Aurich - Die Auricher Kunstschule und das Mitmachmuseum „miraculum“ kommen unter ein Dach. Bis 2025 sollen die Umbauarbeiten für drei Gebäude mit einer denkmalgeschützten Fassade vorgenommen werden. Die Befürworter im Auricher Rat konnten sich mit 20 Stimmen gegen 18 Gegner des Umzugs durchsetzen. Dafür können Fördergelder in Höhe von 2,9 Millionen Euro eingeworben werden. Wie hoch die aktuell auf 3,4 Millionen Euro bezifferten Baukosten am Schluss ausfallen werden, kann angesichts der steigenden Materialkosten niemand sagen. Das machten die Gegner des Umzugs aus der CDU, FDP, GfA und AWG immer wieder deutlich.
Millionen-Schulden
Zu ihnen gehört auch Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos), der vor der Debatte in der Stadthalle auf die noch unklaren Auswirkungen des Ukraine-Kriegs für den Stadthaushalt hinwies, der vier Millionen Miese aufweist und seit 2016 nicht mehr ausgeglichen werden kann.
Insgesamt hat die Stadt 70 Millionen Euro Schulden. Feddermann ermahnte den Rat deshalb, den Umbau nicht auf den Weg zu bringen, betonte er. Als der Bürgermeister vor sechs Wochen das Zahlenwerk vorgestellt habe, sei „von Krieg noch keine Rede gewesen“, die „Wirtschaft steht Kopf“, sagte er. Der Bürgermeister betonte auch, dass die Stadt niedersachsenweit die meisten Schulden mitbringe. „Corona haben wir halbwegs im Griff. Die Folgen des Ukraine-Kriegs werden wir auf Jahre spüren.“ Und die Rücklagen der Stadt seien von 90 Millionen Euro auf 25 Millionen geschmolzen. „Wir müssen den Haushalt für nachfolgende Generationen sichern“, so Feddermann, der jetzt einen anderen Standort finden will.
Bürgermeister stellt klar
Der Bürgermeister betonte außerdem, dass die Entscheidung sich keineswegs gegen den Kultur- und Bildungsstandort Aurich richte, in den die Stadt über Schulen oder auch Initiativen wie den „Zwischenraum“ oder den Kunstpavillon durch freiwillige und über Pflichtaufgaben viele Millionen Euro investiere. Und die Existenz der Kunstschule habe nie in Frage gestanden, betonte Feddermann auch. „Es wird ein völlig falsches Bild gezeichnet, als wäre uns Kunst nicht wichtig“, sagte er.
Der Auricher Künstler Peter Veckenstedt, hier im Zuschauerraum, konnte mit einer Unterschriftensammlung für den Umzug punkten. Er übergab 2000 Unterschriften an den Bürgermeister. Bild: Günther Gerhard Meyer
Die im Vorfeld Befürchtung des ehemaligen Kunstschulleiters Rainer Strauß, die Kunstschule würde „sterben“ oder „aufs Abstellgleich“ geraten, wenn erneut eine Notlösung gefunden werde, wies Feddermann entschieden zurück. „Es wird gute Arbeit geleistet. Ein Sterben der Kunstschule ist weit weg“, so Feddermann, der sich einen Umzug nur für die Kunstschule gewünscht hätte.
Befürworter kritisieren
Doch das sehen die Befürworter aus SPD/GAP, Linke und Grüne anders, machte Harald Bathmann (SPD) deutlich, der auf die 90-prozentige Förderung hinwies, was schon sehr selten vorkomme. „Das ist wie ein Elfmeter ohne Torwart“, sagte Bathmann.
Er warf der Verwaltung außerdem vor, die Planung seit 2018 nicht konsequent genug vorangetrieben zu haben. „Wir werden den Ball, den die Verwaltung ins Aus geschossen hat, wieder auf den Elfmeterpunkt legen“, so der SPD-Fraktionschef. Dem widersprach Feddermann, der für die Kunstschule bis zum Ukraine-Krieg noch alles „im grünen Bereich“ gesehen haben will. Das sei zunächst auch vom Architekturbüro auch so bestätigt worden, während eine Verkleinerung der Fläche als nicht mehr förderfähig gesehen worden sei.
Gegner sehen Haltelinie
Menko Bakker (FDP) warb für den Abbruch der gemeinsamen Umzugspläne von Museum und Kunstschule. „Wenn das Fahrwasser beruhigt ist, findet sich eine andere Lösung“, sagte Bakker. Fraktionskollegin Sarah Buss erklärte: „Ein Elfmeter aufs Tor mit Steuergeldern tut mir weh.“ Gila Altmann (Grüne) sieht den Umzug, der wegen der Fördergelder auf 25 Jahre terminiert ist, als Gewinn für die Stadt und warnte, „die Kinderstube der Kreativen wird zur Nebensache, soll auf der Strecke bleiben“, wenn erneut ein Provisorium für die Kunstschule geschaffen werde. Bodo Bargmann (CDU) wies darauf hin, dass schon 2018 ganz bewusst „eine Haltelinie in die Planung eingebaut“ worden sei, dort sei man nun angekommen. Ein „Augen zu und durch“ dürfe es nicht geben.
