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Mahnmal in Aurich Neues Gedenken an Opfer statt Helden des Krieges

Das Mahnmal am Hohen Wall/Ecke Burgstraße am Stadteingang beim Hotel Am Schloss.

Das Mahnmal am Hohen Wall/Ecke Burgstraße am Stadteingang beim Hotel Am Schloss.

Bild: Günther Gerhard Meyer

Aurich - Eine Gedenkstätte am Hohen Wall/Ecke Burgstraße in Aurich soll durch eine Schrifttafel mit aktuellem Inhalt erweitert werden. Diese soll am 8. Mai offiziell von Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) enthüllt werden. Das Denkmal aus dem Jahr 1926 erinnert an gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Forderung nach der Erweiterung hat Volker Rudolph von der Grünen Alternative Politik (GaP) im Stadtrat erhoben, der Kulturausschuss folgte am Montag dem Vorschlag, dessen Text von den Grünen inhaltlich noch etwas abgeändert wurde. „Durch den Ukrainekrieg ist das Anliegen erschreckend aktuell geworden“, gab Reinhold Mohr (Grüne) zu bedenken. „Kriege lösen keine Probleme, sondern schaffen neue“, sagte Mohr.

Opfer sind nicht nur die Toten, sondern auch Überlebende und Vertriebene

Als Opfer seien nicht nur die Toten zu beklagen, sondern auch die Überlebenden und Vertriebenen, die Leid, Zerstörung der Heimat sowie Hunger erfahren müssten. Der 8. Mai sei zu wählen, weil dieser Tag im Jahr 1945 das Ende des Zweiten Weltkrieges markiere. Sarah Buss (FDP) betonte, dass ebenfalls auf die Gefahr eines „weiteren Weltkrieges“ hingewiesen werden müsse.

Das Denkmal

Das Denkmal wurde 1926 errichtet und stammt von dem Düsseldorfer Bildhauer Joseph Hammerschmidt (1873-1926). Hammerschmidt wurde in Münster geboren und starb in Düsseldorf. Er war Meisterschüler von Karl Janssen. Er schuf für Private und die öffentliche Hand Grabdenkmäler, Brunnen, Kriegerdenkmäler und Büsten.

Die bisherige Inschrift auf dem Auricher Denkmal lautet: „Es liegt an euch, an eurem Tun und Streben, ob wir gestorben oder ewig leben“ Die Inschrift stammt von dem Auricher Rechtsanwalt und Dichter Gustav Adolf Gerbrecht (1886–1967)

Die Inschrift der neuen Tafel: „Den Opfern beider Weltkriege in mahnendem Gedenken. Im Ersten Weltkrieg starben auf den Schlachtfeldern 10 Millionen Soldaten, im Zweiten Weltkrieg waren es über 60 Millionen Menschen, überwiegend Zivilisten. Beide Kriege brachte unermessliches Leid über Europa und die Welt. Ein Dritter Weltkrieg könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Das Kriegerdenkmal wurde 1926 errichtet und brachte den damaligen Zeitgeist zum Ausdruck. Heute haben wir einen anderen Blick auf Kriege: Sie lösen keine Probleme, sondern schaffen neue und bringen Not, Tod und Zerstörung. Anstatt Helden zu verehren, sind nur Opfer zu beklagen - auch die Soldaten waren Opfer. Wehret den Anfängen.“

Die Gedenkstätte befindet sich am Hohen Wall, einer militärischen Anlage aus dem Mittelalter. Der Hohe Wall wurde von der Häuptlingsfamilie tom Brook im 15. Jahrhundert als Befestigungsanlage für die Stadt errichtet.

Die Gedenkstätte erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des in Aurich stationierten Infanterie-Regiments „Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig“, bekannt als Ostfriesisches Regiment Nr. 78 sowie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 92. Es soll künftig nicht nur der gefallenen Soldaten, sondern auch an das Leiden der Zivilbevölkerung erinnern. 

Die Enthüllung der neuen Tafel ist für den 8. Mai 2022 vorgesehen, dem Jahrestag für das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Reinhard Warmulla (Linke) sagte: „Ich erschrecke, wenn ich das Wort ’Helden’ höre.“ Er verurteilte den Krieg mit seiner „Maßlosigkeit in der Gewalt“, während Menschen für Kriegszwecke manipuliert würden, um Kriegsziele zu rechtfertigen. Der Verwaltungsausschuss trifft eine Entscheidung über den Antrag. „Wir sollten uns kümmern, ob es noch andere solche Denkmale in Aurich gibt“, regte Warmulla an.

Im Januar machte ein Bürger auf die Inschrift aufmerksam

Bereits im Januar hatte ein Bürger im Fachausschuss die Anregung während einer Bürgerfragestunde angeregt, die Inschrift auf dem Denkmal zu ändern, weil „die gefallenen Soldaten heutzutage nicht als Helden, sondern vielmehr als Opfer eines sinnlosen Krieges gesehen werden“ müssten, so Rudolph.

„Gefallene Soldaten sind keine Helden, sondern  Opfer des Krieges“: Volker Rudolph Bild: Archiv

„Gefallene Soldaten sind keine Helden, sondern Opfer des Krieges“: Volker Rudolph Bild: Archiv

Nach Rücksprache mit einem Experten für Denkmalhistorie an der Ostfriesischen Landschaft und weiteren Bürgern erscheine es jedoch angemessen, das Denkmal als historisches Monument zu belassen wie es ist. „Hier sollte nicht eingegriffen werden“, so Rudolph. Sonst könne man auch andere Denkmale aus der Geschichte, beispielsweise Siegelsäulen umgestalten. Mit dem Bürger, der die Anregung gab, hat Volker Rudolph in der Sache Rücksprache gehalten. Er soll zu der Enthüllung am 8. Mai eingeladen werden.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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