Westerende-Kirchloog - Im ältesten Gulfhof Ostfrieslands könnte schon bald Kleinkinder betreut werden. Das kündigte Ortsbürgermeister Martin Jürgens (SPD) an. Damit wäre nach fünf Jahren endlich eine angemessene Nachnutzung gefunden. Der Gulfhof Rieken, dessen älteste Bauteile noch in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) datieren, könnte eine Krippe mit zwei Gruppen und eine Mensa beherbergen, so Jürgens. „Damit wäre auch das Problem der Nachnutzung geklärt“, sagte der Ortsvorsteher über das Gebäude, das sich in Privatbesitz der Enkelin der Vorbesitzer befindet. Erst vor einiger Zeit hatte das historische Anwesen, das nach 2017 nach altem Vorbild wieder aufgebaut wurde, ein neues Dach bekommen. Aber seit der Restaurierung steht es nach fünf Jahren immer noch leer.
Eichenbalken aus dem Jahr 1557
Das niedersächsische Amt für Denkmalpflege hatte das Gulfhaus, dass 1886 neu errichtet wurde, untersuchen lassen. Man bohrte einen der Eichenständer an. Die dendrologischen Proben wiesen auf das Baujahr 1557/1568 hin. „Der älteste Befund für eine Gulfhauskonstruktion“, heißt es im Prüfbericht. Die Scheune sei nach dem Vorbild mittelalterlicher Klosterscheunen entstanden.
Eigentümerin bemüht sich um Nachnutzung
Der Gulfhausstil setzte sich damals über die Niederlande und Belgien bis nach Ostfriesland und Oldenburg durch. Eine Inschrift am Giebel zeigt die Jahreszahl 1908, die auf eine damals über 20 Jahre währende Modernisierung schließen lässt. Zwei Gebäudeteile sind mit dem Wohnhaus und dem Scheunenteil erhalten, in denen noch die einst für Ostfriesland typischen Wohnstrukturen mit Schlafbutzen erkennbar sind.
Die Eigentümerin hatte sich mit Fachbehörden bereits um eine angemessene Nachnutzung bemüht. Das historische Aussehen solle jedoch nicht verändert werden. Die Vorgabe schließt Ferienwohnungen oder Geschäftsräume weitestgehend aus. Die Eigentümerin war bisher für ein Gespräch nicht zu erreichen. In der Krippenlösung sieht Jürgens jedoch eine gute Lösung, die auch dem wachsenden Platzbedarf bei der Kinderbetreuung entgegenkommen würde. „Schlimm wäre es, wenn das Gebäude irgendwann durch den Leerstand wieder baufällig wird“, sagte Jürgens. Beispiele dafür gebe es in Ostfriesland genügend.
