Aurich - Bis 2035 soll fast der komplette Strom in Deutschland aus erneuerbaren Energien gewonnen werden – so zumindest der Plan und die Forderung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Er möchte den Bau von Windkraftanlagen im ganzen Land fördern und vorantreiben. Dazu erließ das Kabinett kürzlich sogar ein Gesetz, bei dem festgelegt wurde, dass 2026 mindestens 1,4 Prozent der Bundesfläche der Windenergie zur Verfügung stehen soll. Doch um das zu erreichen, muss viel passieren, wie Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald weiß.
Genehmigungen beschleunigen
Der Auricher Windkraftanlagenhersteller begrüßt die Pläne Habecks, sieht aber auch die Schwierigkeiten. „Die größte Herausforderung beim Ausbau von Onshore Wind liegt derzeit darin, den vorhandenen Stau bei den Genehmigungen aufzulösen“, erklärt Unternehmenssprecher Rehwald. Eine Genehmigung für eine Fläche zum Bau einer Windkraftanlage zu bekommen, dauert in der Regel sechs Jahre. Habeck will es beschleunigen und hat dazu auch das sogenannte beschleunigte Artenschutzprüfungverfahren auf den Weg gebracht. Ohne eine Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens ginge es nicht, macht auch Rehwald deutlich. Allerdings erwartet die Regierung bereits Widerspruch aus der Bevölkerung, denn mehr Flächen für Windkraft bedeuten auch Einschnitte und Einschränkungen für manche Menschen.
Gasversorgung beunruhigt Windkraftanlagenbauer
Bislang spürt Enercon noch keine Veränderung in der Auftragslage. Der Unternehmenssprecher sieht die Gründe dafür zum einen in der Pandemie, aber auch in der derzeit angespannten Situation auf dem Energiemarkt. Die Ausrufung der zweiten Warnstufe des Notfallplans Gas versetzt auch das Auricher Unternehmen immer mehr in Alarmbereitschaft. „Aufgrund der globalen Lage und der bereits dazu durch die Bundesregierung erfolgten Ankündigungen stellen wir uns auf verschiedene mögliche Szenarien ein. Ziel ist es, die Produktion möglichst aufrecht zu halten und unsere Lieferfähigkeit abzusichern“, so der Sprecher.
Um die Gasversorgung solange wie möglich zu sichern, auch im Falle einer Drosselung durch die Regierung, hat der Windkraftanlagenbauer bereits Pläne erarbeitet. So werde mobiles Arbeiten von Mitarbeitern verstärkt, das Temperaturniveau in Produktions- und Bürogebäuden abgesenkt sowie weitere Energiesparmöglichkeiten ausgeschöpft. „Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau“, stellt Rehwald klar.
Enercon bedauert Ende der Rotorblattfertigung in Deutschland
Während Habeck die Windenergie in Deutschland vorantreiben will, musste der letzte Hersteller von Rotorblättern in Deutschland, Nordex, seine Produktion in Rostock einstellen und nach Indien verlagern – zu teuer war eine Herstellung in Deutschland geworden. Für Enercon hat diese Entwicklung jedoch keine Auswirkungen, da das Unternehmen die Rotorblätter bereits seit 2019 aus dem Ausland bezieht. Für Enercon kam die Verlagerung der Produktion vom Hersteller Nordex nicht überraschend. Eine Herstellung in Deutschland sei teils bis zu 30 Prozent teurer als im Ausland und das würde ein Unternehmen im Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig machen. „Das Aus der Rotorblattfertigung in Deutschland ist nach einhelliger Meinung unumkehrbar, so bitter das für den Produktionsstandort Deutschland auch ist“, zieht der Enercon-Sprecher ein Fazit.
