Aurich - Der Startschuss für die Erweiterung des umstrittenen Energieparks in Extum ist gemacht. Der Bauausschuss im Auricher Stadtrat hat seine Empfehlung für die Änderung der Flächennutzung in dem Bereich an den Verwaltungsausschuss gegeben. Dieser nicht-öffentlich tagende Ausschuss soll jedoch erst dann eine endgültige Entscheidung in der Sache fällen, wenn auch der Ortsrat Extum strittige Punkte geklärt sieht. Und außerdem soll eine Klausel aufgenommen werden, nach der sich Bürger am Solarpark finanziell - und später beim Gewinn - beteiligen können. Darauf hatte Richard Rokicki (AWG) gedrungen, wie es bereits bei Windparks längst der Fall ist.
Entscheidungen der Ortsräte respektieren
Gunnar Ott (Grüne) hatte dafür plädiert, Entscheidungen der Ortsräte zu respektieren: „Wir sollten nicht über die Köpfe des Ortsrates und der Anwohner in Extum entscheiden.“ Der Ortrat Extum hatte unter anderem Klärungsbedarf gesehen, weil die Jägerschaft auf gepachtete Flächen hingewiesen hatte, die nun widerrechtlich überplant würden. Doch das ist nicht der Fall, gab Mirko Wento vom Bauamt im Bauausschuss nach zuvor erfolgter Rücksprache mit der Stadtverwaltung Entwarnung. Und ein weiterer Punkt wurde ebenfalls angesprochen. Bei Solarparks gebe es zwar generell keinen rechtlichen Anspruch auf Mindestabstände zu Siedlungen, wohl aber im neuen Energiekonzept der Stadt Aurich. Hier würden diese Abstände bei den aktuellen Planungen eingehalten. Ein 20 Jahre alter Solarpark in Extum sei davon nicht berührt. Dass Abstände zu Wohnhäusern in Moordorf in der Nachbargemeinde Südbrookmerland geringer seien, falle nicht in die Zuständigkeit der Stadt. Hier müsse sich die Nachbarkommune bei der öffentlichen Auslegung der Pläne entsprechend äußern.
Zwei grüne Themen sind berührt
Es waren zwei grüne Themen, über die sich die Auricher Politik klar werden muss: Es geht einerseits um die Nutzung alternativer Energien und andererseits um den Erhalt grüner Wiesen für Wildtiere und Natur. Wenig Verständnis gab es für die Grünen, hier plötzlich blockieren zu wollen. „Wir sind für erneuerbare Energien und den Solarpark, aber wollen die Interessen der Bürger nicht übergehen“, betonte Ott.
Und für die Auricher Verwaltung steht fest, dass sie per Gesetz im Stadtgebiet 98 Hektar für die Gewinnung von Solarstrom im Freiland ausweisen muss. Allerdings wollen Anwohner und Jäger die Extumer Flächen lieber für Flora und Fauna behalten, während der Investor auf rund 17 Hektar Photovoltaik-Anlagen aufstellen will. Geplant sind aber auch Ladesäulen für E-Autos, die von direkten Nachbarn vergünstigt genutzt werden können, damit auch diese einen Vorteil von dem Solarfeld haben. Auch eine Wasserstoff-Herstellung ist geplant.
Aurich muss Flächen schaffen
Der Wallster Ortsrat hat keine Bedenken gegen das Projekt angemeldet, während der Ortsrat in Extum seine Entscheidung letzte Woche verschoben hatte. Auch der Bauausschuss gab jetzt zwar grünes Licht. Damit ist das letzte Wort jedoch nicht gesprochen, wie der Solarpark inhaltlich letztlich umgesetzt wird. Das wird im weiteren Verfahren entschieden. Der Ortsrat Extum jedenfalls bekommt den Fall am Mittwoch, 20. März, erneut mit den Änderungen auf den Tisch, der Verwaltungsrat kann voraussichtlich am Montag darauf eine Entscheidung fällen.
Investor will keine Zeit verlieren
Und für Betreiber Jann-Heiko Samuels ist eine Entscheidung durch die Politik längst überfällig, denn schon seit fünf Jahren tüftelt er an seinen Plänen, vor zwei Jahren stellte er diese Pläne öffentlich vor. Vor 16 Jahren hat er bereits eine zwei Hektar große Fläche mit Photovoltaik-Platten bestückt, um Sonnenenergie einzufangen. Jetzt sollen für insgesamt 15 Millionen Euro weitere 11,7 und 5,6 Hektar große Flächen folgen. Damit der Strom am vier Kilometer entfernten Stadteingang ins Netz fließen kann, hält ihm der EWE nach einer Anzahlung schon die Leitung offen. Er verliere jedes Jahr viel Geld, der Stadt entgehen Gewerbesteuern bis zu 50.000 Euro im Jahr.
