuche sind auf Wunsch möglich. „Was uns noch fehlt“, gab Petra Hüffer den Kreispolitikern als Denkanstoß mit auf den Weg, „ist eine Art mobile Einsatzgruppe.“
Hier gibt es die Termine der Selbsthilfegruppe
Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden 2. und 4. Dienstag im Monat von 18.30 bis 20 Uhr im Familienzentrum in Aurich. Informationen gibt es außerdem bei Anja und Wilfried Duin, Telefon 04942/204138, Petra Hüffer, Telefon 04941/165326, oder Melanie Freudenthal (Sozialpsychiatrischer Dienst), Telefon 04941/165328. Zu den Aufgaben des Beratungsdienstes gehört unter anderem die Mediation zwischen Eltern und Kindern. Außerdem werde man aktiv, wenn sich besorgte Nachbarn oder Angehörige melden. Hin und wieder würden auch Vermieter Kontakt aufnehmen – mitunter in der Erwartung, einen unliebsamen Mieter loszuwerden. „Aber das ist nicht unsere Aufgabe“, betonte Hüffer.
