Middels - Wegen des diffusen Infektionsgeschehens mit steigenden Fallzahlen gibt es ab sofort eine zeitliche Begrenzung für Sitzungen der Auricher Kreistagsgremien. Für maximal 90 Minuten sollten die Kreistagsabgeordneten zusammenkommen, so die Empfehlung des Gesundheitsamtes. Am Dienstagnachmittag hielt sich der Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt diszipliniert an diese Vorgabe. Die Tagesordnung wurde zusammengestrichen und Redebeiträge kurz gefasst. Diese Regelung solle auch für die nächsten Sitzungen gelten — sofern es die weitere Entwicklung erlaubt, erklärte Landrat Olaf Meinen auf Nachfrage.
Immerhin reichten die 90 Minuten aus, um unter anderem im großen Saal der „Alten Schmiede“ in Middels einen Vortrag von Landvolk-Präsident Manfred Tannen aus Bensersiel zum „Niedersächsischen Weg“ zu hören. Dieser ist für Tannen bestens geeignet, eine Balance zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft zu erreichen. Die Vereinbarung sei bundesweit einmalig. Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie die Natur- und Umweltverbände Nabu und BUND verpflichteten sich zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Ressource Landschaft.
Tannen ist überzeugt, dass die aus der Vereinbarung hervorgehenden Gesetze „den Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz entzaubern“ können. Der Landvolkpräsident hat in der Arbeitsgruppe Wasser/Wassergesetz mitgewirkt.
Tannen: „Können dem Futterbau nicht so große Flächen entziehen“
Der Niedersächsische Weg“ beschreibt insgesamt 15 Handlungsfelder — darunter die Gewässerrandstreifen-Problematik. Dies sei für Ostfriesland einer der wichtigsten Punkte. Unter anderem ist ein Ausbringungsverbot von Pflanzenschutzmitteln und Dünger an Gewässern erster bis dritter Ordnung gegen den finanziellen Ausgleich von Ertragsverlusten vorgesehen. Bei den Gräben, die landwirtschaftliche Flächen durchziehen (dritte Ordnung) ist im Gesetzentwurf ein zu schützender Randstreifen von drei Metern Breite vorgesehen. Doch es soll Ausnahmen geben. Hier, so Tannen, habe man besonders um den richtigen Weg gerungen. Wo es besonders viele dieser Gräben gibt, also in Ostfriesland, kann die geforderte Breite auf einen Meter reduziert werden. „Wir können dem Futterbau nicht so große Flächen entziehen“, erklärte der Landvolk-Präsident. Die Bewirtschaftungsform, oft mit Weidehaltung verbunden, genieße eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft.
Die Gesetzentwürfe zum „Niedersächsischen Weg“ stehen nun zur Beratung im Landtag an. Mit Beschlüssen rechnet Tannen Anfang 2021.
1000 Gebäude im Landkreis stehen unter Denkmalschutz
Weiteres Schwerpunktthema war die neue Denkmalförderrichtlinie des Landkreises Aurich. Einige Politiker fanden das Regelwerk zwar zu bürokratisch, unter dem Strich sei die Förderung insbesondere erhaltenswerter Gulfhöfe und Landarbeiterhäuser aber richtig und wichtig. Wie Baudezernent Eiko Ahten erklärte, stehen im Landkreis Aurich etwa 1000 Gebäude unter Denkmalschutz. Jedes Denkmal stelle ein Zeugnis der Zeitgeschichte dar. Für Ostfriesland seien insbesondere die Gulfhöfe und die Landarbeiterhäuser prägend.
Nach Jahren der Enthaltung will sich der Landkreis jetzt wieder mit eigenen Mitteln am Erhalt der Baudenkmale beteiligen. Das Interesse der Eigentümer an einer Unterstützung sei groß. Baudezernent Ahten nannte den Wiedereinstieg des Landkreises in die Förderung von Baudenkmalen „ein wichtiges Signal“. Die Ausschussmitglieder begrüßten die neue Förderrichtlinie. In diesem und im kommenden Jahr stehen jeweils 300.000 Euro zur Verfügung. Die Vergabe von Fördergeldern (im Einzelfall zwischen 10.000 bis 60.000 Euro) ist an eine Reihe von Kriterien gebunden, die von der unteren Denkmalschutzbehörde geprüft werden.
