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Auszeichnung in Aurich Jurij Ils und Andrea Bunjes sind die Menschen des Jahres in Ostfriesland

Ehrenamt verdient es, wertgeschätzt zu werden: Andrea Bunjes aus Friedeburg und Jurij Ils aus Wittmund sind die „Menschen des Jahres 2023“ in Ostfriesland. Die Ehrung fand im Landschaftssaal in Aurich statt.

Ehrenamt verdient es, wertgeschätzt zu werden: Andrea Bunjes aus Friedeburg und Jurij Ils aus Wittmund sind die „Menschen des Jahres 2023“ in Ostfriesland. Die Ehrung fand im Landschaftssaal in Aurich statt.

Torsten von Reeken

Aurich - Ehrenamt ist ein dehnbarer Begriff mit viel Potenzial - und hat viele Gesichter: Das beweisen der Sozialpädagoge Jurij lls, Gründer des Jugendwerkes in Wittmund, und die Sozialassistentin Andrea Bunjes (40) aus Friedeburg täglich, wenn sie sich für Kinder und Jugendliche einsetzen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Für ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft und ihr Engagement sind Ils und Bunjes am Dienstagabend für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Anlass ist die vom Anzeiger für Harlingerland, der Emder Zeitung, der Nordwest-Zeitung und der Ostfriesischen Landwirtschaftlichen Brandkasse initiierten Aktion „Menschen des Jahres Ostfriesland“. Mit Spannung haben alle für den Titel nominierten Ehrenamtliche auf den Moment erwartet, als Anke Laumann, Leiterin des NWZ-Teams Ostfriesland, die beiden Gewinner nach vorne bittet.

Vielleicht doch eher nicht ins Rampenlicht?

Vielleicht wären beide lieber auf ihrem Stuhl sitzengeblieben, anstatt im Rampenlicht zu stehen. Und das gilt sicher auch für die meisten Gäste, die sich unter den strengen Augen der friesischen Fürstenprominenz und Preußenkönig Fritz im historischen Ständesaal eingefunden haben. Sie alle opfern viel Freizeit für den Dienst am Nächsten. „Viele tun sich schwer, in die Öffentlichkeit zu gehen. Alle, die hier sitzen, sind Gewinner. Sie sind ein Gewinn für die Gesellschaft“, sagt NWZ-Chefredakteur Ulrich Schönborn. „Wir wollen Sie aus dem ,stillen Helfen’ herausholen“, sagt er. „Ehrenamt ist eine starke Säule, unbezahlbar und muss wertgeschätzt werden. Die Gesellschaft wäre ohne Sie ärmer“, betont Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. Und mit seinen Worten trifft der Ostfriese offenbar ins Schwarze: „Ich bin nicht verwöhnt mit Auszeichnungen. Ich bin sehr glücklich. Meine Kinder werden Saltos schlagen“, bringt Jurij Ils diese besondere Wertschätzung auf den Punkt, räumt aber auch ein. „Das ist mein Leben und meine Berufung.“

Engagement für sterbenskranke Kinder

Auch bei Andrea Bunjes stehen Kinder im Mittelpunkt. „Es sollte weniger Einsätze und Leid geben“, sagt die Friedeburgerin, die sich um sterbenskranke Kinder kümmert und gerne noch viel mehr Helfer hätte. Die Mutter von acht Pflegekindern gründete den Verein „Quad-Engel Ostfriesland“, um Kindern mit einer Fahrt auf einem Quad, einer Art Motorrad mit vier Rädern, in den „letzten zehn Minuten ihres Lebens“ ein Stückchen Freiheit und Freude zu bringen. Bis zu 350 Einsätze sind es im Jahr. Sie sammelt Spenden für die Beerdigungen der Kinder, fährt bis nach Köln und Berlin, wenn’s sein muss.

