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Aussage bei Kirchentag „Gott ist queer“ – Pastor aus Wiesmoor nach Predigt angefeindet

Anke Laumann
Anke Laumann Werner Jürgens
Quinton Ceasar beim Schlussgottesdienst des Kirchentags.

Quinton Ceasar beim Schlussgottesdienst des Kirchentags.

Imago

Wiesmoor - Gott ist queer: Für diese Aussage von Pfarrer Quinton Ceasar auf dem Evangelischen Kirchentag in Nürnberg gab es viel Zuspruch – aber auch Kritik. In den sozialen Netzwerken wurde der Wiesmoorer daraufhin beleidigt und beschimpft. Ceasar hat am Sonntag die Abschlusspredigt gehalten und angesichts der Krisen der Welt vor Zögerlichkeit gewarnt. „Wir können nicht mehr warten“, sagte er. Wenn Jesus sage „Jetzt ist die Zeit“, dann rufe er zur Veränderung auf, „zu mutigen Entscheidungen, die wirklich Veränderung bewirken“, erklärte der Wiesmoorer. Er griff damit das Kirchentagsmotto „Jetzt ist die Zeit“ auf. Für Quinton Ceasar ist jetzt die Zeit zu sagen: Wir sind alle die letzte Generation, Black lives always matter, Gott ist queer.

Mehr Toleranz

Aus Ceasars Sicht war und ist die provokante These jedoch lediglich ein Appell für mehr Toleranz und Diversität. Er hätte nicht gedacht, dass seine Aussage „Gott ist queer“ sowohl viel Kritik als auch viel Zustimmung hervorrufen würde, betonte er im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Offenbar habe er mit diesem Satz bei einigen Teilnehmenden einen Nerv getroffen. Für ihn sei es beruhigend, dass Gott selbst die Zweigeschlechtlichkeit sprenge. Der Satz „Gott ist queer“ sei eine Absage an patriarchale Strukturen. Auf die Menschen, die ihm nun mit Hass begegneten, reagiere er mit Liebe, betonte Quinton Ceasar im Interview. Er bekomme aber auch von Menschen allen Alters Bestätigung, und das trage ihn.

Ceasars Haltung für Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung erklärt sich aus seiner Biografie. Geboren ist der Theologe in Südafrika. Nachdem er während seines Studiums in Stellenbosch nahe Kapstadt seine heutige Frau Eva aus Cuxhaven kennen und lieben gelernt hatte, verschlug es die beiden zunächst nach Berlin und dann ins Ruhrgebiet. Inzwischen hat das Paar drei Kinder und teilt sich seit 2021 eine Pfarrstelle in Wiesmoor. Dort sorgte Quinton Ceasar mit seinen teils kurzweiligen, teils nachdenklichen Videobotschaften prompt für frischen Wind. Auf seinem Instagram-Kanal „Pfarrervanniekaap“ hat er aktuell 7000 Follower. In seinen Predigten schlägt er problemlos einen Bogen vom Lukasevangelium zu „Revolverheld“-Liedern.

Geschenk Gottes

Obwohl er und seine Familie in der Blumenstadt überwiegend positiv aufgenommen worden sind, sehen sie sich selbst in Ostfriesland ab und an mit alltäglichem Rassismus konfrontiert. „Geht doch zurück nach Afrika“, haben sie bereits des Öfteren zu hören bekommen. „Dabei sind meine Kinder alle in Berlin geboren“, wie der Pastor in einem Interview im NDR-Fernsehen leicht schmunzelnd angemerkt hat. Seine locker-humorvolle Reaktion bedeutet allerdings nicht, dass er solche Vorfälle auf die leichte Schulter nimmt.

Das Gegenteil ist der Fall. Nicht zuletzt, weil er während seiner Kindheit wegen der Apartheid-Politik in seiner südafrikanischen Heimat am eigenen Leib erfahren hat, was Ausgrenzung für Menschen bedeutet, fühlt er sich nach eigenem Bekunden persönlich verpflichtet, dagegen zu kämpfen. „Diversität ist ein riesengroßes Geschenk Gottes an uns“, lautet eine seiner vielgeklickten Instagram-Botschaften. „Er wollte diesen Regenbogen an Hautfarben. Für uns als Kirche sollte diese Mentalität nichts Fremdes sein.“ Und daher ist für den Wiesmoorer eines klar: „Ich würde diese Predigt genau so wieder halten.“

Anke Laumann
Anke Laumann Regionalleitung Ostfriesland / Anzeiger für Harlingerland / Jeverland-Bote
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