Harlingerland/Aurich - „Die Düngeverordnung wurde von der Politik quasi im Eilverfahren durchgeboxt. Die Verhandlungen zum Niedersächsischen Weg beschäftigen uns nach wie vor“, sagte Tannen. Das waren auch die Themen, die Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke und der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies per Videobotschaft in ihren Grußworten ansprachen. Beide betonten die konstruktive Arbeitsatmosphäre bei den Verhandlungen: „Der eigentliche Erfolg des Niedersächsischen Weges ist aber das System dahinter, mit dem diese Ergebnisse erarbeitet wurden und werden: Dialog auf Augenhöhe, Politik, Landwirtschaft und Naturschutz an einem Tisch, bis hin zur Formulierung der Gesetzestexte – das hat es so noch nicht gegeben“, so Tannen.
Die Lage auf den Höfen
Im agrarpolitischen Bericht gingen er und die Kreisvorsitzenden auf die aktuelle Lage in der Politik, aber auch auf die der Höfe ein. „Viele Forderungen werden an Landwirte gestellt: mehr Naturschutz oder mehr Tierwohl. Aber keiner sagt, wie sie das stemmen sollen“, meint Tannen. Landwirte hätten per se ein ureigenes Interesse, dass ihre Lebensgrundlage – Boden, Tier und Natur – intakt bleiben. „Wir sperren uns nicht gegen Umwelt- und Naturschutz. Aber die Maßnahmen müssen wir zum einen finanziert bekommen, wenn sie Mehrkosten verursachen. Zum anderen müssen sie praxistauglich sein. Wenn etwas zum Betriebsablauf passt, ist die Akzeptanz höher“, sagte LHV-Vizepräsident Carl Noosten.
Der Frust auf den Höfen sei groß. Ein Stakkato an Maßnahmen prassele auf die Bauern ein, die Kosten stiegen aufgrund immer höherer Anforderungen – die Erzeugerpreise hingegen nicht. Zudem habe vielen das Wetter zu schaffen gemacht. Gerade die Futterbaubetriebe hätten unter der Dürre 2018, 2019 und im Frühjahr 2020 gelitten – ebenso wie unter einer Mäuseplage 2019. „Die zweite Jahreshälfte war gnädiger mit uns“, berichtete Klaus Borde, Landvolk-Kreisvorsitzender in Leer: „In diesem Jahr reichen die Futtervorräte für den Winter, aber die Lücken auf dem Konto bleiben natürlich. Es musste fehlendes Futter teuer zugekauft werden und die Wiederherstellung der Wiesen war kostenintensiv.“
Schweinehaltung
Bis Corona und die Afrikanische Schweinepest den Absatz einbrechen ließen, startete das Jahr der Schweinehalter wirtschaftlich recht positiv, teilt der LHV mit. Dann aber seien gerade das für viele Sauenhalter die Punkte gewesen, die letztlich zur Aufgabe des Betriebes geführt hätten. „Schweinehaltern vorzuwerfen, dass sie ihre Erzeugung hätten besser anpassen sollen, ist an Hohn kaum zu überbieten. Es ging schließlich um die Tiere, die im November 2019 gezeugt wurden – zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage 2020 noch überhaupt nicht absehbar war“, ärgerte sich der Wittmunder Kreisvorsitzende Günter Lüken über entsprechende Äußerungen.
Proteste verständlich
Die Erzeugerpreise etwa für Milch und Getreide seien eher in der Seitwärtsbewegung, deckten häufig kaum noch die Kosten, so dass Investitionen, wie etwa für mehr Tierwohl, nicht mehr möglich seien. „Dann ist es auch kein Wunder, dass die Landwirte so viel protestieren“, sagt Hartwig Frühling, Vorsitzender des Auricher Landvolks. „Sie haben das Gefühl, dass sie abgeschafft werden sollen. Das Essen kommt ja sowieso aus dem Supermarkt.“ Er hofft, dass die Gespräche zwischen Landwirten und dem Lebensmitteleinzelhandel ein Umdenken bewirkt. Es werde eine gute Qualität geliefert, die müsse auch entsprechend honoriert werden.
Als Unternehmen und Arbeitgeber zeigte sich der geschäftsführende Vorstand zufrieden mit den Zahlen. Die wirtschaftlichen Töchter, die LHV Dienstleistungs GmbH und die LHV Steuerberatungsgesellschaft mbH seien gut aufgestellt.
