Middels - Wer am Montag in der Kita „Liliput“ in Middels ist, hört es schon von Weitem: Das Lachen und die herzliche Begrüßung der Mitarbeiter, Kinder und Eltern, die sich auf das Wiedersehen freuen. Endlich können die Mädchen und Jungen wieder gemeinsam spielen. Am 22. Juni startet nämlich der Kita-Betrieb mit allen Kindern nach einer mehrwöchigen Corona-Pause.

Seit März läuft die Betreuung in den Kindergärten und Kitas auf Sparflamme. Doch das gilt nicht für die Arbeit der Erzieher, Sozialassistenten und Betreuer. Sie waren fleißig: „Einer unserer Mitarbeiter hat Lern-Tabletts gestaltet. Wir haben im Team Überraschungen für die Kleinen vorbereitet“, erzählt „Liliput“-Leiterin Sabine Bünting. Es gab Post für die Kinder und zum Mutter- und Vatertag Anleitungen für ein Geschenk, um den Kindern etwas in die Hand zu geben. Das Team hat zudem in den Räumen und auf dem Dachboden aufgeräumt und konzeptionell gearbeitet.

Waren die Einrichtungen seit März zunächst komplett geschlossen, wurden sie für einige Jungen und Mädchen in der Notbetreuung wieder geöffnet. Inzwischen hat der niedersächsische Kultusminister Grant-Hendrik Tonne verkündet, dass die Notbetreuung ab Montag in einen eingeschränkten Betrieb für alle Kinder übergehen soll. „Im Grundsatz ist Betreuung möglich wie auch vor der Coronakrise“, sagte Tonne in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“. Tonne spricht von einem „starken Druck, unter dem Eltern stehen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Kinder möchten sich mit ihren Freunden treffen. Mit dem eingeschränkten Betrieb können wir Familien entlasten“.

Ein paar Tage haben nun alle Kitas Zeit, um sich auf die neue Situation vorzubereiten. Sabine Bünting freut sich, dass sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern bald alle „ihre“ Kinder wieder begrüßen darf. Dann sind in der gelben und blauen Gruppe wieder jeweils 25 Kinder und damit doppelt so viele, wie jetzt kommen dürfen. Jede Gruppe wird von zwei Erziehern betreut und die Jüngsten in der Krippe. „Liliput“ hat drei Gruppen für Ein- bis Siebenjährige: die gelbe ist ganztags, die blaue halbtags und die grüne ist die Krippe mit 15 Plätzen. 65 Plätze bietet die Kita insgesamt – und die sind nach den Ferien im neuen Kindergartenjahr ab 1. August besetzt.

Bünting erzählt, dass es ab Montag allerdings noch nicht wie im Regelbetrieb läuft. Einstellen müssen sich alle auf Einschränkungen – und die gestalten sich in jeder Einrichtung anders. Für die Krippenkinder braucht es darüber hinaus mehr Personal, um den Betreuungsschlüssel zu gewährleisten.

Da ein Teil der Mitarbeiter in den Einrichtungen zur Risikogruppe gehört, dürfen noch nicht alle arbeiten. In Middels betrifft das eine Mitarbeiterin. Diese Einschränkungen bedeuten für „Liliput“, dass das Ganztagsangebot noch nicht wieder hochgefahren wird, sagt die Leiterin. Was möglich ist, worauf Bünting aber in ihrer Einrichtung verzichtet, sind ungelernte Kräfte. Sie legt gerade in dieser Corona-Ausnahmesituation Wert auf pädagogisch geschulte Mitarbeiter. Bünting ist froh, auf dem Land zu leben, wo die Familien draußen ausreichend Platz haben und sich die Kinder austoben können.

Für die Kindertagesstätten war es schwierig, dass das Land in den vergangenen Wochen Lockerungen ankündigte, diese aber kurzfristig zurückzog. Das bedeutet mehr Absprachen, E-Mails und Telefonate mit den Eltern. Sabine Bünting ist umso glücklicher über ihr engagiertes Team und das Verständnis der Eltern.

„Liliput“ richtet sich nach dem niedersächsischen Rahmen-Hygieneplan. Vorgesehen sind für die Öffnung ab Montag eigene Eingänge für die jeweiligen Gruppen und eine räumliche Trennung der Gruppen auf den Spielplätzen. „Wir bieten noch kein Frühstücksbuffet an und auch das Mittagessen für den Ganztag fällt vorerst aus“, sagt Sabine Bünting. Gefrühstückt wird wieder wie vor dem Umbau: Die Kinder essen ihr mitgebrachtes Frühstück in den Gruppen.

Auch das Sommerfest zum Kita-Abschluss der künftigen Erstklässler, die Bärenkinder, muss ausfallen. „Das ist schade für die Jungen und Mädchen“, bedauert Bünting. Auch Besuche in der Grundschule Middels gibt es nicht und die Übernachtung in der Kita wurde abgesagt. Das Team möchte trotzdem den Vorschulkindern die letzte Zeit als Kita-Kind so schön wie möglich gestalten.

In den vergangenen zwei Jahren wurde die Kindertagesstätte „Liliput“ für den Ganztagsbetrieb auf 780 Quadratmeter erweitert: Entstanden sind eine neue Gruppe in hellen Räumen – die Krippe als „Gröön Grupp“, eine Mensa, der „Mümmelruum“, und ein Bewegungsraum. Darüber hinaus hat die Kindertagesstätte eine Theaterbühne mit Bällebad erhalten, der Spielplatz wurde umgebaut und Parkplätze sind entstanden. Draußen gibt es inzwischen auch zwei Hochbeete zum Gärtnern.

Die Kleinen haben in den großzügigen Räumen und draußen ausreichend Platz. „Ein Glücksfall“, wie Sabine Bünting angesichts der derzeitigen Situation sagt. Dafür ist sie dankbar. „Ich freue mich, wenn alle Kinder wiederkommen, wir die Freude der Kinder spüren und mehr in den Alltag zurückkehren“, sagt sie mit einem Lächeln und ist mit den Gedanken schon beim Wiedersehen.

Ina Frerichs Redaktion Wittmund