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Gefährliche Mission in der Nordsee Taucher bergen über 100 Kilo Geisternetze in drei Tagen

Ein Netz wird an Bord eines Schnellschiffes gezogen. Bei der Aktion

Ein Netz wird an Bord eines Schnellschiffes gezogen. Bei der Aktion "Geisternetze Ostfriesland" suchen Taucher verloren gegangene Netze in der Nordsee. Die einwöchige Aktion soll auf die Vermüllung der Meere aufmerksam machen. Vor den ostfriesischen Inseln suchen die professionellen Taucher nach den herrenlosen Netzen.

dpa

Ostfriesland - Es ist Mittwochmorgen um 10.30 Uhr. Während andere Menschen gerade im Büro ihren zweiten oder dritten Kaffee trinken, bereiten sich im Hafen von Neuharlingersiel acht Taucher der Organisation Ghost Diving Germany auf den dritten Tag ihrer Mission vor. Sie wollen Geisternetze aus den Tiefen der Nordsee rund um die ostfriesischen Inseln bergen. Was die Taucher auf See erwartet, ist im Hafen oft noch nicht sicher zu sagen. Fest steht nur eins: Für die ehrenamtlichen Taucher birgt die Mission eine Menge Gefahren und wie viele Geisternetze sie bergen können, hängt nicht alleine von ihnen, sondern auch von den Bedingungen auf See ab.

Geisternetze

Geisternetze sind alte Fischernetze, die durch Unwetter vom Boot abgerissen sind oder vergessen wurden. Meistens befinden sich diese Netze an Schiffswracks unter Wasser.

Sie werden für Millionen von Tieren jedes Jahr zur tödlichen Falle und nicht nur das. Die Netze zerfallen mit der Zeit zu Mikroplastik und verunreinigen so das Ökosystem Meer. Aus diesem Grund hat es sich die weltweite Organisation Ghost Diving zur Aufgabe gemacht, diese Netze zu bergen.

Versunkene Schiffwracks

Ziel der Aktion „Geisternetze Ostfriesland“ ist es, die Nordsee von ebenjenen Geisternetzen zu säubern. Diese befinden sich meist an Schiffswracks unter Wasser. Alleine in der Nordsee befinden sich nach Schätzungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie rund 10 000 solcher Wracks. Die meisten sind in einer Karte eingezeichnet und geben der Tauchcrew so Hinweise auf mögliche Fundorte von Geisternetzen. Die ostfriesischen Gezeitentaucher um Dirk Heinemann kennen viele der Wracks gut und helfen zusätzlich mit ihrem Wissen.

Nachdem die Taucher an Land noch die letzten Anweisungen der Skipper und des Ghost Diving Germany-Koordinators Derk Remmers erhalten haben, wird noch mal besprochen, wie sie die Netze losschneiden. Dies ist nämlich alles andere als leicht. Die Taucher müssen unter Wasser mit Dunkelheit, begrenztem Sauerstoff und einer Strömung zurechtkommen. Die Sicht am Boden der Nordsee beträgt meist nur zwei Meter. Gleichzeitig können sich die Taucher leicht selbst in den Geisternetzen verfangen. „Ins Wasser springen ist leicht, dass die Taucher wieder gesund an Bord kommen dagegen nicht“, macht Remmers deutlich. Dann geht es für die Crew auch schon auf die zwei Speedboote, die die Taucher zu den Spots bringen.

Das Wetter ist gut, Ziel der Crew ist ein Vorpostenwrack aus dem zweiten Weltkrieg. Dort sollen sich zahlreiche Netze finden. Die Stimmung ist gut, es wird gewitzelt und beratschlagt. Angst ist nicht zu spüren, eher eine gewissen Art der Aufregung. An der Fundstelle angekommen, lassen die Taucher zwei Bojen ins Wasser. Mit Echolots haben sie die genaue Position unter Wasser bestimmen können. Dann springen auch schon die ersten rein.

Anderthalb Meter Sicht

Es dauert zehn bis 15 Minuten. Da taucht der erste luftgefüllte Beutel samt Netz an der Wasseroberfläche auf. Nach knapp 45 Minuten tauchen die ersten Taucher wieder auf und hieven sich aufs Boot. Sie sind unversehrt und guter Dinge. „Wir hatten unter Wasser eine Sicht von anderthalb Metern aber ansonsten gute Bedingungen. Wir konnten viele Netze bergen, doch am Wrack sind noch unzählige weitere“, berichtet einer der Taucher. Diese Netze müssen warten. Die Sauerstoffflaschen der Taucher erlauben keinen weiteren Tauchgang. Kurze Zeit später sind alle acht Taucher wieder in den Booten. Die Blicke in ihren Gesichtern verraten: Es war ein guter Tag, an dem sie viel bewegen konnten. Inzwischen haben sie schon mehr als 100 Kilo an Netzen bergen können.

Annika Schmidt
Annika Schmidt Online-Redaktion
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