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Ostfriesische Gewässer So geht es den heimischen Fischen bei Hitze und Trockenheit

Ein Fischereiaufseher fischt Bachforellen aus einem Dorfbach. Wegen tiefer Pegelstände der Gewässer und anhaltender Trockenheit werden die Fische umgesiedelt.

Ein Fischereiaufseher fischt Bachforellen aus einem Dorfbach. Wegen tiefer Pegelstände der Gewässer und anhaltender Trockenheit werden die Fische umgesiedelt.

KEYSTONE

Ostfriesland - Viele Kanäle und Tiefs in der Region sind durch anhaltende Hitzephase ausgetrocknet, der Wasserstand an manchen Angelgründen an den Tiefs ist inzwischen bereits bedenklich gesunken. Doch im Bezirksfischereiverband Ostfriesland (BVO) ist Holger Flick von der Fischereiaufsicht zuversichtlich, dass sich die Lage bald entspannt. „Das ist dem Klima geschuldet. Und die Niederschläge kamen bisher sehr konzentriert. Die Gewässer können das gar nicht aufnehmen“, sagte Flick. Aktuell sieht er eine Änderung in Sicht. „Wir haben es überstanden“, blickt er zuversichtlich in die nächsten Wochen, auch wenn es noch trockene Spätsommer geben könne. „Die Wasserstände steigen und der Sauerstoffgehalt nimmt ebenfalls wieder zu“, betont Flick.

 11.000 Angler halten die Augen auf

Über 11.000 Mitglieder zählt der BVO in Ostfriesland und in anderen Bundesländern, darunter Urlauber mit Zweiwohnsitz und Ferienhäusern in der Region. „Unsere Mitgliedschaft ist günstiger als die Tageskarten“, begründet Flick das Interesse von Angeltouristen. Und alle halten die Augen offen, wenn etwas nicht stimmt. „Grundsätzlich ist jeder Angler gefordert, mit offenen Augen seine Hausgewässer zu beobachten“, sagt Flick. Das werde bereits bei der Angelscheinprüfung vermittelt. Angler würde es schließlich am ehesten mitbekommen, wenn in den Gewässern Veränderungen da sind. Sie seien dann auch gehalten, in den acht Ortsgruppen in Emden, Norden oder dem weiteren Ostfriesland die Meldung an die Obleute weiterzugeben.

Eine Umsetzung kann die Rettung sein

Manchmal sähe es auch dramatischer aus, als es tatsächlich sei. „Wenn die Fische noch nach Luft schnappen, kann man noch was machen“, sagt Flick. Dann könne man beispielsweise mit Keschern die Fische umsetzen. Das war auch vor vier Jahren in Greetsiel der Fall, weil kein Frischwasser mehr in das Hafenbecken gelangen konnte. Dort habe man sogar Schleppnetze eingesetzt, um die Fische in andere Gewässer umzusiedeln. „Es kam kein Sauerstoff mehr durch das Schleusentor ins Hafenbecken“, so Flick. Auch nach vier Jahren müsse sich der Bestand noch erholen. „Ein paar Fischarten konnten mit dem Salzgehalt im Wasser umgehen. Die klassischen Süßwasserfische wie Zander, Hechte, Brassen und Barsche kommen aber langsam wieder“, so Flick.

 Vom Fischsterben weit entfernt

Von einem Fischsterben sei Ostfriesland noch weit entfernt, so Flick. „Es gab mal ein paar kleinere Meldungen, wo es eng wurde, aber flächendeckend kann man das nicht sagen“, erklärt er. Ob überhaupt noch geangelt werden darf? „Ein Angelverbot gibt es nicht“, betont der Aufseher. „Da müsste es schon konkrete Verzehrgründe geben“, nannte er Ausnahmen. „Wenn es für die Fische eng wird, beißen die sowieso nicht“, weiß Flick auch.

 Natürliche Sprungschicht

Außerdem würden Fische sich verstecken, um bei zuviel Hitze zu überleben? Wie die Menschen oder Tiere suchten sie schattige Plätze oder Bereiche mit mehr Strömung auf, wo es etwas kühler ist. Im See haben es die Fische einfacher, so Flick, weil sie weiter in die Tiefe ausweichen könnten, wo das Thermometer am Boden stets vier Grad zeigt. Und dann gebe es im Sommer in über vier Meter tieferen Seen immer noch eine sogenannte Sprungschicht in etwa sechs Metern Tiefe, wenn es richtig warm werde. Das warme, sauerstoffreiche Wasser an der Oberfläche wird dabei erhitzt, aber die Temperatur werde durch die geringe Leitfähigkeit des Wassers nicht transportiert. Es gebe einen Temperatursprung mit sauerstoffarmem, kalten Tiefwasser. Dort wird die Population dünner. Unter der Sprungschicht halten sich besonders gerne Hechte auf, Weißfische lieben es dagegen wärmer.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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