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Gasthof Germann in Ihlow Traditionsgasthof schließt – Wehmut im Dorf

Das war einmal: Blick auf den Ortskern von Westerende-Kirchloog mit der Kirche und dem dahinterliegen Gasthof Germann mit dem feuerroten Ford Capri des noch jungen Johann Germann Rieken.

Das war einmal: Blick auf den Ortskern von Westerende-Kirchloog mit der Kirche und dem dahinterliegen Gasthof Germann mit dem feuerroten Ford Capri des noch jungen Johann Germann Rieken.

Archiv

Westerende-Kirchloog - Mit Wehmut wird in Westerende-Kirchloog die Schließung des alten Dorfgasthofes Germann gesehen. Inhaber Johann Germann Rieken (67) will zum Jahresende zuerst den Saalbetrieb aus Altersgründen beenden. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Nur die Kneipe bleibt noch bis März geöffnet, damit die Boßler im Ort ihre Saison beenden können. „Aber es kann noch jeder kommen“, sagte Germann Rieken. Zum 1. Mai muss er das Anwesen besenrein an den Investor übergeben, der es abreißt, um dort Wohnungen zu bauen. Für Ortsvorsteher Martin Jürgens (SPD) endet damit eine Ära, machte er im Gespräch deutlich. „Jede Familie verbindet hier etwas mit Germann“, sagte er.

Würdigung bei der Seniorenfeier

Bereits während der letzten Seniorenweihnachtsfeier der Dörfer Westerende-Kirchloog, Westerende-Holzloog, Barstede und Bangstede im Dorfgasthof hatte Jürgens das Verschwinden einer für das Dorf bedeutenden Institution angesprochen.

Zur Historie des Gasthofs Germann

Der Gasthof Germann ist 86 Jahre alt, wurde von Johann Germann gegründet. Vorher war dort schon ein Kaufmannsladen

Johann Germann Rieken übernimmt den Betrieb 1979 von seinen Eltern Roolf und Ida Rieken. Er ist gelernter Koch, hat in Aurich den Beruf erlernt und schon viel von der Welt gesehen.

Viele Vereine haben hier ihre Stammkneipe, ebenso andere Gruppen aller Art. Das sind die Boßler vom „Lütje Holt“, der Männergesangverein „Frohsinn“, der Gemischte Chor sowie der TuS Westerende. Der Ortsrat hält hier seine Sitzungen ab.

Dabei würdigte er das Engagement des gelernten Kochs Johann Germann, der besonders für seine ostfriesische Küche beliebt war. „Die Rouladen sind etwas Besonderes. Es gab immer satt“, sagte Jürgens auch über die Grünkohlfeiern. Für den gelernten Koch sind es diese Rezepte, die er 40 Jahre lang immer wieder gerne „as bi Moder in Huus“ zubereitete. „Eben genauso wie es jede Hausfrau zu Hause auch kann“, gab er sich bescheiden.

Der Gasthof war immer ein wichtiger Anlaufpunkt

Und auch die Generationen mit Gründer und Großvater Johann Germann (1896-1970) sowie Roolf und Ida Rieken, geborene Germann, wurden nicht vergessen. Der Gasthof sei immer wichtiger Anlaufpunkt und Begegnungsstätte für das Dorfleben gewesen. In den 1950er Jahren wurde hier zur Musikkapelle getanzt. „Hier lernten sich spätere Eheleute kennen, feierten Hochzeit, Silberhochzeit und Goldene Hochzeit“, sagte Jürgens. Und auch die Teetafeln für die Beerdigungen auf dem Friedhof gegenüber wurden hier vorgenommen, um sich von den Verstorbenen zu verabschieden.

Eine Biergeschichte besonderer Art

Eine besondere Geschichte erzählte Stammgast Dieter Mertens, der 1998 nach einer Radtour völlig „ausgetrocknet und mit einem Riesendurst“ vor der verschlossenen Kneipe stand. „Die Eingangstür war offen, aber die Schiebetür auf“, erinnerte er sich, aber von Johann war keine Spur zu sehen. Also griff er selbst zum Zapfhahn, genehmigte sich zwei Bier. Auf einem Bierdeckel hielt er seine Außenstände fest und bezahlte die Zeche am nächsten Tag, während der Bierdeckel bis heute im Thekenschrank einen Ehrenplatz hat.

„Irgendwann ist mal Schluss“

In den vergangenen Wochen hörte Johann Germann Rieken in Gesprächen immer wieder, wie tief der Gasthof tatsächlich in der Bevölkerung verankert ist. „Viele bedauern die Schließung, aber haben auch viel Verständnis“, sagte der 67-Jährige. Eine Karnevalsfeier, wie viele gehofft hatten, wird es nicht mehr geben. „Und irgendwann ist ja nun auch mal Schluss“, sagte er. An Silvester ist für den Saalbetrieb Schluss. Dann erwartet er am späten Vormittag die Boßler aus Westerende und den Nachbardörfern. „Da gibt es Bier und Schnaps“, sagt der Kneipier. Und auch die zünftige „Arvtsopp mit Potje und Schwiensteert“ wird dann nicht fehlen. - Eben genauso, wie es schon immer war.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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