Aurich - Die Auricher Tafel schlägt Alarm, weil ihr zunehmend die Lebensmittel fehlen, um die Kunden mit dem Notwendigsten zu versorgen. Das sagte Leiter Ernst Kuntner. „Wir haben nicht die Ware, um alle zu bedienen“, sagte er. „Aber es geht auch noch niemand mit leeren Händen nach Hause“, so der Leiter. Zwar habe es um Weihnachten einen Wettstreit der Lionsfrauen „Frisia Orientalis“ mit Aurichs Landrat Olaf Meinen um Lebensmittelspenden gegeben, über den viele Waren hereinkamen. Aber durch Anlaufstellen - wie in Friedeburg, Südbrookmerland und Großefehn - wäre dieser Bestand schnell geschmolzen. Außerdem habe es sich überwiegend um Konserven, nicht um frische Waren gehandelt.
Eine große Zahl an Bedürftigen
Aktuell gibt es bei der Tafel einen großen Bestand an Bedürftigen. Dafür werden inzwischen Kisten gepackt, die nicht mehr so umfänglich bestückt werden. „Seit 14 Tagen wird schon etwas weniger reingetan. So kommen wir zurecht, ohne jemanden abweisen zu müssen“, betont er. Der Anteil der Hilfesuchenden aus der Ukraine wächst. Kamen Anfangs 10 bis 15 Familien aus der Ukraine, sind es jetzt 90. Insgesamt sind 250 Ausweise im Umlauf, um überhaupt bei der Tafel Waren zu erhalten. Dreimal in der Woche ist die Tafel geöffnet. „Aber wir schaffen es nicht mehr. Es läuft nicht mehr so, wie wir es uns vorstellen“, sagt der Leiter.
Die Nutzung der Ausweise wird stärker kontrolliert
Inzwischen würden die ausgegebenen Ausweise kontrolliert. Viele Nutzer seien seit drei Monaten nicht mehr dagewesen, fiel dabei auf. „Diese sind dann sicher nicht so sehr bedürftig“, mutmaßt Kuntner, der dafür lieber neue Tafel-Kunden aufnimmt. Noch könne man die Menschen zwar einigermaßen versorgen, aber man müsse weitersehen. Aber es werde jedoch nicht funktionieren, wenn noch mehr Flüchtlinge aus der Ukraine oder weiteren Krisengebieten nach Aurich kämen. „Es dürfen angesichts der zur Verfügung stehenden Waren nicht mehr Kunden werden“, sagt Kuntner. Leichte Probleme seien auch schon aus den Landgemeinden zu hören. „Aber wir können unsere Waren bei 250 Kunden in Aurich nicht noch weiter aufteilen“, so der Leiter, während auf dem Land etwa 90 Kunden wöchentlich zur Tafel kämen.
40 Nutzer an einem Ausgabetag mehr
Am Dienstag seien allein in Aurich statt 90 statt nur 50 Kunden zur Tafel gekommen. Spendensammlungen gebe es zwar immer wieder mal, freut sich Kuntner. „Aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, betont er. Höhen und Tiefen bei den Nutzerzahlen gebe es seit Jahren. Doch angewiesen seien die Tafeln auf die Supermärkte, die aktuell auch nicht mehr so viel übrig hätten, wie man es gewohnt sei. „Aktuell wird vielfach auch Inventur gemacht. Aber die Märkte geben nicht mehr ganz soviel ab. Ein oder zwei Joghurts pro Familie sei zur Zeit normal. Und eines dürfe die Tafel nicht aus dem Auge verlieren: „Wir bieten ja nur eine Hilfe an. Wir können die Menschen und Familien ja nicht komplett versorgen.“ Im Frühjahr wird nun wieder auf ein größeres Angebot gehofft.
