Aurich - Es ist eine komische Zeit: Einerseits wollen die Leute nach den Corona-Lockdowns und Maßnahmen die neugewonnene Freitheit genießen und sich etwas gönnen. Andererseits steht in der Krisenzeit mit steigender Inflation bei jedem Kauf die Frage im Raum: Muss das sein? Sollte ich nicht lieber sparen?
Bei Aurichs Einzelhändler nachgefragt
Wie nehmen die Einzelhändler in Aurichs Innenstadt diese gespaltene Stimmung wahr? Werden bei Luxusartikeln, also solchen Dingen, die man nicht zum Leben braucht, Abstriche gemacht? „Bisher nicht“, sagt Bettina Rademaker, die Geschäftsführerin der Wohnkooje. In dem Laden für eine selbsternannte „stilvolle Wohnkultur“ kommen die Stammkunden und Touristen immer noch zahlreich und kaufen – sowohl für sich als auch Geschenke. Vor allem Letzteres treibt den Umsatz bei Floristin Ilona Rocker vom Rosenladen in die Höhe. „Die Leute gönnen sich auf jeden Fall noch was“, berichtet sie, während sie einen Blumenstrauß nach dem anderen bindet. „Nur nicht für sich selbst, sondern für andere.“
Neben Blumen und Dekorationsartikeln sparen Konsumenten auch an textilen Stücken noch nicht – zumindest bei der Lillebutik ist das der Fall.
Warum geben Menschen für Luxusgüter Geld aus?
Heike Lorenz genießt es, ihren Kunden mit Rat zur Seite zu stehen. Wichtig ist: „Die Kunden müssen sich in der Kleidung wohl fühlen.“ Bild: Pia Miranda
Die Inhaberin des Ladens, Heike Lorenz, sieht den Grund für anhaltenden Konsum in ihrem Laden darin verankert, dass sie Mode hat, die zeitlos ist. „Hier geht es nicht um Trends und Schnelllebigkeit, sondern um persönlichen Service und persönlichen Geschmack, den man über Jahre hat. Diese Faktoren schätzen Kunden und kommen wieder.“ Gleiches bestätigt Bettina Rademaker von der Wohnkooje: „Die Kunden betonen es als Seelenladen, in den man reingeht und nicht nur Dinge kauft, sondern ein Gefühl.“ „Oft es es im Einzelhandel so, dass die Leute genervt sind von den Krisen und das lassen sie das Personal spüren. Hier ist es aber so, dass die Menschen sich freuen und dann auch sagen: Das ist aber schön“, beschreibt Floristin Rocker die Situation in ihrem Laden.
Seit zweieinhalb Jahren ist Bettina Rademaker mit ihrem Laden in der Burgstraße zu finden. Sie bezeichnet sich nicht als Verkäuferin, sondern als Helferin, damit Kunden das passende finden. Bild: Pia Miranda
Sowohl im Fall der Kleidung als auch der Dekoration ist dieses Gefühl, das man sich beim Kauf bewahren will, oft „das Urlaubsfeeling, dass die Touristen sich bewahren wollen“, so Rademaker. „Sie möchten etwas nach Hause nehmen und sich dann an die Zeit an der Nordsee erinnern.“ So ist es in ihrem Geschäft eher der Fall, dass Kunden mit schlechtem Gewissen das Geschäft verlassen, wenn sie nichts gekauft haben. „Die meisten entschuldigen sich dann. Ich sage dann nur: Nehmen Sie ein Auge voll mit.“ Denn selbst bei keinem Kauf sei der Wohlfühlfaktor im Laden für Luxusartikel das Wichtigste.
Preiserhöhung wird auch hier kommen
Allen Stammkunden und Servicegedanken für den Kunden zum Trotz, gehen die jüngsten Krisen nicht spurlos an den Einzelhändlern in Ostfriesland vorbei. Lohnerhöhung, steigende Lieferkosten und Gaspreise beeinflussen die Preise derzeit noch nicht – aber bald. „In der kommenden Saison muss ich auch erhöhen“, da ist sich Heike Lorenz von Lillebutik sicher.
Wie viel es in der Blumenbranche sein wird, weiß Floristin Ilona Rocker noch nicht. „Derzeit werden die Blumen meist draußen oder in Gewächshäusern gezogen. Die müssen aber im Winter beheizt werden. Dann kommen noch die anderen Erhöhungen dazu...“, rechnet die Flostistin in ihrem Kopf nach. Das Ergebnis: „Ich bin gespannt, es ist auf jeden Fall nicht vielversprechend.“
