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Weitere Baustelle in Aurich in Sicht Auricher Rat streitet wegen Neupflasterung in Norder Straße

Die Granitsteine in der Norder Straße sollen Klinkern weichen. Für Matthias Kreysing vom House of Sports verschwindet damit ein weiteres, sympathisches Stückchen Alt-Aurich.

Die Granitsteine in der Norder Straße sollen Klinkern weichen. Für Matthias Kreysing vom House of Sports verschwindet damit ein weiteres, sympathisches Stückchen Alt-Aurich.

ggm

Aurich - Die Bauarbeiten in der Osterstraße und Burgstraße sind abgeschlossen, der Bereich am Marktplatz noch in Arbeit. Streit gab es in dieser Woche im Verkehrsausschuss, weil die Stadt weitere Pflasterarbeiten in der Fußgängerzone plant. Die Norder Straße, die vom Pferdemarkt zum Marktplatz führt, soll im Frühjahr teilweise ein neues Pflaster bekommen. Die historischen Granitsteine in der Mitte der Fahrbahn der Fußgängerzone sollen Klinkern weichen, gab die Stadtverwaltung im Verkehrsausschuss bekannt.

Mehr Sicherheit für Radler und Fußgänger

Radfahrer und Fußgänger sollen sich, optisch getrennt durch unterschiedliches Pflaster, sicherer bewegen können. „Das Natursteinpflaster ist nicht gut zu belaufen und zu befahren“, stellte Mirco Wento vom Stadtbauamt fest. 100.000 Euro kostet die Maßnahme.

Im Jahr 1991 wurden das Natursteinpflaster verlegt. Jetzt soll es wieder raus, weil sich die Steine lockern.

Im Jahr 1991 wurden das Natursteinpflaster verlegt. Jetzt soll es wieder raus, weil sich die Steine lockern.

ggm

Denn Radfahrer dürfen dort jedoch in der Zeit zwischen 18 Uhr bis 10 Uhr am nächsten Tag fahren. Auch der Lieferverkehr ist während dieser Zeit erlaubt. Daran wird mit der Neupflasterung auch nicht gerüttelt. Auch sei die Maßnahme kein „Vorgriff“ auf die Einführung als Fahrradstraße mit besonderen Rechten und Pflichten, betont die Stadtverwaltung.

Lassen sich die runden Köpfe abschneiden?

Aber schon jetzt halten sich viele Radfahrer auch tagsüber nicht an das Radfahrverbot, sondern fahren durch die Norder Straße durch. Reinhard Warmulla (Linke) schlug vor, die runde Oberfläche der Natursteine einfach abzuschneiden, um eine glatte Fläche zu bekommen. Das ist nach Meinung Wentos jedoch teurer als die Neupflasterung mit Klinkern, weil dafür jeder Naturstein herausgenommen und beschnitten werden müsste.

Natursteine erinnern an früheres Kopfsteinpflaster

Mit der Neupflasterung verschwindet auch ein weiteres Detail, das in die Geschichte der Stadt weist, gab Warmulla zu bedenken, ein Merkmal „wie Aurich einmal ausgesehen hat“, so der Linken-Ratsherr. Das meint auch Matthias Kreysing, Inhaber vom „House of Sport“ in der Norderstraße. „Das ist eine Katastrophe“, schimpfte er im Gespräch mit dieser Zeitung. So verliere auch dieser Teil der Fußgängerzone an besonderem Flair, das auf dem Marktplatz und in der übrigen Innenstadt längst Vergangenheit sei.

Lieber neue Kundenparkplätze schaffen

Radfahrer gehören nach Kreysings Meinung grundsätzlich nicht in die Fußgängerzone, weil viele schon jetzt einfach rücksichtslos durchfahren würden. „So etwas können wir uns hier nicht leisten. Schon jetzt kämpfen Kaufleute in der Norder Straße ums Überleben“, wies er auf den wachsenden Leerstand hin. Eine wichtige Verbindung zum Marktplatz sieht er nicht. „Die Radfahrer können ohne Probleme über die Wallstraße und Marktstraße dahin gelangen“, sagte er. Ein Problem sei vielmehr, dass es im neuen Wohnquartier zwischen Norder Straße und Wallstraße keine Kundenparkplätze mit Anbindung zur Fußgängerzone gebe.

