Landkreis Aurich - Die Übernahme der Kindertagesstätten und Krippen unter die Regie des Landkreises Aurich geht in die nächste Phase. Die Kreisverwaltung will dazu ein Konzept als Grundlage erarbeiten und der Politik in neun Monaten im Jugendhilfeausschuss des Kreistages vorlegen. Das kündigte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert am Donnerstag vor dem Kreistag an. Dabei gehe es nicht nur darum, Kitaplätze zu schaffen, sondern auch fachliche und inhaltliche Fragen zu stellen und diese zu beantworten. „Es ist kein fertiges Werk, wir wollen einen Dialog, damit es passt“, betonte der Erste Kreisrat. „Wir brauchen die nächsten neun Monate, wollen es nicht überstürzen.“
In der kommenden Woche will sich die Kreisverwaltung mit den Bürgermeistern der kreiseigenen Städte und Gemeinden treffen, um Begehrlichkeiten auszuloten. Geplant sind in den Kreisgemeinden vor allem einheitliche Standards in den Kitas und Krippen. Während der nächsten Monate sollen Fragen geklärt werden, die sich auf die Fachkräfte, Neubaupläne, Verträge zwischen Kreis und Kommunen oder Betreuungsverträge mit Eltern beziehen. „Eltern, Träger und Mitarbeiter sollen nicht merken, dass sich was geändert hat“, kündigte Puchert an.
„Die Empfindlichkeiten sollen ein Ende haben“
Im Kreistag blickte man auf eine unruhige Zeit zurück. „Die Empfindlichkeiten sollen ein Ende haben“, zog Puchert einen Schlussstrich unter die Kritik von Gemeinden, Eltern und Kitamitarbeitern, die sich von der Entscheidung der Kreisverwaltung überrumpelt fühlen, weil die Übernahme-Entscheidung ohne jede vorherige Absprache bekannt gegeben worden war.
Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert.
Wilhelm Reinken (FW) betonte, es sei „ein Unding“ gewesen, dies aus Zeitung zu erfahren. „Man steht da, wie der Ochs’ vorm Berg.“ Das habe zu Verunsicherung und Unruhe bei den Eltern und Personal geführt. Johannes Kleen (SPD) nannte „diese Art und Weise unterirdisch“, sieht in der angekündigten Erhebung aber eine Chance. „Wir werden den Prozess begleiten und Ruhe bewahren“, sagte Kleen. Sarah Buss (FDP) hätte sich von Puchert ebenfalls einen andere Einstieg in die Diskussion gewünscht: „Dieser Vortrag hätte eher kommen können.“ Buss warf allerdings auch die Frage auf, ob „die Standards nach oben unten ausgeglichen“ würden. Sven Behrens (CDU) bezeichnete die Marschrichtung als „schlüssig“, man stehe am Anfang. Er warnte davor, „Ängste zu schüren“, wenn es um den Erhalt von Jobs gehe.
Verantwortung liegt per Gesetz beim Landkreis Aurich
Puchert nannte im Kreistag weitere Gründe für die Übernahme der Kitas und Krippen in Eigenregie, die per Gesetz ohnehin bei den Kreiskommunen verankert sei, um für eine „bedarfsgerechte Kitaversorgung“ zu sorgen. Es gehe um die Einführung einheitlicher Gebühren für die Eltern bei den Krippen oder gleiche Qualitätsstandards, um „auftauchende Störungsbilder“ zu beseitigen. Der Landkreis Aurich trete hier nicht nur inhaltlich, sondern auch materiell in die Verantwortung. Für die Übergangszeit sollen sich die Zahlungen des Kreises an die Kommunen unter Vorbehalt weiter an den bisherigen Verträgen orientieren. Hier bleibe man im Gespräch, hieß es.