Mensch des Jahres

Mensch des Jahres Viele Leserinnen und Leser haben bei der Suche nach den Menschen des Jahres für Ostfriesland geholfen. Sie lieferten verschiedene Vorschläge für die Frau, den Mann oder die Gruppe des Jahres 2023. Nun war es an der Jury zu entscheiden, wer den Titel bekommt. Die Ehrung fand im Ständesaal in der Ostfriesischen Landschaft in Aurich statt. Alle Artikel finden sich unter

Jurij Ils ist 53 Jahre alt und lebt seit 1993 in Wittmund. Noch im selben Jahr wurde er aktiv, um Kindern und Jugendlichen bei der Integration zu helfen. Später gründete er das Jugendwerk. Mittlerweile erreicht er jährlich mehr als 2500 Kinder in ganz Ostfriesland. Im Jugendwerk können Kinder und Jugendliche zusammenkommen, lernen, spielen und Kontakte knüpfen. Im Vordergrund steht dabei immer der Gedanke der nachhaltigen Integration.

Andrea Bunjes ist 40 Jahre alt und stammt aus dem Saterland. Beruflich betreut die gelernte Sozialassistentin mehrere Kinder in ihrer Erziehungsstelle, die durch ihre „heftige Vorgeschichte“ schwer geschädigt sind. Das sei durchaus eine fordernde, aber auch eine sehr erfüllende Aufgabe, so die Friedeburgerin. „Ich bin rund um die Uhr Mama!“ So fasst sie ihr Leben zusammen mit den Worten: „Ich habe den tollsten Job der Welt – und das schönste Hobby.“

Weitere Nominierungen „Hermas Spendenbox“ in Großefehn, Ina Jahnsen als Präsidentin des Landfrauenverbands Weser-Ems, Uwe Sommer für die Feuerwehr Westerbur, „Anti Rast“ in Aurich, Johann Wienbeuker für die „Dienstagsmänner“ des Torf- und Siedlungsmuseums Wiesmoor, Ina Hinrichs für die Psychosoziale Notfallversorgung beim DRK und ihr Engagement im TSV Carolinensiel, Andrea Radde-Reinhard und Ann-Kathrin Kruse für die Anerkennung des Post Vac-Syndroms, Michaela Dirks für Transplant-Kids in Wiesmoor, die sechs Awo-Frauen vom Hermann-Bontjer-Haus in Aurich sowie Manuela Bayer für die Jugendherberge und das Bildungszentrum Asel.

Sie kümmert sich mit ihrem Team seit fast zehn Jahren um kranke Kinder mit Behinderungen und unheilbaren Krankheiten. Mit den Ausflügen auf den Quads bringt sie ein paar Farbtupfer in einen sonst grauen Alltag. „Eine Seele von Mensch“, sagen die einen über sie, „aber auch Haare auf den Zähnen“ meinen die anderen mit einem Lachen. Sich selbst beschreibt sie als „klar, dominant und strikt bei Einsätzen“, ihre Berufung ist für sie „Traumjob und Traumhobby“. Bunjes zögert nicht, ihre 500-Euro-Prämie für „Mensch des Jahres“ für die Gruppe um „Hermas Spendenbox“ aus Großefehn zu spenden.

Wertschätzung für bis zu 350 Jugendliche

Der Sozialpädagoge Jurij Ils hat in seiner Heimat Sibirien viel Armut und Trostlosigkeit kennengelernt, folgte 1993 seiner Freundin nach Wittmund. Als der Lehrer für Sport und Kunst dort eine Gruppe Jugendlicher traf, die auf dem Spielplatz Bier tranken und russisch sprachen, lud er sie zu gemeinsamem Sporttreffen ein, brachte ihnen Saltos und Handstand bei – und das Jugendwerk Wittmund war geboren. Von anfänglich zehn bis fünfzehn Jugendlichen sind es heute bis zu 350 junge Menschen aus allen Schichten, denen er Hoffnung und Stütze gibt. Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine sind auch geflüchtete Kinder dabei, um bei Sport, Musik und praktischen Anleitungen in Erster Hilfe Traumatisches kurz zu vergessen. Und mit seinem besonderen Erfolgsrezept hat er schon manchem verdrossenen Schützling den richtigen Schub und Ansporn geben können: „Wenn Du das schaffst, lad’ ich dich zu McDonalds ein.“

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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