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Nachhaltigkeit in Auricher Verwaltung Fair Trade nicht um jeden Preis

Vor Ostern machten die Mitglieder des Eine-Welt-Ladens in Aurich auf die Schieflage beim Kakaohandel in der Welt aufmerksam.

Vor Ostern machten die Mitglieder des Eine-Welt-Ladens in Aurich auf die Schieflage beim Kakaohandel in der Welt aufmerksam.

Archiv ggm

Aurich - Fair Trade-Produkte werden von der Stadt Aurich für den Verwaltungsalltag mit Augenmaß eingekauft. Das machte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) auf Anfrage der Fraktionen AWG, Grüne, Linke, Heidrun Weber (GfA) und SPD/GAP deutlich. „Wir schauen nach fair, aber auch nach dem Preis“, wies Feddermann auf das Gebot der Wirtschaftlichkeit hin, das es in der Verwaltung zu erfüllen gelte. Außerdem sei Fair Trade bereits eine Forderung im Klimaschutzkonzept der Stadt. Die Fraktionen wollten wissen, nach welchen Kriterien Verbrauchsmaterialien zur Zeit angeschafft wird und welche Produkte in welchen Bereichen die Nagelprobe in Sachen Nachhaltigkeit bestehen. „Wir wollen sehen, wo wir das schon machen und wo es noch möglich ist“, betonte Sarah Buss (FDP), dass es sich um keinen Antrag, sondern nur eine Anfrage handele.

Im Fokus steht ein weltweit fairer Handel

Fair Trade heißt übersetzt „gerechter Handel“, bei dem beispielsweise der Erlös von Kakao, Tee oder Kaffee auch bei den Bauern in der Dritten Welt ankommt. Im fairen Handel sollen die Art der Herstellung, die Kosten und die Löhne gerecht verteilt werden. Dafür werden Produkte mit einem fest gelegten Mindestpreis und einem Gütesiegel versehen. Eine entsprechende Prüfung durch die Stadt soll nun folgen, ob und welche Produkte für die Bereiche in der Verwaltung in Frage kommen.

Was kostet die Umstellung auf Fair Trade-Produkte?

Die Fraktionen legten der Verwaltung hier zur Orientierung die Internetseite (www.kompass-nachhaltigkeit.de) nahe, wo es bereits kommunale Praxisbeispiele, beispielsweise für die Beschaffung von Büromaterial aller Art oder für Schulen und Kitas gibt. Außerdem soll die Verwaltung ermitteln, was die Umstellung auf Fair Trade-Produkte an Mehrkosten nach sich ziehen würde. Feddermann zeigte sich hier zögerlich: „Eine Richtlinie zu erarbeiten, ist noch zu früh“, gab er zu bedenken. Er verwies die Anfrage in die Fair Trade-Steuerungsgruppe. Volker Rudolph (GAP) machte Druck für eine To-Do-Liste, damit diese Forderung nicht „irgendwo versandet“. Die Verwaltung will die Liste nun bis zum Jahresende vorlegen. Arnold Gossel (CDU) warnte davor, künftig pauschal auf Fair Trade-Produkte umzusatteln. Die Verwaltung müsse hier eine Art Vorsortierung vornehmen, denn nicht immer seien diese sinnvoll, beispielsweise wenn es um Autoreifen für den Betriebshof gehe. „Das geht nicht“, sagte Gossel.

Bereits als Fair Trade Town zertifiziert

Die Stadt Aurich erfüllt bereits seit 2013 als eine von 700 Städten in Deutschland die fünf Kriterien für das Gütesiegel „Fair Trade Town“ durch den gemeinnützigen Verein TransFair (www.fairtrade-towns.de). Demnach trinken der Bürgermeister und der Rat fair gehandelten Kaffee. Das Siegel wurde erst 2021 für zwei weitere Jahre verlängert, die Kommune baut ihr Engagement stetig aus. Dazu muss zusätzlich eine bestimmte Zahl an Geschäften und Gastronomiebetrieben Fair Trade verinnerlicht haben. Hier ist die Stadt Aurich mit dem Eine-Welt-Laden oder Fair-Trade-Angeboten im Europahaus oder dem Ausflugsschiff MS Marion ebenfalls auf einem guten Weg. Auch Supermärkte haben solche Produkte im Sortiment. Schulen, Kirchen, Vereine und Verbände sollen ebenfalls eingebunden werden.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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