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Heimatgeschichte Strackholt Wie ein Fehntjer Pastor seine Gemeinde zu Tränen rührte

Pastor Remmer Janssen (hinten im Auto) im Jahr 1921 bei seinem Abschied aus der Kirchengemeinde Strackholt.

Pastor Remmer Janssen (hinten im Auto) im Jahr 1921 bei seinem Abschied aus der Kirchengemeinde Strackholt.

Archiv ggm

Strackholt - Ein weltweites Netzwerk haben die Missionare aus der lutherischen Kirchengemeinde Strackholt im 19. Jahrhundert über den Zeitraum von 50 Jahren gespannt. Victorburs Pastor Jürgen Hoogstraat hat sich mit der Geschichte befasst und sein neues Buch „Netzwerk Strackholt 1865 - 1915 - Auswanderer/innen, Diakonissen, Missionare, Prediger zur Zeit Remmer Janssens“ in der Strackholter Kirche vorgestellt.

Blick in die lutherische St. Barbara-Kirche in Strackholt. Bild: Archiv Maske

Blick in die lutherische St. Barbara-Kirche in Strackholt. Bild: Archiv Maske

Es entstand mit Hilfe der Upstalsboom-Gesellschaft für historische Personenforschung und Bevölkerungsgeschichte in Ostfriesland, teilt Vorsitzender Helmut Fischer mit. Hoogstraat wollte es schon im Dezember vorstellen, aber Corona verhinderte den Festakt. „Es ist ein kaum bekanntes Kapitel ostfriesischer Missionsarbeit“, ist Fischer froh, dass der Termin nun nachgeholt wurde.

Die Bücher

Das Ortssippenbuch für Strackholt ist ebenfalls bald digital abrufbar, verfasst von G. Kroon und R. Onken. Das Ortsippenbuch ist zur Zeit vergriffen und nur im Antiquariat erhältlich. 

Es ist eine Basis und Ergänzung zum neuen Buch von Jürgen Hoogstraat. Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung verschiedener Veröffentlichungen will es die Upstalsboom-Gesellschaft auf der Homepage für Mitglieder digital zur Verfügung stellen.

„Netzwerk Strackholt 1865-1915“ ist in der Kirchengemeinde Strackholt und bei der Upstalsboom-Gesellschaft unter www.upstalsboom.org oder freitags in der Fachstelle, Fischteichweg 16, 26603 Aurich unter 04941-967878 zum Preis von 17,50 Euro zuzüglich der Versandkosten erhältlich.

Aurichs Superintendent Tido Janssen sprach von einem „faszinierenden Kapitel Heimatgeschichte“, das ihn von Anfang an so beeindruckte, dass er das Buch „in einem Rutsch“ genossen habe.

Nicht nur Missionen in Amerika - auch in Asien

Autor Jürgen Hoogstraat nimmt seine Leser mit in eine Zeit des Aufbruchs, Umbruchs und der Neubesinnung von Strackholt ausgehend. Nicht nur die Auswanderungen aus Ostfriesland nach Nordamerika werden reflektiert, auch Ziele in Asien oder Afrika hatten die Missionare des Strackholter Missionswerkes unter der Leitung von Pastor Remmer Janssen (1850-1931), einem Landwirtssohn aus Werdumer Altendeich, der 1877 in die Gemeinde kam.

Blick in die Kirche der südafrikanischen Gemeinde Endhlovini. Bild: Archiv Maske

Blick in die Kirche der südafrikanischen Gemeinde Endhlovini. Bild: Archiv Maske

Ein ostfriesisches Dorf habe von 1865 bis 1915 die Missionstätigkeit maßgeblich beeinflusst. 1921 verließ Pastor Janssen mit 70 Jahren Strackholt, weil er sich den Anforderungen des 4000-Seelen-Dorfes nicht mehr gewachsen sah.

Abschied von der Gemeinde Strackholt unter Tränen

Als er im Gottesdienst seine Absicht ankündigte, traten „harten ostfriesischen Männern Tränen in die Augen“, heißt es in einer Chronik von Günter Maske im Jahr 1954. Und auch Janssen fiel der Abschied schwer. In seiner Abschiedspredigt habe er gesagt: „Lasset Euren Tränen nur freien Lauf. “ Gott möge der Gemeinde einen Hirten senden, der sein Wort treuer verkündete, als er es getan hätte.

Pastor Remmer Janssen. Bild: Archiv ggm

Pastor Remmer Janssen. Bild: Archiv ggm

Dann stieg er von der weißen Kanzel der Strackholter Kirche hinab. Ein Augenblick, der allen Besuchern im Gottesdienst unvergesslich blieb. Janssen übernahm noch drei Jahre lang die kleine lutherische Pfarrstelle in Ochtelbur. Dort auf seinen Lohn angesprochen, sagte er in Anspielung auf einen Satz Jesu: „Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt’s“.

Den Lebensabend in Egels verbracht

Seinen Lebensabend verbrachte Pastor Janssen in Egels. Er war jedoch durch die Inflation 1921 verarmt, als seine Missionsschüler in Amerika im unverhofft mit Geld halfen, während sein Neffe, ein Auricher Kaufmann, ihm ein Haus in Egels kaufte. Dort bepflanzte Janssen ein Beet mit Vergissmeinnicht mit den Worten „Das ist Strackholt“. „Im Geiste weile ich Nacht und Tag in meiner lieben Gemeinde Strackholt“, blieb ihm die Fehntjer Gemeinde immer nahe. Seine letzte Predigt hielt er zum 50-jährigen Posaunenchorjubiläum in Strackholt, wobei ihn drei Männer auf die Kanzel trugen. „Er ist alt geworden“, raunten sich die Besucher des Gottesdienstes damals zu. - Vergessen haben sie ihren Pastor nie, begraben ist er auf dem Friedhof in Strackholt.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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