Kaufleute begleiteten 1991 Neupflasterung

Für die Stadt ist die Neupflasterung eine Unterhaltungsmaßnahme. Im Mai 1991 begann der Umbau und die Neugestaltung der Norder Straße, begleitet von Kaufleuten des „Nörder Hook“ und wurde im September des gleichen Jahres offiziell eingeweiht. Nach 32 Jahren sei eine Unterhaltung der Mittelspur zwingend erforderlich. Schon jetzt würden Fußgänger und vor allem behinderte Menschen lieber auf die mit ebenen Steinen gepflasterten Seitenränder vor den Geschäften ausweichen, stellte Wento fest. Auch Hier widersprach der Ausschussvorsitzende Peter Specken (Grüne). „Das stimmt nicht. Da befinden sich ja die Stände der Kaufleute“, sagte er.

Lob und Kritik

Reinhold Mohr, Grünen-Ratsherr, will die Norder Straße ganz für Fahrräder freigeben, um Radfahrer schneller Richtung Marktplatz zu lotsen.  

Bodo Bargmann (CDU) hält an der Fußgängerzone fest. Er lehnt eine angesprochene, mögliche Öffnung der Norder Straße für Fahrräder grundsätzlich ab, befürchtet aber entsprechende Begehrlichkeiten durch die Neupflasterung.

Volker Rudolph (GAP) schlägt eine „versuchsweise Öffnung“ vor. 100.000 Euro seien „ein dickes Brett“. Geschäfte hätten jedoch dadurch keine Nachteile, im Gegenteil würden die Seitenstreifen für Fußgänger durch die Trennung sogar sicherer.

Heidrun Weber (GfA) hält die Norder Straße schon jetzt für „eine Rennstrecke“. „Und wir haben schon wieder eine Baustelle in der Innenstadt“, will sie die Maßnahme lieber verschieben, wenn die Norder Straße irgendwann mal Fahrradstraße wird. Außerdem trage das aktuelle Pflaster „zur Entschleunigung“ bei.

Arnold Gossel (CDU) sieht ähnliche Probleme mit schlechten Pflasterungen auch woanders im Stadtgebiet gegeben. Er ist dennoch für eine Neupflasterung, denn die Stadt sehe „alt aus“, wenn in der Norder Straße ein Unfall passiere, obwohl die Probleme bekannt seien. Dabei sollten aber Steine eingebaut werden, die auch in der Osterstraße und Burgstraße gepflastert wurden. Die Verwaltung prüft das, weil die Steine dort auch Schwerlastverkehr aushalten können.

Gerda Küsel (SPD) spricht sich für die Neupflasterung mit Klinkern aus. Die neugepflasterte Osterstraße sowie die Burgstraße sind für sie Vorbild und Beispiel für eine Verbesserung.

Frank Patschke, Fahrradbeauftragter der Stadt Aurich, hält eine Neupflasterung aus Sicherheitsgründen für angebracht, weil es sicherer ist. „Es gibt jetzt den legalen und illegalen Radverkehr. So lenken wir Radfahrer jedoch in die Mitte der Fahrbahn - und das wissen dann auch die Fußgänger.“

Reinhard Warmulla (Linke) versteht nicht, warum eine intakte Straße saniert wird. Wichtiger wären für das Geld Sanierungen auf dem Marktplatz, gibt Warmulla mit Blick auf Menschen mit Rollatoren zu bedenken, die dort wegen der Pflasterung mehr Probleme hätten. Die Kaufleute vom „Nörder Hook“ hätten 1991 die Umgestaltung geplant. Mit ihnen müsse gesprochen werden. Außerdem pochte er auf eine Gleichbehandlung mit anderen maroden Straßen im Stadtgebiet.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich
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