Holtrop - Deutlich vor Augen geführt wurde den Landvolk-Mitgliedern auf der Delegiertenversammlung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland (LHV), dass der erst vor zwei Jahren zum neuen Präsidenten gewählte Manfred Tannen die angekündigte Arbeitsteilung im Vorstandsteam nicht nur umgesetzt, sondern sogar vorgelebt hat. Auf der jüngsten Zusammenkunft in der Gaststätte „de Wall“ in Holtrop teilte sich der Vorsitzende nämlich den Rechenschaftsbericht mit seinen Stellvertretern. Dabei wurde in den einzelnen Wortbeiträgen deutlich, dass sich die Landwirte der aktuellen Klima- und Umweltschutzdebatte nicht verschließen. Sie wollen bei den Diskussionen allerdings mitgenommen werden und sich bei den Beschlüssen mit ihrem Fachverstand einbringen.
Wie Landwirte sich in „freiwillige, flexibel handhabbare Maßnahmen“ in den Umweltschutz einbringen könnten, ohne dass es gleich zu „starren ordnungsrechtlichen Vorgaben“ komme, veranschaulichte der Leeraner Kreislandvolkpräsident Klaus Borde am Beispiel des Wiesenbrüterschutzprogramms in Ostfriesland. Hier gebe es ein gutes Miteinander der Landwirte mit dem Nabu und den Behörden. Überhaupt sei es besser, wenn Politik und Verwaltung, statt immer mehr Schutzgebiete auszuweisen, mit den Landwirten auf einer anderen Basis zusammenarbeiten würden.
Carl Noosten, Kreislandvolkpräsident von Norden-Emden, ergänzte, dass Umweltbelange auf jeden Fall ein Thema für Landwirte seien – schließlich sei ein nachhaltiges Wirtschaften im ureigensten Interesse der Bauern. Dennoch dürften Politik und Gesellschaft nicht vergessen, dass für einen Landwirt die Erzeugung von Nahrungsmitteln ein wichtiges Ziel sei. Ins Gespräch brachte Noosten auch einen Herkunftsnachweis für regional produzierte Lebensmittel. Man müsse bei den Verbrauchern zum Beispiel ein viel stärkeres Bewusstsein dafür schaffen, dass das in Ostfriesland erzeugte Rindfleisch aus einer „Kohlenstoffdioxid-effizienten Region“ stamme. Unter diesem Gesichtspunkt sei Rindfleisch von ostfriesischen Weidetieren eine interessantere Alternative zum Import des gleichen Nahrungsmittels aus Argentinien.
Auch die deutschlandweiten Demonstrationen der Landwirte in jüngster Zeit waren ein Thema. Der Referent Dr. Simon Schlüter, als Agrarlobbyist für den Deutschen Bauernverband (DBV) in Brüssel tätig, sah es als einen Erfolg der Demonstranten an, dass es nun einen runden Tisch zum Thema „Insektenschutz“ unter der Beteiligung des DBV und des Bundeslandwirtschaftsministeriums gebe. Weiter nahm Schlüter den Anwesenden die Angst vor weiteren Liberalisierungen der Märkte – schließlich „lechze die Welt nach europäischen Agrarprodukten mit ihren hohen Standards“. Die EU sei Weltmeister im Export von Agrarprodukten.
